Rechtspopulisten - die wahren "Volksverräter"?

Lügen

An Lügen scheint tatsächlich im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre kein Mangel zu herrschen. Es reicht, sich die weinerlich-trotzigen Erklärungen der Täter anzuhören, die sich als Opfer einer finsteren (jüdisch-bolschewistischen?) Manipulation, ja auch ihrer Triebe darstellen.

Es sei eine "besoffene Geschichte" gewesen, zitierte die Süddeutsche Zeitung den österreichischen Oberpopulisten, der bei einer Presseerklärung alles tat, "um den Eindruck zu erwecken, weder er noch die FPÖ hätten ernst gemeint, was er der angeblichen russischen Investorin alles versprochen hatte". Unter anderem hat Strache der russischen Oligarchennichte die Kontrolle über die Kronen Zeitung und Aufträge beim Autobahnbau versprochen.

Laut der Süddeutschen Zeitung entspricht diese Darstellung Straches aber nicht der Wahrheit. Der Ausverkauf Österreichs durch die obersten Oberpatrioten der FPÖ sei von langer Hand geplant worden:

Nach Recherchen von SZ und Spiegel sind die Absprachen etwa um den Kauf der Kronen-Zeitung und das Zuschanzen von Staatsaufträgen keineswegs nur an diesem einen Abend besprochen worden. Im Gegenteil: der zurückgetretene FPÖ-Funktionär Gudenus - Straches engster politischer Verbündeter - hatte offenbar monatelang Kontakt zu der vermeintlichen russischen Investorin und deren Umfeld. Das Thema wurde in dieser Zeit entwickelt und Strache war offenbar auch gebrieft - wie sonst hätte er beim Treffen in Ibiza einleitend fragen können, was in dieser Sache "schon vorangeschritten" sei?

SZ

Damit fällt die Darstellung Straches in sich zusammen, er habe alkoholisiert in postpubertärem Balzgehabe der attraktiven jungen Dame bloß imponieren wollen. Offensichtlich betreiben Strache und Gudenus ihren österreichischen Sommerschlussverkauf gezielt und planmäßig über einen längeren Zeitraum.

Böse Zungen könnten hier von Lügen sprechen, die in Anlehnung an Lügenpresse von "braunen Lügenfr…" verbreitet würden, wenn die rechtspopulistischen Maßstäbe der AfD und FPÖ an eben ihr Spitzenpersonal angelegt würden.

Rechtspopulisten als wahre "Volksverräter"?

Tatsächlich könnte gerade eine solche Herangehensweise heilsam wirken. Wenn etwa der AfD-Anführer Gauland bei einem seiner unzähligen Fernsehauftritte erklären kann, dass man das Video nicht hätte veröffentlichen müssen, da hier ein Mensch "vorgeführt" werde, dann müsste mensch ihm einfach nur sein eigenes Parteiprogramm um die Ohren hauen, in dem es heißt:

In der Vergangenheit hat ein ideologisch motiviertes übertriebenes Maß an Datenschutzmaßnahmen die Sicherheitsbehörden gelähmt und unverhältnismäßig bürokratisiert. Die Folge ist mangelnde Sicherheit für rechtschaffene Bürger und Datenschutz für Täter.

AfD

Die AfD und FPÖ betreiben somit eine klassische Täter-Opfer-Umkehr, indem sie gerade dann zu rotgrün versifften "Gutmenschen" mutieren, wenn sie selbst "Täterschutz" in Anspruch nehmen wollen.

Letztendlich stellt sich die Frage, ob nicht gerade die Rechtspopulisten als die wahren "Volksverräter" zu gelten haben, die sie überall halluzinieren. Das Verhalten der FPÖ-Führer grenze auch nach bürgerlichen Maßstäben an Landesverrat, erklärte der bereits zitierte Rudolf Adam im Cicero:

Denn zwei sich nationalistisch gebende Politiker haben sich als skrupellose Manipulateure entlarvt, die mit ausländischen Geldgebern die demokratische Willensbildung ihres Landes zu ihren eigenen parteipolitischen Gunsten beeinflussen wollten. Sie waren bereit, den Geldgebern dafür Staatsaufträge mit entsprechenden Profitmargen auf Kosten der Steuerzahler den Geldgebern zuzuschanzen. Das Ganze grenzt an Landesverrat.

Rudolf Adam

Die Führungsriege der FPÖ als "Volksverräter"? Was ist mit der AfD, bei der inzwischen wohl jede Führungsperson ihren Spendenskandal auszusitzen versucht?

Wie mit Menschen zu verfahren sei, die von der Neuen Rechten als Landes- oder Volksverräter beschimpft werden, dafür haben sie selbst immer wieder möglichst brutale Zeichen gegeben. Auf Demonstrationen von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten werden für "Volksverräter" Galgen mitgeführt. (Tomasz Konicz)