Revolte gegen Klimapolitik und den Weltklimarat

Bild: IPCC AR4 Synthesis Report

Das Repräsentantenhaus von US-Bundesstaat Utah verabschiedet eine Resolution, in der zur Beendigung aller Maßnahmen zur Reduzierung von CO2 aufgerufen wird

Schon lange kämpft der republikanische Senator Jim Inhofe gegen den Weltklimarat (IPCC), die frühere Energiepolitik von Al Gore, das Kyoto-Protokoll und insgesamt gegen die These, dass das globale Klima sich erwärmt, dass dies von Menschen verursacht wird und negative Folgen haben kann. Nach dem Scheitern des Kopenhagen-Klimagipfels und vor allem den Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der IPCC-Klimaberichte haben Kritiker der Klimaerwärmung wie Inhofe Aufwind. Sie scheuen dann auch nicht davor zurück, beispielsweise das extreme Wetter in den USA mit Schnee und Kälte als Beweis zu verwenden. So baute Inhofes Familie am Capitol Hill in Washington ein Iglu und brachte ein Schild mit dem Text an: "Al Gore's New Home."

Inhofe spricht nun von "schweren Irrtümern und möglichem Betrug" im Klimabericht 2007 und fordert im Hinblick auf geplante Klimagesetze, dass die Irrtümer im Bericht zu mehr Offenheit, Transparenz und Verantwortung in der wissenschaftlichen Forschung führen müssen. Insbesondere wehrt sich Inhofe mit wilden Zahlen gegen das im Juli 2009 mit dünner Mehrheit vom Repräsentantenhaus gebilligte Gesetz zum Emissionsrechtehandel (H.R. 2454), das aber noch durch den Senat muss und wohl derzeit wenig Chancen hat:

It would cost between $300 billion and $400 billion a year. In my state of Oklahoma, for each family that files a tax return, it would be about $3,000 a year. But the thing is, you don't get anything for it. Even the administrator of the EPA said that, if we pass cap-and-trade here, it won't have any effect on the world's CO2 emissions, because China - our jobs just go places like China and India and Mexico, where they don't have any restrictions.

Jim Inhofe

Inhofe hatte auch zum Sturm gegen den Klimaforscher Michael Mann, von dem das noch immer heftig umstrittene (Kurven, Knatsch und (Borsten-) Kiefern), aber nicht widerlegte Hockeyschläger-Diagramm stammt (Die Sonne war schuld), geblasen. Ihm wurde nach den veröffentlichten Emails (climategate) vorgeworfen, Emails vernichtet zu haben, die mit der Vorbereitung zum 4. Klimabericht zu tun hatten. Zudem stand er unter Verdacht, Daten manipuliert oder Einfluss auf den Peer-Review-Prozess ausgeübt zu haben. Ein Ausschuss der Pennsylvania State University hat die Vorwürfe überprüft und im Abschlussbericht für nichtig befunden, zumal Mann ein Archiv mit allen Emails dieser Zeit vorlegen konnte. Auch wenn kein Beweis für einen nicht akzeptablen wissenschaftlichen Diskurs gefunden wurde, will die Universität, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, die von einem weiteren Ausschuss unabhängiger Forscher untersuchen lassen. Dabei geht es aber nicht um die Frage der Klimaerwärmung.

Die Stimmung derzeit dokumentiert – der Guardian hat darauf aufmerksam gemacht - auch ein vom Repräsentantenhaus in Utah mit 56 Ja- und 17-Nein-Stimmen verabschiedete Resolution ermessen, die allerdings keine Gesetzeskraft hat und alles Mögliche, was so in Klimaskeptikerkreisen zirkuliert, zusammenbringt. Aufgefordert wird in der vom republikanischen Abgeordneten Kerry W. Gibson eingebrachten Resolution das Umweltministerium, alle Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase einzustellen, bis die Klimaerwärmung unabhängig bestätigt wird. Behauptet wird in der Resolution, dass das Hockeyschläger-Diagramm widerlegt worden sei, dass die Temperaturen nicht steigen, sondern global zurückgehen und dass die Climategate-Emails ein "gut organisiertes und weiter gehendes Bestreben" belegen, die globalen Temperaturdaten zu manipulieren. Zudem wird die Erwärmung mit den FCKWs zusammengebracht, die ja nun schon verboten seien. Die Erde werde, so heißt es weiter, immer mal wieder wärmer und kälter, Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung würden Milliarden Menschen verarmen lassen und der Wirtschaft der USA schaden. Den ursprünglich im Text stehenden Begriff "Verschwörung" hat man dann doch lieber gestrichen.

Tatsächlich ist der Weltklimarat, der 2007, repräsentiert durch den mittlerweile umstrittenen Vorsitzenden Pachauri, zusammen mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat, mitten in einer selbst verschuldeten Krise (Weltklimarat weiter in Glaubwürdigkeitskrise). Auch gegen Kritiker aus der Wissenschaft hatte man sich abgeschottet, weil sie mit der Flut der Leugner aus religiösen, ideologischen und politisch konservativen Kreisen identifiziert wurden und weil man für sich in Anspruch nahm, den Konsens der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu bilden. Das führte einerseits zu Abschottungen und Tricksereien, wie sie durch die veröffentlichten Emails des britischen Climatic Research Unit ans Licht kamen, und andererseits dazu, die Hypothese auch durch nicht wissenschaftlich geprüfte und bestätigte Daten und Vorhersagen zu verstärken.

Zwar arbeiten an den Klimaberichten Hunderte von Wissenschaftlern und mischen auch Regierungsvertreter mit, aber da hier im Auftrag der Weltöffentlichkeit verlässliche Aussagen gemacht werden sollen, die Handlungsgrundlagen bilden, hängt trotz vieler offener Fragen in der Beurteilung eines solchen komplexen Prozesses wie der Klimaentwicklung die Glaubwürdigkeit von den wissenschaftlich begründeten und bestätigten Erkenntnissen ab. Wenn verkündet wird, dass alles, was im Klimabericht aufgenommen wird, überprüft wurde, dann sind die in letzter Zeit entdeckten falschen und unbelegten Behauptungen desaströs – zumal wenn der IPCC-Vorsitzende Kritik zunächst abwehrt, keine Konsequenzen ziehen und offenbar das Glaubwürdigkeitsproblem aussitzen will (Indien richtet aus Kritik am IPCC eigenen Klimarat ein). Das hat die Glaubwürdigkeitskrise entschieden verstärkt, zumal nun auch mehr und mehr IPCC-Autoren den Rücktritt von Pachauri und eine genauere Prüfung der Daten und Quellen fordern. Das wäre umso dringender, da gerade mit den Vorbereitungen zum 5. Weltklimabericht begonnen wurde. (Florian Rötzer)

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