"Repeat, please"

Die Verlegung des ersten Telegrafenkabels über den Atlantik

Als das amerikanische Kriegsschiff „Niagara“ am frühen Morgen des 5. August 1858 Neufundland erreichte, hatte niemand mehr mit seinem Erscheinen gerechnet. Viele Tage waren Nachrichten über den Verbleib der größten Dampffregatte der Welt ausgeblieben, nachdem sie in London eine besondere Ladung aufgenommen hatte: 2.000 Tonnen Telegrafenkabel. Mit der gleichen Menge war die „Agamemnon“, das britische Flaggschiff aus dem Krimkrieg, in See gestochen. Beide Schiffe hatten sich auf dem Atlantik getroffen, ihre Kabel verspleißt und sie mit Kurs auf ihr jeweiliges Heimatland allmählich ins Meer gleiten lassen.

Cyrus W. Field

Mit der Nachricht von der ersten vollständigen Verbindung zwischen Europa und Amerika ließ sich Cyrus Field in jener Nacht in einem Beiboot der „Niagara“ an Land setzen. Field war als Papierfabrikant zu Vermögen gekommen und hatte sich mit 34 Jahren zur Ruhe gesetzt. Die ungewöhnliche Idee, ein Elektrokabel durch den Atlantik zu verlegen, bot ihm eine willkommene Möglichkeit, seine freie Zeit zu investieren. Er hatte bis dahin nichts über Neufundland und nichts über Telegrafie gewusst, aber er war auf der Suche nach einer neuen Aufgabe und hatte, was den Anderen fehlte: Geld.

Als Field die Telegrafenstation an der Küste Neufundlands erreichte, schien sie wie verlassen. Er hatte ein Telegramm für die Nachrichtenagentur „Associated Press“ vorbereitet, das schnell nach New York gesendet werden sollte. Er riss deshalb die überraschten Männer aus ihrem Schlaf, stellte fest, dass der erforderliche Telegrafist fehlte, und schickte zwei Freiwillige auf Trampelpfaden 28 Kilometer zur nächsten Station. „Wir sind in völliger Wildnis gelandet“, berichtete er der Agentur und versprach, die Telegrafengeräte binnen weniger Tage anzuschließen.

Agamemmnon und Niagara

Mit einem einzigen Kabel war es jedoch nicht getan. Schnelle Meldungen aus Übersee waren wertlos, wenn sie nicht auch über Land mit der gleichen Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit transportiert wurden. Der globale Nachrichtenverkehr verlangte Telegrafenämter mit Betrieb rund um die Uhr, funktionierende Postämter und ein Netz regelmäßig erscheinender Tageszeitungen. Während die britischen Inseln entlang der Eisenbahnschienen schon mit Telegrafenlinien überzogen waren, erschienen im Westen der Vereinigten Staaten noch nicht einmal überall Zeitungen. Wenn es doch welche gab, war die Rubrik für überregionale Nachrichten gewöhnlich eintönig: Sportergebnisse, Börsenkurse und Schiffsmeldungen füllten die Spalten, während Neuigkeiten aus Europa nur spärlich und in Intervallen von einigen Wochen eintrafen.

Im Unterschied zu den meisten europäischen Staaten hielten die Vereinigten Staaten und Großbritannien die Telegrafie für eine private Aufgabe. Nicht wenige Telegrafengesellschaften vertrauten auf risikobereite Spekulanten, arbeiteten mit vagen Gewinnversprechen und gerieten schnell in Überlebenskämpfe. Auf Neufundland ging die erste Telegrafengesellschaft bankrott, als die Erschließung der unwegsamen Insel erheblich teurer wurde als gedacht. Der Mangel an Kapital verschaffte dem Millionär Cyrus Field zwar einen günstigen Einstieg ins Geschäft, doch er war auch auf zusätzliche Investoren angewiesen. Als er in den USA nicht fündig wurde, reiste er nach London und gründete zusammen mit den britischen Ingenieuren John Brett und Charles Bright im Sommer 1856 die „Atlantic Telegraph Company“.

Karte der Kabel-Route von 1858

Die neue Gesellschaft fand an der Themse auch die einzigen Firmen, die ein Telegrafenkabel dieser Länge herstellen konnten. Während dessen gerieten die Vereinigten Staaten jedoch in eine schwere Wirtschaftskrise, die durch sinkende Exporte, ungesicherte Kredite und gescheiterte Landspekulationen ausgelöst wurde. Auch die Papierfabrik Field & Company war betroffen und musste ihre Zahlungen einstellen. Ende 1858 brannten Fields Büro und sein Warenlager in New York ab, kurz darauf war die Firma zahlungsunfähig. Die Krise reichte bis Europa – umso erstaunlicher ist Fields Erfolg bei der Finanzierung des Atlantikkabels.

Unterseekabel haben neuen bürgerlichen Schichten gesellschaftliche Anerkennung verschafft. In erster Linie fanden Unternehmer ein lohnendes Betätigungsfeld, die schnelle und sichere Informationen aus Übersee in Geschäfte umsetzen konnten. Dazu gehörten Zeitungen und die ersten Nachrichtenagenturen. Auch der Deutsche Paul Julius Reuter wählte 1849 diese vielversprechende Branche. Über ein breites Korrespondentennetz erhielt er aktuelle Meldungen, die er an mehrere Tageszeitungen verkaufte. Seine Büros folgten den Unterseekabeln: erst nach London, dann nach New York. Bald wurde die Nachrichtenagentur „Reuters“ zu einer Institution.

Nicht zuletzt verschafften die Kommunikationsmittel dem Militär neue Möglichkeiten. 1855 wirkten sie sich im Krimkrieg vorteilhaft für England aus. 1858 wurde das Atlantikkabel dazu genutzt, einen bereits ergangenen Marschbefehl rückgängig zu machen, der britische Truppen, die in Nordamerika stationiert waren, nach Indien verlegen sollte. 50.000 Pfund sollen eingespart worden sein.

Während Großbritannien versuchte, mit Hilfe der Telegrafie die Kontrolle über seine Kolonien zu verstärken, bemühten sich die USA, das große eigene Land zu vereinheitlichen. Englisches Mutterland und amerikanische Kolonie beobachteten sich misstrauisch, denn die Vereinigten Staaten befanden sich nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft der in British North America stationierten Truppen. Bei der Arktisforschung, in der Ozeanographie und im transatlantischen Schiffsverkehr hatten sich bereits Wettläufe zwischen englischen und amerikanischen Projekten ergeben. Sollte nun auch die Unterseetelegrafie in britische Hände fallen?

Großbritanniens wichtigster Vorteil lag darin, dass die nächst gelegenen Küsten von Neufundland und Irland beide in britischem Besitz waren. Doch auch die USA sahen sich begünstigt, weil sie die Möglichkeit erhielten, das Kabel gleichberechtigt zu nutzen. Im Senat wies ein Abgeordneter darauf hin, dass die Regierung während eines Krieges in sechs Monaten mehr ausgeben würde als das Kabel in 25 Jahren koste. Ein anderer fragte jedoch: „Beide Enden der Telegrafenlinie liegen in britischem Besitz. Welche Sicherheit haben wir, dass wir die Verbindung im Falle eines Krieges genauso nutzen können wie die Briten?“

Auch deshalb unterstützte der amerikanische Ingenieur Tal P. Shaffner eine Verbindung, die England umging, indem sie von Labrador über Grönland, Island und Norwegen nach Dänemark führen sollte. Diese Route hatte zudem den Vorteil, sich in kürzere Teilstrecken unterteilen zu lassen. König Frederick VII. von Dänemark gab Shaffner die Erlaubnis, sein Territorium zu nutzen, weil er hoffte, Kopenhagen zur Drehscheibe der globalen Kommunikation zu machen. Die Phantasie über neue Strecken kannte keine Grenzen: Manch „abenteuerliches Project“, schrieb die Zeitschrift des Deutsch-Österreichischen Telegraphenvereins, zeugte „von einer merkwürdigen Vorliebe für unbewohnte und von den Mittelpunkten der Cultur entlegene Gegenden“. Linien über Alaska und Sibirien wurden ebenso geprüft wie über Portugal und die Azoren. Später berichtete Shaffner, der König hätte ihm das Angebot gemacht, weil er der Überzeugung gewesen wäre, dass keine Hindernisse der Natur die Amerikaner in ihren Vorhaben aufhalten könnten.

Kenntnisse von Telegrafeningenieuren und Physikern waren mit einem Mal gefragt. Die Herausforderung des Atlantikkabels führte zur Kartografierung des Meeresbodens, zur Bestimmung der geografischen Längengrade und zur Etablierung der Elektrophysik. Die Wissenschaftler mussten sich dabei gegen Praktiker durchsetzen, die mit einfachen Erklärungen günstige Lösungen versprachen. Viele Telegrafeningenieure hatten keine technische Ausbildung. Auch Samuel Morse, ein zweitklassiger Maler mit elektrotechnischen Ambitionen, dessen Expertise nur zu Beginn des Atlantikprojekts für unverzichtbar gehalten wurde, sah den zunehmenden Einfluss seiner wissenschaftlichen Konkurrenten kritisch. Während einer Atlantiküberfahrt ärgerte er sich darüber, dass das Schiffsdeck voll von Ingenieuren, Telegrafisten und ihren zahlreichen Maschinen und Messgeräten gestanden hätte.

Auf der anderen Seite des Atlantiks begann der Physiker William Thomson, der spätere Lord Kelvin, für das Atlantikkabel Interesse zu zeigen. Seine Forschungen schienen für die Beschleunigung der Telekommunikation nützlich sein zu können. Thomsons Arbeiten bewiesen den Wert exakter Instrumente und internationaler Standards. Er gründete seine Karriere auf wichtige Beiträge zur Konstruktion von Unterwasserkabeln und war als Inhaber von Patenten und Teilhaber von Telegrafengesellschaften auch finanziell an ihnen beteiligt.

Doch die Beschleunigung war nicht nur eine Folge des Atlantikkabels, sondern auch ein großes Hindernis. Zeitdruck führte zu entscheidenden Herstellungsfehlern: Das Kabel wurde in Eile produziert und sorglos gelagert. Die Isolierung war mangelhaft. Weder war die Abrollmechanik erprobt, noch war das Kabel jemals unter Wasser getestet worden. Stärke und Qualität des verwendeten Kupferdrahtes variierten so stark, dass die Leitungsfähigkeit beeinträchtigt wurde. Traten jedoch während des Betriebs Fehler auf, übernahmen die Herstellerfirmen keine Haftung mehr. Werner von Siemens, der im Telegrafengeschäft die Grundlage der Firma Siemens legte, schrieb in seinen Lebenserinnerungen: „Man überlegte nicht, dass jeder Fehler, wenn er nicht repariert werden kann, das ganze Kabel entwertet, und dass aus jedem kleinen Isolationsfehler mit der Zeit ein großer wird.“

Dass das Kabel überhaupt funktioniert hatte, schien schon wie ein Wunder. Die Utopien einer friedlichen Überwindung von Raum und Zeit waren in die Reichweite von Ingenieuren und Offizieren gerückt. Doch die Telegrafie funktionierte viel weniger virtuell als erhofft. Der Betrieb des Atlantikkabels zeichnete sich durch lange Übermittlungszeiten, flüchtige und inkorrekte Wiedergaben und einen geringen Nachrichtenwert der meisten Telegramme aus. Der größte Teil der Kommunikation bestand aus Aufforderungen, schneller oder langsamer zu senden, Sätze zu wiederholen oder den Empfang zu verbessern.

Die erste Nachricht, die Europa in den frühen Morgenstunden des 10. August 1858 erreichte, lautete „Repeat, please“. Kurz danach wurde übertragen: „Please send slower for present”. Darauf folgte aus Neufundland ohne Reaktion aus Europa:

Sent 10.20 A.M.: „How?“
Sent 10.50 A.M.: „How do you receive?”
Sent 11.35 A.M.: „Send slower.”
Sent 11.50 A.M.: „Please send slower.”
Sent 12.20 P.M.: „How do you receive?”
Sent 1.56 P.M.: „Please say if you can read this.”
Sent 2.47 P.M.: „Yes” (supposed).
Sent 3.43 P.M.: „How are signals?”
Sent 5.40 P.M.: „How are signals?”
Sent 6.10 P.M.: „Do you receive?”
Sent 8.16 P.M.: „Please send something.”
Sent 8.45 P.M.: „Please send V.'s and B's.”
Sent 10.38 P.M.: „How are signals?”

Der erste Dialog zwischen Menschen auf zwei Kontinenten verlief entsprechend denkwürdig: Neufundland forderte Irland in der Nacht vom 13. August 1858 auf: „Send word 'Atlantic'.“ Daraufhin sendete Irland: „Atlantic.“ Auf die Bitte, andere Worte zu senden, erfolgte zwei Stunden lang keine Reaktion. Als jedoch um eine Wiederholung des erfolgreichen Wortes gebeten wurde, klappte es wieder: Irland telegrafierte „Atlantic“. Schließlich sollte das Kabel am 1. September für die Öffentlichkeit geöffnet werden. In vielen amerikanischen Städten wurden Feste und Paraden vorbereitet. Doch am selben Tag hörte das Kabel endgültig auf zu funktionieren. Die letzte Nachricht brach mitten im Satz ab: „C.W. Field, New York, please inform American Government we are now in position to do best to forward ...” Insgesamt waren genau 400 Miteilungen telegrafiert worden.

Im Nachhinein war das Scheitern der ersten materiellen Verbindung durch den Atlantik ein Glück für Technik und Forschung. In Großbritannien wurde eine Kommission zur Untersuchung der Ursachen eingesetzt, der die wichtigsten Telegrafeningenieure des Landes angehörten. Ohne ihre Empfehlung sollte kein weiteres Projekt begonnen werden. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass erst der Misserfolg dazu geführt habe, dass die elektrischen Seekabel technologisch ausreifen konnten. Glaubte man bisher, die bestehenden Landkabel im Grunde nur verlängern zu müssen, bemerkte Werner von Siemens, dass sie verlegt wurden „bevor noch die wissenschaftliche und technische Grundlage für dieselben feststand. (...) Man begnügte sich damit, zu konstatieren, dass Strom durch die Leitung ging und die telegraphischen Instrumente befriedigend arbeiteten.“

Das erste Atlantikkabel ging in die Geschichte technologischer Irrtümer ein, weil es als einziges langes Seekabel in der Vorstellung konstruiert und betrieben wurde, dass elektrische Ströme wie Flüssigkeiten funktionierten. Die Flussmetapher konnte an alltägliche Erfahrungen mit Gasrohren, Trinkwasser- und Abwasserleitungen anschließen. Kaum zufällig deshalb, dass auch der Eisenbahningenieur und Fachmann für Dampfantrieb Robert Stephenson in die Untersuchung einbezogen wurde. Kam Dampfkraft – wie zum Beispiel in innerstädtischen Tunneln – für den Eisenbahnbau nicht in Frage, waren pneumatische Antriebssysteme eine naheliegende Lösung. 1859 gründete der Telegrafeningenieur Josiah L. Clark die Londoner Rohrpost. Die Idee verbreitete sich in vielen anderen Großstädten, um Börsengebäude, Postämter und Telegrafenbüros miteinander zu verbinden. Im Ostteil Berlins existierte die Rohrpost bis 1976.

Der Antrieb durch Wasser- oder Luftdruck wurde auch zum Modell für die Konstruktion des ersten Atlantikkabels. Edward Whitehouse, der Elektriker der „Atlantic Telegraph Company“, glaubte, dass der Druck umso größer sein müsste, je länger das Kabel war. Traten Störungen auf, sollte die Spannung so lange erhöht werden, bis die Leitung wieder funktioniere. Er fügte deshalb elektromagnetische Induktionsschleifen an, die bis zu 2.000 Volt erzeugen konnten. Whitehouse versuchte im Grunde nichts anderes, als die elektrischen Impulse mit bloßer Gewalt durch das Kabel zu drücken. Doch das Gegenteil trat ein: Die viel zu hohe Spannung brannte Löcher in die Isolierung und ruinierte den frisch verlegten Draht.

Allerdings hatte sich schon bei den ersten Unterwasserkabeln gezeigt, dass es einige Zeit dauerte, bevor am anderen Ende ein Signal eintraf. Bei der telegrafischen Überbrückung des Ärmelkanals trat 1851 nicht nur die bekannte Verzögerung auf, sondern die Buchstaben gerieten auch völlig durcheinander. Der Elektroingenieur Willoughby Smith berichtete: „Je mehr der Telegrafist versuchte, die Signale zu kontrollieren, desto unsinniger wurden sie. Schließlich wurde vermutet, dass der Erfolg der Kabelverlegung zu solchen Alkoholströmen geführt hatte, dass die diensthabenden Männer in der Telegrafenstation nicht mehr wussten, was sie taten.”

Lag der Fehler aber wirklich nur an der Bedienung? Oder waren die Signale vielleicht nicht stark genug gewesen? Thomson hatte eine neue Erklärung: die Empfangsgeräte waren nicht empfindlich genug. Er konstruierte einen Generator, der den Stromfluss minimierte, und erfand einen elektromagnetischen Spiegelgalvanometer, der schon für schwache Signale empfindlich war. Seine Erfindungen konnten das beschädigte Kabel nicht mehr retten. Aber als aufgrund des positiven Berichts der Untersuchungskommission und nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs die nächsten Kabel verlegt wurden, orientierte sich ihre Konstruktion an Thomsons Erkenntnissen. Ihr Durchmesser war fast doppelt so groß und der Kupferleiter drei Mal so dick. Nicht zuletzt war der Umgang mit dem empfindlichen Draht erheblich sorgfältiger geworden.

Die starken Selbstinduktionsstörungen des Atlantikkabels veranlassten Michael Faraday, Elektrizität nicht mehr als Teilchenbewegung, sondern als Aufspannung eines elektrischen Feldes zu beschreiben: In langen Seekabeln konnte es störend mit sich selbst rückkoppeln. Elektrizität, so Faraday, bestehe aus einer Ladung an der Oberfläche der Leiter; sie fließt nicht, sondern dringt von der Seite in den Leiter ein, aus den Feldern, die ihn umgeben. Die Vorstellung, dass elektrische Energie wie Wasser in einem Rohr fließt, blieb jedoch bis Ende des 19. Jahrhunderts im Umlauf. Praktische Ingenieure bestritten die Geltung der Feldtheorie schon deshalb, um den Wissenschaftlern nicht das Geschäft zu überlassen. Noch 1896 gab die AEG ihren Technikern den Rat: „Die Wirkungsweise der Elektricität in Bezug auf Spannung und Stromstärke lässt sich mit derjenigen des Wassers vergleichen, wobei die Spannung dem Drucke des Wassers und die Strommenge (Stromstärke) der Wassermenge entspricht.“

Gleichzeitig führten die Erfindungen von Telefon und drahtloser Kommunikation zu einem Bedeutungsverlust der elektrischen Telegrafie. Heute wird der größte Teil der globalen Kommunikation durch Glasfaserkabel geführt. Sie sind den seit den 1962 genutzten Satelliten an Datenkapazität, Übertragungsgeschwindigkeit und Lebensdauer überlegen. Das jüngste Atlantikkabel TAT-14 kann durch seine acht Glasfasern 1,5 Billionen Zeichen pro Sekunde transportieren. Zu den 50 Telekommunikationsunternehmen, die sich die Investitonen geteilt haben, gehört auch die Deutsche Telekom. In diesem Jahr soll ein neues Tiefseekabel durch den Pazifik in Betrieb genommen werden, das die Übertragungskapazität nach China versechzigfacht, um ausreichend Internetverbindungen für die Olympischen Spiele sicher zu stellen.

Die Visionen sind seit Cyrus Field die gleichen geblieben: Kommunikationsnetze sind politische Instrumente und Medien der Naturbeherrschung. Doch der Sieg über Raum und Zeit fällt aus, wenn die Unterseekabel in Kriegen, durch Schiffsanker oder – wie im Dezember 2006 in Südostasien und im Januar 2008 vor der Küste Ägyptens – durch starke Seebeben beschädigt und unterbrochen werden. Die Geschichte zeigt: das Internet ist nie sehr virtuell gewesen.

Christian Holtorf hat seine Promotion über das erste Transatlantikkabel abgeschlossen und leitet die Abteilung Wissenschaft im Deutschen Hygiene-Museum Dresden.

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