Rekordhitze in Spanien und Portugal

Produzierter Wassermangel und subventionierter Wasserklau

Die iberische Halbinsel erlebt Rekordhitzewerte. Die Hitze in Spanien und Portugal geht einher mit dem zweiten extremen Dürrejahr. Dieses hydrologische Jahr, das noch bis Oktober dauert, könnte in Spanien noch trockener als das vergangene Jahr werden, das trockenste Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnung von Messdaten im Jahr 1947. Diese Woche musste, wegen mangelndem Kühlwasser, sogar ein Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Doch die Wasserknappheit geht nicht auf die fehlenden Niederschläge zurück. Die falsche Nutzung und die Verschwendung von Wasser macht der WWF für die Knappheit verantwortlich. Die Situation werde sich zuspitzen, wenn dem Treiben kein Ende bereitet werde, sagt die Umweltorganisation voraus.

Es ist heiß auf der iberischen Halbinsel. Es ist so heiß, dass die spanische Umweltministerin Cristina Narbona die Bevölkerung zur "Vorsicht" mahnt. Kinder und alte Menschen seien besonders gefährdet. Dass es in Spanien und Portugal immer heißer und trockener wird, kann seit Jahren deutlich beobachtet werden. Die iberische Halbinsel ist von den Klimaveränderungen, die der Mensch herbeiführt, besonders betroffen. Spanien gehört aber auch zu den Ländern, die am stärksten gegen das Klimaschutzabkommen verstoßen (Spanien erklimmt neue Höhen beim Verstoß gegen das Kioto-Abkommen).

Im vergangenen Jahr litt die gesamte iberische Halbinsel unter der extremsten Dürre, seit mit der Aufzeichnung von Messdaten 1947 begonnen wurde (Hitzerekorde, Dürre, abschmelzende Eisdecken). Für dieses Jahr sieht es nicht besser aus. Wegen fehlender Niederschläge könnte dieses Jahr auf der iberischen Halbinsel "noch trockner" ausfallen als das Vorjahr, warnte das spanische Umweltministerium. Und die Dürre sucht nicht nur Spanien und Portugal heim. Sogar in Südostengland wird die schlimmste Dürre die seit 100 Jahren registriert. Auch Australien und Ostafrika kämpfen mit Dürren (Nach der Flut ist vor der Dürre) und der Amazonas droht derweil auszutrocknen (Der Amazonas trocknet aus) während die großen Wasserfälle des Iguazú, zwischen Argentinien und Brasilien gelegen, nur noch ein Rinnsaal im Vergleich zu früher sind.

Spanien verfügt zwar mit 1.300 Stauseen, welche die riesige Menge von 50 Kubikkilometer Wasser speichern könnten, weltweit über die höchste Zahl der Stausseen pro Einwohner, doch die werden wegen fehlender Niederschläge kaum mehr richtig voll. Anfang der Woche musste sogar das Atomkraftwerk Garoña abgeschaltet werden, weil das Wasser des Ebro nicht mehr zur Kühlung ausreichte. Dabei handelt es sich dabei um den wasserreichsten Fluss des Landes, der das Wasser aus den Pyrenäen nach Südspanien trägt. So zeigt sich, in Zeiten des Rekordstromverbrauchs, dass AKWs nicht wie behauptet die Grundlast stets absichern, was gerne als Argument gegen alternative Energiequellen und für AKWs angeführt wird (Ausstieg aus dem versprochenen AKW-Ausstieg).

Dazu kommt, dass Spanien und Portugal den zweithöchsten Wasserverbrauch in Europa haben. 870 Kubikmeter pro Person werden hier pro Person verbraucht, beim portugiesischen Nachbarn sollen es sogar mehr als 1100 sein. In Frankreich sind es dagegen noch 667 und im heißen trockenen Griechenland 708 Kubikmeter. Durch die Regenfälle im Frühjahr waren die Pegel der spanischen Stauseen zwar gestiegen, doch insgesamt blieb die gespeicherte Menge noch hinter der im Vorjahr zurück. Nach neuesten Zahlen des Umweltministeriums liegt die gespeicherte Menge nach einer Hitzewoche ohne Regenfälle nun nur noch bei 48,4 %.

Die gesamte gespeicherte Wassermenge nimmt derzeit wöchentlich jeweils um etwa 1 % ab, wobei die Situation regional sehr unterschiedlich ist. Liegen die Pegel der Stausseen im Norden noch über der 70 % Marke, sind einige Pegel im Süden schon an der 15 % Marke angelangt. In der südspanischen Region am Fluss Segura liegen die Pegel sogar schon unter der 15 % Marke. Als eine "außerordentliche schlimme Situation" bezeichnete die Umweltministerin dort die Lage. Trotz allem kündigte Narbona an: "Im Augenblick wird es nicht zu Einschränkungen bei der Versorgung kommen." Doch die wird es in der Landwirtschaft geben müssen, denn dort wird Wasser weiter, auch mit einer falschen Bewässerung, maßlos vergeudet.

Einer aktuellen WWF-Studie zufolge wird die Mittelmeerregion in Zukunft mit "immer häufigeren und stärkeren Dürrephasen zu kämpfen haben, wenn das Wasser nicht klug bewirtschaftet wird". Der WWF macht für die in den "Sommermonaten auftretenden dramatischen Trockenperioden" dort den "immensen und größtenteils ineffiziente Wasserverbrauch in der Landwirtschaft" direkt verantwortlich: Rund 65 Prozent (in Spanien 70 %) des Gesamtbedarfs der EU "landen auf Feldern und in Gewächshäusern, und zwar vor allem, um mithilfe von EU-Subventionen wasserintensive Feldfrüchte wie Zuckerrüben und Mais zu produzieren". Daneben stechen in Spanien auch noch Baumwolle und Reis hervor. Der WWF fordert angesichts der "Jahrhundertdürren" in Spanien und Portugal ein sofortiges Umlenken bei der Vergabe landwirtschaftlicher Subventionen durch die EU. Die Staaten müssten den Einsatz und den Konsum der knappen Trinkwasserressourcen viel stärker als bisher regulieren.

Im Mittelmeerraum habe sich der Anteil der Flächen, die für die Landwirtschaft bewässert wird, in den letzten 50 Jahren verdoppelt. Statt aber zum Beispiel auf Oliven und Zitronen zu setzen, die sich allein mit Regen versorgen, seien viele Bauern der "fehlgeleiteten EU-Subventionspolitik gefolgt". Dem gestiegenen Bedarf habe man versucht mit dem Bau weiterer Brunnen, Entsalzungsanlagen und Staudämmen, auch höchstumstrittene, zu begegnen.

Dabei ist auch klar, dass starke Einschränkungen bei der Nutzung des Wassers nur dazu führen würden, dass noch mehr illegale Brunnen gebohrt werden, wenn die Kontrolle nicht extrem verschärft und die Diebe entsprechend bestraft werden. Im Süden Spaniens, vor allem in der trockenen Region Murcia mit seinen endlosen Gewächshäusern, ist das ein beliebter Sport. Um den riesigen Durst der Plantagen zu stillen, die das Wassergemüse für europäische Supermärkte produzieren, reicht das Wasser des Segura schon lange nicht mehr aus. Das Bohren von illegalen Brunnen führe oft dazu, dass Meerwasser ins Grundwasser eindringt und es versalzt, erklärte Julia Martinez, Sprecherin der Umweltorganisation Ecologistas en Acción gegenüber Telepolis. In der noch von den Konservativen Volkspartei (PP) regierten Region würden aber auch weiter Golfplätze für einen "Qualitätstourismus" gebaut, die für ihren extremen Wasserverbrauch bekannt sind.

Für diesen Tourismus ist man gewillt, das Wasser Hektoliterweise zu verschwenden. Insgesamt gibt es im spanischen Staat schon fast 300 Golfplätze, und noch einmal die gleiche Anzahl ist geplant oder im Bau. Um sich eine Vorstellung vom Durst dieser Plätze zu machen: Ein Golfplatz alleine verbraucht in einer derart trockenen Region etwa soviel Wasser wie eine spanische Kleinstadt mit etwa 20.000 Einwohnern.

Das Wasser für Golfplätze und für die Landwirtschaft kommt auch aus mehr als einer halben Million illegaler Brunnen. Das sind offizielle Zahlen des Umweltministeriums, die tatsächliche Anzahl dürfte noch weit darüber liegen. Mit dem gestohlenen Wasser wird ein Sechstel der landwirtschaftlichen Fläche des Landes bewässert, schätzt der WWF. Nach Angaben des Nationalen Statistikinstituts (INE) nehme trotz der anhaltenden Dürre auch der Verbrauch für die Bewässerungen weiter zu. Allein 2003 sei er um 3,2 % gestiegen. In Murcia und der Extremadura waren es sogar 8,1 % und 6,3 %.

Der WWF hatte kürzlich in einer Studie nachgewiesen, dass der Wasserklau nicht nur geduldet, sondern auch von der neuen sozialistischen Regierung weiter subventioniert werde. Die Bauern erhielten pro Jahr rund 6,6 Milliarden Euro an direkten und indirekten Beihilfen aus EU-Töpfen. Daran habe sich auch durch die illegale Wasserentnahme nichts geändert. Nach Angaben des WWF sei 2005 nur einem Landwirt die Subventionsgelder gestrichen worden, weil er seine Felder aus illegalen Quellen bewässert hatte.

Der WWF fordert, die Zahlung von Subventionen an die Einhaltung von Umweltstandards zu knüpfen. Nur so könne gewährleistet werden dass der Wasserdiebstahl und der exzessive Verbrauch nicht noch belohnt werde. Auch die Kontrollen müssten verschärft werden. Bisher wird spanischen Bauern der Subventionshahn nur dann abgedreht, wenn sie Wasservorkommen anzapfen, die sogar gesetzlich schon als "übernutzt" gelten, was allerdings für eine immer größere Zahl gilt (Iberische Flüsse in Not). El Pais schreibt, "30 Jahre Überausbeutung" seien für den schlimmen Zustand vieler aquatischer Biosysteme verantwortlich. Drei Milliarden Euro wolle die Regierung nun zum Schutz von nur zweien einsetzen.

"Spanien braucht eine Wasserwende", betonte Guido Schmidt, der Wasserexperte des WWF. Denn trotz anhaltender Dürre ist die Bevölkerung noch wenig für das Problem sensibilisiert. Schon eine Modernisierung des maroden Wasserversorgungssystems würde viel bringen. Denn nur gut ein Drittel der eingespeisten Menge kommt tatsächlich bei den Verbrauchern an. Nach Angaben der Statistiker verdunsten 10 % schlicht in den zumeist offenen Kanälen. Tendenz steigend, wegen der weiteren Erwärmung. Auch der Einsatz von Kläranlagen würde schon einiges helfen, bisher wird nur 46 % des Wassers geklärt und danach erneut verwendet.

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