Rekordeinbruch der Wirtschaft

Die Autoindustrie verzeichnete einen Rückgang von 50 Prozent: Bild: Pixabay License

Die deutsche Wirtschaftsleistung sinkt um zehn Prozent. Für die USA werden noch viel schlechtere Wirtschaftszahlen erwartet

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal, von April bis Juni 2020, um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen. Dies berichtet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am heutigen Donnerstag. Dieser Einbruch des Bruttoinlandsproduktes repräsentiert den höchsten gemessenen Rückgang seit mindestens 50 Jahren. Die vierteljährlichen Berechnungen werden seit dem Jahr 1970 angestellt.

Sowohl die Exporte als auch die Importe von Waren und Dienstleistungen, so das Statistische Bundesamt, sind im zweiten Quartal massiv eingebrochen. Der private Konsum sowie Investitionen in Ausrüstungen waren ebenfalls betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr sei das BIP im zweiten Quartal preisbereinigt um 11,7 Prozent niedriger.

Damit bestätigen sich die Befürchtungen, dass die Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie dramatische Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Nach einem bereits im ersten Quartal erfolgten Rückgang um zwei Prozent befindet sich Deutschland nun auch offiziell in einer Rezession. Für Freitag wird die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten für Italien und Frankreich sowie die gesamte Eurozone erwartet. Es steht zu befürchten, dass diese Zahlen nicht weniger düster ausfallen werden.

Laut Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft repräsentiert der kumulierte Rückgang von 11,9 Prozent seit Ende 2019 die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Industrieproduktion sei allein von Februar auf Mai um 22,5 Prozent gesunken. Die Autoindustrie verzeichnete einen Rückgang von 50 Prozent. Die Exporte fielen um fast 27 Prozent. Der Tiefpunkt der Krise sei durchschritten, von einer nachhaltigen Erholung könne aber noch keine Rede sein.

Unsicherheiten

Wirtschaftsprognosen sind ein chronisch unsicheres Geschäft. Zwar verweisen manche Beobachter darauf, dass eine wirtschaftliche Erholung bereits unterwegs sei. Doch wie schnell die Wirtschaft sich tatsächlich erholen wird, hängt auch von Faktoren ab, deren Entwicklung selbst wiederum unklar ist, zuvorderst natürlich die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie. Unsicher ist ferner, wie gut die umfangreichen wirtschaftlichen Hilfspakete greifen werden.

Sicher hingegen ist, dass die Steuereinnahmen stark gesunken sind, während die Gesundheitsbudgets und die Sozialausgaben stark ausgeweitet wurden. Der Arbeitsmarkt ist stark unter Druck. Der Wirtschaftsrückgang in anderen europäischen Ländern ist jedoch noch stärker. Deutschland hat einen relativen Vorteil, in anderen Ländern waren die Corona-Maßnahmen im Frühjahr noch strenger. Ferner kam Deutschland eine bessere fiskalische Situation zugute.

Im Vergleich zu den USA sehen die miserablen deutschen Zahlen richtig gut aus: Der Wirtschaftsrückgang in den Vereinigten Staaten wird für das zweite Quartal auf bis zu 35 Prozent geschätzt - dreimal so hoch wie der bislang stärkste Rückgang von 10 Prozent im Jahr 1958. Die Veröffentlichung der offiziellen Zahlen wird ebenfalls noch heute erwartet. (Thomas Schuster)