Rekordstrafe für MP3-Sammlung

Italienischer Diskjockey soll 1,4 Millionen Strafe zahlen -- Euro, nicht Lire

Während in Deutschland alles verboten ist, wenn es nicht ausdrücklich erlaubt ist, verhält es sich in Italien bekanntlich genau umgekehrt. Doch wenn die italienische Polizei mal zuschlägt, dann wächst kein Gras mehr.

Wer getauschte, also ohne Lizenz erworbene MP3s und Videos auch noch kommerziell einsetzt, muss mit Strafen in ungeahnter Höhe rechnen: Dieses Zeichen setzt die IFPI nun ausgerechnet in Italien, dem Land, wo doch eigentlich alles etwas lockerer und südländischer zugehen soll als bei uns.

In Discotheken sind ebenso wie im Radio MP3s von der Festplatte statt CDs oder gar Vinylplatten längst üblich: Einschlägige DJ-Software stellt so alle Titel in Sekundenschnelle zur Verfügung, das Kramen nach den Platten/CDs entfällt, der Musikablauf kann bei Bedarf im Voraus programmiert werden, die Überblendungen erfolgen automatisch und bei Spezialsoftware sogar BPM-angepasst im richtigen Rhythmus. Der Diskjockey kann sich nun in Ruhe wichtigeren Dingen wie den ihn bewundernden Damen widmen, wenn der Bär gerade nicht so sehr steppt, dass ein persönlich angefertigter Mix angesagt ist.

Natürlich hat der DJ die den MP3s zugrunde liegenden Platten nicht immer dabei. In einer Discothek wird die gesamte vorliegende CD-Sammlung nach und nach ins MP3-Archiv wandern. Möglicherweise werfen die DJs dabei auch ihre CD-Sammlungen zusammen, auch wenn natürlich keiner seine besten Stücke der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wird. Dass bei solchen Sammlungen die Herkunft jeder einzelnen Datei nicht mehr zu überblicken ist, liegt nahe -- und das kann sehr gefährlich werden. CDs bekommen in Italien dagegen nach der Bezahlung einer entsprechenden pro Tonträger pauschal fälligen Abgabe für die Sendung im Radio oder das öffentliche Abspielen Aufkleber, die fortan ihre Verwendung als DJ-Futter genehmigen.

Bei einer Razzia in einem bekannten Nachtclub in der Nähe von Rom wurde nun ein Discjockey mit über 2000 MP3s ungeklärter Herkunft sowie außerdem noch 500 in diesem Fall bereits als "geklaut" eingestufter Videoclips erwischt. Dafür verdonnerten ihn die italienischen Behörden nun zu 1,4 Millionen Euro Strafe. Dem DJ blüht außerdem weitere strafrechtliche Verfolgung.

Enzo Mazza, Direktor der italienischen Musikindustrie-Organisation FIMI, freute sich:

Dieser DJ zog durch die Clubs und machte mit der Musik, die er spielte, Geld -- während die, die ursprünglich ihre Zeit, ihr Talent, harte Arbeit und Geld in die gespielte Musik gesteckt hatten, keinen Cent bekamen. Wir hoffen, dass dies andere abschrecken wird, die dasselbe tun wollen.

Die italienischen Steuerbehörden hatten bereits eine Weile lang Radiostationen und Clubs um Rom gefilzt, wobei neben MP3s und Videoclips auch ganze Filme und Software beschlagnahmt wurden.

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