Republikaner halten Senat, Demokraten gewinnen Repräsentantenhaus

Das Kapitol, der Sitz des US-Kongresses. Foto: Martin Falbisoner. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei den US-Halbzeitwahlen blieb den Hochrechnungen nach eine große Überraschung aus

Bei den Halbzeitwahlen im Senat, in dem 35 der insgesamt hundert Sitze dort neu vergeben wurden, konnten die Republikaner einer Hochrechnung des Senders NBC nach ihre Mehrheit nicht nur halten, sondern sogar ausbauen. Als wichtiger republikanischer Senatssieg gilt der des Quereinsteigers Mike Braun, der im Schlachtfeldstaat Indiana den demokratischen Senator Joe Donnelly besiegen konnte. Clou von Brauns Wahlkampf war, dass er kaum in Hotels, sondern stattdessen bei Familien übernachtete. Ähnlich wichtig ist der Sieg des Republikaners Josh Hawley, der der Demokratin Claire McCaskill den Senatssitz im Schlachtfeldstaat Missouri abnahm.

In North Dakota liegt der republikanische Herausforderer Kevin Cramer vor der demokratischen Amtsinhaberin Heidi Heitkamp, die sich bei als besonders entschiedene Gegnerin einer Nominierung des Supreme-Court-Richters Brett Kavanaugh exponiert hatte. Das dürfte ihr unter anderem deshalb geschadet haben, weil einer der Frauen, die den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh der sexuellen Belästigung bezichtigte, kurz vor der Wahl gestand, dass sie dem Mann tatsächlich noch nicht einmal persönlich begegnet ist (vgl. Abseits der Tränen).

Eine Enthüllung auf seiner Seite hatte auch der siegreiche republikanische Texas-Senator Ted Cruz: Über seinen von den von den Medien gefeierten demokratischen Herausforderer Beto O'Rourke kam heraus, dass er finanziell in die mittelamerikanische Migrantenkarawane verstrickt ist. In Tennessee, das als Schlachtfeldstaat im weiteren Sinne gegolten hatte, gewann die Republikanerin Marsha Blackburn den vom republikanischen Trump-Gegner frei gemachten Senatssitz Bob Corker.

Aus Tennessee hat Trump nun einen republikanischen Kritiker im Senat weniger, aber dafür einen aus Utah mehr: Dort hatte der unter anderem als Urheberrechtsextremist bekannt gewordene republikanische Senator Orrin Hatch seinen Platz aus Altersgründen für den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney geräumt, der seine demokratische Gegenkandidatin Jenny Wilson erwartungsgemäß besiegte. Gleiches gelang dem Republikaner Andy Barr in Kentucky gegen die Demokratin Amy McGrath, für die sich ihre Partei bessere Chancen ausgerechnet hatte, weil sie einmal Kampfpilotin war.

Bei den Demokraten verteidigten unter anderem die New Yorkerin Kirsten Gillibrand, Bob Mendendez aus New Yersey und Joe Manchin in West Virginia ihre Senatssitze. Letzterer hatte im Wahlkampf für Aufmerksamkeit gesorgt, als er gegen die Linie seiner Partei für eine Bestätigung des Supreme-Court-Richters Brett Kavanaugh stimmte. Auch Minnesota und Wisconsin (wo die bisherige stellvertretende Gouverneurin Tina Smith den Senatssitz gewann) konnten die Demokraten halten. Ihr alter und möglicherweise auch neuer Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders gewann seinen Senatssitz in Vermont erneut ohne ihre Unterstützung, sondern als explizit unabhängiger Kandidat.

Für das Repräsentantenhaus rechnet nicht nur NBC, sondern auch Fox News mit einer Mehrheit der Demokraten. Die soll so sicher sein dass Präsident Donald Trump Nancy Pelosis Sprecher Drew Hammill zufolge inzwischen der Demokratenchefin dort gratulierte, wobei er ihre Forderung nach einer stärkeren Zusammenarbeit der beiden großen Parteien wohlwollend zur Kenntnis genommen haben soll.

Von den 23 Mandaten, die die Demokraten im Repräsentantenhaus von den Republikanern erobern müssen, sind ihnen ABC zufolge 20 bereits sicher: Einen davon soll Dwight Evans in Pennsylvania vor allem deshalb gewonnen haben, weil man die Grenzen mit "Gerrymandering" so festlegte, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren wird. Dies könnte möglicherweise noch ein gerichtliches Nachspiel nach sich ziehen.

Auch die sehr medienpräsente puertoricanischstämmige Alexandria Ocasio-Cortez wird für die Demokraten ins Repräsentantenhaus einziehen, obwohl die 29-Jährige, die optisch sehr an die Schauspielerin Lauren Vélez erinnert, im Wahlkampf Mühe hatte, zu erklären, wie sich eine angebliche Kellnerin eine 3.500-Dollar-Garderobe mit Manolo-Blahnik-Schuhen leisten kann. Andere für die Partei gewählte Identitätspolitiker sind die Palästinenserin Rashida Tlaib aus Michigan, die somalischtämmige Ilhan Omar aus Minnesota und die (diesmal echte) Indianerin Sharice Davids.

Einen republikanischen Repräsentantenhaussitz gewannen unter anderem Greg Pence, der Bruder von Vizepräsident Mike Pence, und der Bigfoot-Erotikgeschichtenautor Denver Riggleman.

Auch bei den Gouverneurswahlen scheint es außer in Illinois (wo der superreiche Demokrat J. B. Pritzker gegen den Republikaner Bruce Rauner siegte) keine größeren Überraschungen gegeben zu haben: Arkansas, Maryland, Massachusetts, Tennessee und Texas bleiben republikanisch, Kalifornien, New York, Pennsylvania, Rhode Island, Hawaii und Colorado demokratisch. Dort regiert künftig mit Jared Polis der erste homosexuelle Gouverneur einen US-Bundesstaat, der seine sexuelle Orientierung offen zugibt. (Peter Mühlbauer)

Anzeige