Rechts-Links-Crossover

Wer am Wochenende am Zeitungskiosk die Taz kaufen wollte, könnte erstmals mit der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit Bekanntschaft gemacht haben

Nun wissen zumindest regelmäßige Taz-Leser durchaus zu schätzen, dass die einst alternative Tageszeitung auch nach ihrer Etablierung am Zeitungsmarkt noch immer für Überraschungen gut ist. Das zeigte sich erst vor einigen Monaten, als sie ihre Jubiläumsausgabe von ihren Lieblingsfeinden, darunter Bild-Chefredakteur Kai Dickmann, gestalten ließ. Für die Satire-Taz, die jetzt an Zeitungskiosken aushängt, ist allerdings nicht die Redaktion in der Berliner Kochstraße, sondern die Junge Freiheit verantwortlich.

Auf den ersten Blick ist kaum zu erkennen, wer hier wen parodiert. Zwar hätte das Aufmacherfoto, dass Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Kreise leichtbekleideter jungen Frauen zeigt, sicher in den Anfangsjahren der Taz zu Protesten der feministischen Leserinnen geführt. Doch mittlerweile gibt man sich in der Kochstraße schon mal politisch unkorrekt. Nicht nur bei der Jubiläumsausgabe zum 25-jährigen Bestehen der Taz, wo dieser Job noch von den Kollegen aus dem Hause Springer oder von Berlins letzten kalten Medienkrieger Georg Gafron übernommen wurde. Für das Inkorrekte ist im alltäglichen Medienbetrieb die Taz-Wahrheitsseite zuständig. Das führt immer wieder mal zu Konflikten mit Teilen der Leserschaft und der Redaktion.

Die rechte Konkurrenz von der Jungen Freiheit hat in dieser Hinsicht weniger Probleme. Sie versucht ihre in der Regel zwischen dem rechten Rand der CDU und den Republikanern angesiedelten politischen Einstellungen unter dem Gestus des einsamen Tabubrechers, der gegen den linken Mainstraim ankämpft, zu verkaufen. Vor einigen Jahren ließ die JF-Redaktion den Slogan "PC-Nein danke" auf Aufklebern verbreiten. Dass gerade die Taz weiterhin für das rechte Intelligenzblatt zur Feindpresse gezählt, machte JF-Chefredakteur Dieter Stein in einem Kommentar in der Jubiläumsausgabe deutlich:

Die Taz, die einmal als Verteidigerin der Pressefreiheit angetreten ist, hat sich inzwischen zu einer der penetrantesten Gouvernanten der political correctness in Deutschland gewandelt.

So liest man zu Beruhigung der eher schlichteren Rechten, die mit soviel postmodernem Crossover nicht so viel anfangen können. Er beschuldigt die parodierte Konkurrenz auch, "ihre enge Liaison mit dem gewalttätigen Linksextremismus" nicht aufgearbeitet zu haben. Als Beweis führt Stein an, dass in der Taz "großflächig Bekennerschreiben terroristischer Kommandos" veröffentlicht wurden. "So auch das Bekennerschreiben der Terrorgruppe, die 1994 die Druckerei der JF überfallen und in Brand gesetzt hatte." Steins humorfreies Nachkarten nach 10 Jahren ausgerechnet in einer satirisch gestalteten Jubiläumsausgabe macht es leicht, der Einschätzung von Taz-Medienredakteur Steffen Grimberg zuzustimmen: "Mitnichten, Herr Stein, die JF ist keine 'rechte' Taz, egal wer davon träumt."

Doch wer die JF-Jubiläumsausgabe durchblättert, merkt schnell, dass es jenseits aller Satire, die dem rechten Blatt neue Verkaufserfolge bescheren soll, Anknüpfungspunkte gibt. So wird schon auf der Titelseite ein Interview mit dem durch die Verteidigung von Nazikriegsverbrecher Klaus Barbie bekannt gewordenen französischen Rechtsanwalt Jacques Verges beworben, der als selbsternannter Verteidiger von Saddam Hussein wieder von sich reden macht (" Erstmals äußert sich der internationale Staranwalt Jacques Vergès und voraussichtliche Verteidiger von Saddam Hussein in einem deutschen Medium über den bevorstehenden Prozeß gegen den ehemaligen irakischen Diktator") . Die Taz - eigentlich auch ein "deutsches Medium" - war allerdings schneller gewesen und hatte schon am 2.Januar ein Interview mit Verges veröffentlicht.

Mit dem einstigen Apo-Aktivisten Bernd Rabehl gehört auch ein Taz-Schreiber der ersten Stunde mittlerweile zu den ständigen JF-Mitarbeitern. In der Jubiläumsausgabe schreibt er über die politische Sozialisation ehemaliger Apo-Veteranen, die ins rot-grüne Lager gewechselt sind. Auf die Taz ist Rabehl nicht mehr gut zu sprechen, nachdem das Blatt öffentlich machte, dass er auf dem Treffen der rechten Burschenschaft Danubia eine nationalistische Rede geschwungen hat. Die Rede wiederum wurde von Horst Mahler, angeblich ohne Rabehls Zustimmung, damals an die JF weiter gegeben. Ein Rechts-Links-Crossover ganz ohne Satire also. (Peter Nowak)

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