Regionalwahlen UK: Labour auch unter Corbyn erfolglos

Tories zweitstärkste Kraft in Schottland, UKIP bei Westminster-Parlamentsnachwahlen

Bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Vereinigten Königreich hat die Labour Party den bisher ausgezählten Teilergebnissen und Hochrechnungen nach weiter an Boden verloren: Der BBC-Hochrechnung nach verlor sie im Vergleich zu den letzten Kommunalwahlen landesweit etwa sechs Prozent. Lediglich in Crawley, Southampton, Norwich and Hastings und einigen anderen Ortschaften in Südengland, wo die Tories verloren, konnte sie Ratsmehrheiten zurückgewinnen.

In der Partei interpretiert man dieses Ergebnis unterschiedlich: Während Schattenkanzler John McDonnell verlautbarte, gemessen am sehr steilen Abwärtstrend vor der Übernahme des Parteivorsitzes durch Jeremy Corbyn im letzten Herbst befinde man sich auf dem "Pfad der Besserung", meinte der Corbyn-Kritiker John Mann, angesichts des aktuellen Zustandes der Tories, die sich gerade um den EU-Austritt streiten, hätte Labour eigentlich Erdrutschsiege einfahren müssen.

Dass die Partei nicht besser abschnitt, dürfte auch an Antisemitismusvorwürfen gelegen haben, die nach israelfeindlichen Äußerungen einiger ihrer pakistanischstämmigen Kandidaten laut wurden. Ob der Labour-Kandidat Sadiq Khan, dem sein Gegenkandidat Zac Goldsmith mangelndes Urteilsvermögen im Umgang mit Islamisten vorwarf, die Wahl zum Londoner Bürgermeister gewonnen oder verloren hat, wird voraussichtlich erst am Abend feststehen. Khan hatte für sich vor allem als Befürworter eines Verbleibs in der EU geworben, während der Tory Goldsmith ebenso wie Altbürgermeister Boris Johnson für einen Austritt aus der EU plädierte. Über diese Frage entscheiden in sechs Wochen allerdings nicht Kommunalpolitiker, sondern die Briten selbst. Umfragen nach sind sie in London - anders als im Rest Englands - nicht für einen Austritt (vgl. Wie ein Brexit ablaufen könnte).

Tories legen in Schottland deutlich zu - SNP verliert absolute Mehrheit

Eine anderes Meinungsbild zum EU-Austritt als in England ergibt sich auch in Schottland, wo die Pàrtaidh Nàiseanta na h-Alba, die Scottish National Party (SNP), die bei der Westminster-Parlamentswahl im letzten Jahr 56 der 59 Parlamentssitze gewann, zwar zum dritten Mal hintereinander stärkste Partei wurde, aber mit 63 von insgesamt 129 Sitzen eine absolute Mehrheit im Holyrood-Parlament knapp verfehlt hat und wahrscheinlich eine Koalition mit den Grünen eingehen wird, die von zwei auf sechs Mandate zulegten. Insgesamt verlor die SNP sechs Sitze, obwohl sie ehemaligen Labour-Hochburg Glasgow und in Rutherglen eroberte.

Labour verlor in Schottland 13 Sitze und landete bei jetzt 24, während die Tories dort unter der offen homosexuellen Spitzenkandidatin Ruth Davidson (die der SNP das Zentrum von Edinburgh abnahm) 16 auf 31 dazu gewannen und wieder zweitstärkste Partei wurden. Die Liberaldemokraten, die die Orkney- und die Shetland-Insel hielten und der SNP Fife North East abnahmen, kamen insgesamt wieder auf fünf Mandate.

UKIP-Erfolg in Wales

In Wales, wo die Bürger in Umfragen eher zu einem Austritt aus der EU tendieren, nahm Leanne Wood, die Vorsitzende der dortigen Regionalpartei Plaid Cymru, Labour den Wahlkreis Rhondda ab - für den ehemaligen Minister Peter Hain seinen eigenen Worten nach ein "schrecklicher Schock" und für Wood eine "neue Morgendämmerung, die in den Tälern angebrochen ist". Insgesamt verlor Labour dort aber lediglich ein Mandat und hat jetzt 27 von insgesamt 60 im walisischen Regionalparlament.

Sehr viel stärker als Labour verloren in Wales die Tories, die drei Sitze einbüßten und nun mit neun hinter Plaid Cymru (10) liegen. Von ihrer Niederlage profitierte vor allem die EU-skeptische Partei UKIP, die mit fünf Abgeordneten erstmals in das Regionalparlament einzieht. Die Liberaldemokraten verloren dagegen zwei ihrer vorher drei Abgeordneten.

In Nordirland ist die Umfragemehrheit für einen Verbleib in der EU mit 77 zu 23 Prozent noch klarer als in Schottland, was auch an der geografischen Lage der von Irland und der irischen See umschlossenen Exklave und an Wiedervereinigungshoffnungen eines Teils der katholischen Nordiren liegen dürfte. Hier sind traditionell weder die Tories noch Labour im Regionalparlament vertreten, stattdessen wählt man die Regionalparteien Sinn Féin (sehr katholisch und für eine Wiedervereinigung mit Irland), DUP (sehr protestantisch) UUP (etwas weniger protestantisch) SDLP (moderat-katholisch) und Alliance (säkular).

Bei der Westminsterparlamentsnachwahl in Sheffield Brightside konnte der neue Labour-Kandidat Gill Furniss den Sitz des am 4. Februar verstorbenen Harry Harpham mit 62,5 Prozent Stimmenanteil verteidigen. Zweiter wurde hier nicht der Tory Spencer Pitfield, sondern Steven Winstone, der Kandidat der UKIP. Bei der Nachwahl im südwalisischen Ogwr, wo Huw Irranca-Davies seinen Sitz aufgab, konnte Labour mit dessen Nachfolger Chris Elmore ebenfalls einen Sitz verteidigen. Auch hier landete die UKIP-Kandidatin Glenda Davies auf Platz zwei. (Peter Mühlbauer)

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