Rheinmetall baut bewaffneten Drohnenpanzer

Mission Master. Bild: Rheinmetall

Immer mehr Staaten verfügen über unbemannte Landfahrzeuge, die bewaffnet oder zur Überwachung eingesetzt werden können. Vorher programmierte Missionen werden vollständig autonom erledigt

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat ein "unbemanntes Mehrzweck-Bodenfahrzeug" entwickelt, das kurz vor der Serienproduktion steht. Der "Mission Master" wird derzeit auf verschiedenen Militärmessen gezeigt. Rheinmetall wirbt damit, dass der Drohnenpanzer im Gefecht, für den Nachschub, zur Überwachung und Aufklärung, für die Verwundetenevakuierung oder zur Brandbekämpfung eingesetzt werden kann. Außerdem soll der "Mission Master" Truppen transportieren.

Im Fachjargon gelten die unbemannten Landfahrzeuge als "Unmanned Ground Vehicles" (UGV). Die Geräte können entweder ferngesteuert, teilautomatisiert oder komplett als Roboter betrieben werden. Der "Mission Master" deckt alle drei Einsatzmöglichkeiten ab. Im vollautonomen Betrieb muss der bedienende Soldat die Mission lediglich programmieren und ihren Verlauf beobachten. Falls nötig, kann der Ablauf vom Bediener unterbrochen werden.

Einsatzdauer von acht Stunden

Das vom Rheinmetall-Ableger in Kanada entwickelte System ist mit Elektroantrieb angetrieben und besteht aus einer Basisplattform, die nach Bedarf für die verschiedenen Einsatzszenarien umgerüstet werden kann. Die Einsatzdauer beträgt rund acht Stunden. Der Panzer verfügt über acht Räder, auf die je nach Anforderung eine Kette montiert werden kann. Bei wenig Zuladung soll das Fahrzeug sogar schwimmen können. Zur Nutzlast heißt es, dass der "Mission Master" bis zu 600 Kilogramm befördert.

In der "Truppenschutzausführung" wird der Drohnenpanzer zur Gefechtsunterstützung, für die Bewachung gesperrter Anlagen, für Eskorten oder zur Zielmarkierung eingesetzt. Hierfür ist der "Mission Master" mit 70-mm-Raketenwerfern der französischen Firma Thales bewaffnet. Dabei handelt es sich eigentlich um Luft-Boden-Raketen, die laut Rheinmetall mit hoher Feuerkraft erstmals auf einem Panzer montiert wurden. Der Raketenwerfer, der bei einem Schießtraining in Südafrika 14 Raketen in Ziel brachte, ist in das Waffensystem "Fieldranger Multi" integriert. Damit verfügt der Panzer auch über einen Granatwerfer oder ein großkalibriges Maschinengewehr.

Angeblich Bestellung von der Bundeswehr

Laut Rheinmetall können die Steuerung und Missionsführung des Drohnenpanzers vollständig digital gesteuert werden. Das Fahrzeug ist dabei in das digitale Soldatensystem "Infanterist der Zukunft" eingebettet, das Rheinmetall für die NATO unter dem Namen "Argus" vermarktet. Angeblich wurde der "Mission Master" bereits "aus Italien und dem Nahen Osten" bestellt. Auch die Bundeswehr habe eine Bestellung aufgegeben, um das Gerät für den militärischen Einsatz zu testen.

Würde sich das Verteidigungsministerium tatsächlich für die Beschaffung des "Mission Master" entscheiden, könnte Rheinmetall das wegbrechende Geschäft seiner Flugdrohnen ausgleichen. Seit 2005 hatte der Konzern 60 "Kleinfluggeräte zur Zielortung" (KZO) an die Bundeswehr verkauft, allerdings wird das Gerät nicht mehr nachbestellt. Anfangs hatte Rheinmetall auch den Betreibervertrag für die Bundeswehrdrohnen "Heron" in Afghanistan als Hauptauftragnehmer übernommen, mittlerweile wird dies von Airbus erledigt.

Automatisierung von Militärfahrzeugen

Rheinmetall konstatiert einen wachsenden Trend zu bewaffnungsfähigen unbemannten Landfahrzeugen und nennt als Beispiel den russischen Drohnenpanzer "URAN-9". Aber auch die deutsche Niederlassung von Rheinmetall in Unterlüß forscht seit vielen Jahren an unbemannten Landsystemen, die jedoch nie in die Serienproduktion gingen.

Für die Bundeswehr entwickelte Rheinmetall in den Nullerjahren ein "abgesetztes Subsystem MobRob", das zu einem bemannten Radpanzer gehört und bei Bedarf die Umgebung erkundet. Ein ähnliches System, allerdings wie der "Mission Master" mit acht Rädern und bedeutend größer als "MobRob", hat Rheinmetall ab 2005 auf verschiedenen Robotik-Veranstaltungen vorgeführt.

Derzeit arbeitet der Konzern an der Automatisierung gewöhnlicher Militärfahrzeuge. Unter dem Titel "Straßentransport mit Assistenzfunktionen von Robotern" (StrAsRob) forscht Rheinmetall mit dem Rüstungskonzern Diehl, der Universität der Bundeswehr sowie dem Fraunhofer-Institut FKIE am "automatisierten Folgefahren von militärischen LKWs" im Konvoi.

Unbemannte Landfahrzeuge werden von einigen Staaten auch zur Grenzüberwachung eingesetzt. Unter Beteiligung der EU-Grenzagentur Frontex hatte ein internationales Konsortium vor einigen Jahren zwei Prototypen entwickelt, die auf Erfahrungen in Israel beruhen. Zu den Interessenten dieses "Transportable Autonomous patrol for Land border Surveillance" gehörten damals griechische und türkische Grenztruppen. Die Europäische Kommission hatte die 20 Millionen Euro teuren Forschungen zu zwei Dritteln übernommen. Die Frontex-Panzer wurden jedoch bislang nicht eingesetzt.

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