Resistente Keime in der Umwelt

Resistenzen im Schweinestall

Eine der Hauptursachen für den Befall mit multiresistenter Bakterien dürfte die in der Landwirtschaft massenhaft ausgebrachte Gülle aus industrieller Tierhaltung sein. Bis 2011 wurden rund 80 Prozent aller Antibiotika, die bei Nutztieren verwendet wurden, in der Schweinehaltung eingesetzt.

Zwar sei die Menge angewendeter Antibiotika bis 2017 von 1.706 Tonnen auf 733 Tonnen gut halbiert worden, heißt es in einem Info-Blatt von Greenpeace, doch sei dieser rückläufige Einsatz nicht zwingend ein Indiz für weniger Antibiotikatherapien. In Betrieben mit konventioneller Haltung wurde gegenüber Biobetrieben eine deutlich höhere Belastung festgestellt.

Je größer die Betriebe, desto höher die Resistenzraten. So fand man in Großmastanlagen mit mehr als 5.000 Schweinen bei 70 Prozent des Tierbestandes Resistenzen vor. Bei Schweinen aus Bio-Betrieben sind Nachweise von MRSA deutlich geringer bzw. gar nicht vorhanden. Allerdings stellt eine Metaanalyse aus dem Jahre 2013 fest, dass auch Schweinehaltungen auf Ökobetrieben von Antibiotikaresistenzen nicht komplett ausgenommen sind.

Ein Hauptgrund hierfür mag sein, dass die Ferkel aus konventionellen Betrieben zugekauft wurden, was eigentlich nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. Insgesamt aber ist die Bilanz für Biobetriebe erheblich besser. Auch im Land der Intensivtierhaltungen, den Niederlanden, wiesen Bio-Schweine deutlich weniger MRSA auf, nämlich 17 Prozent als die konventionellen Schweinemastbetriebe mit 71 Prozent.

Immer weniger Reserven an wirksamen Antibiotika

Reserveantibiotika gehören zu den ganz wenigen Möglichkeiten, um schwere bakterielle Infektionen zu behandeln, wenn andere Antibiotika wegen Resistenzbildung versagen. Doch während der Einsatz anderer Wirkstoffe zurückgeht, machen die Abgabemengen ausgerechnet von Reserveantibiotika immer noch zehn Prozent aus. So ist zum Beispiel die Absatzmenge von Cephalosporinen in der Tierhaltung in den letzten Jahren gestiegen.

Vor allem in Puten- und Hähnchenmastställen, in denen tausende Tiere ganze 35 Lebenstage dahinsiechen, werden gewohnheitsmäßig Reserveantibiotika eingesetzt - neben klassischen Penicillinen neuerdings auch der Wirkstoff Colistin. Das uralte Antibiotikum wurde bisher wegen seiner starken Nebenwirkungen bei Menschen kaum angewandt.

Doch weil inzwischen viele herkömmliche Antibiotika ihre Wirkung verlieren, greifen Ärzte immer häufiger auf Colistin zurück. Dabei sollte gerade dieser Wirkstoff bei Menschen und Tieren so wenig wie möglich eingesetzt werden, andernfalls verliert es seine Wirkung.

Für weniger Tiere mit mehr Bewegungsfreiheit im Stall

Etliche Studien und Programme zur Bekämpfung resistenter Keime sind bereits finanziert worden. Um tiefgreifendere Maßnahmen, die an den Ursachen ansetzen, drückt die Politik sich allerdings bis heute herum.

Dabei deuten alle Zeichen darauf hin, dass intensive Tierhaltungsanlagen die Brutstätte für multiresistente Erreger sind. Das ist auch logisch, denn überall dort, wo Tiere in Massen auf engsten Raum eingesperrt werden, können sich Krankheiten viel leichter und schneller ausbreiten. Einmal ausgebrochen, müssen sie mit synthetischen Wirkstoffen wieder "eingedämmt" werden.

Schon deshalb ist eine ökologische Tierhaltung der konventionellen Intensivtierhaltung vorzuziehen, denn hier soll mit viel Auslauf, Platz und gesundem Futter Krankheiten von vornherein vermieden werden. Dass ein Tier mal erkrankt, kommt auf dem besten Biobetrieb vor. Doch Biobauern haben die Problematik der Resistenzen schon lange erkannt, bevor das Thema in der Gesellschaft überhaupt angekommen ist.

Deshalb stehen Reserveantibiotika hier seit Jahrzehnten auf der Verbotsliste. Bevorzugt angewendet werden Naturheilverfahren. Erst wenn die keine Wirkung zeigen, sind andere Medikamente - in Ausnahmefällen - erlaubt.

Antiobiotika haben viele Menschen bisher vor dem sicheren Tod bewahren können. Wir sollten dafür sorgen, dass diese medizinische Errungenschaft nicht dem Konsum und Profit mit dem Fleisch geopfert wird. (Susanne Aigner)

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