Rimini: Polens Rechtsradikale schauen nach dem Rechten

Mitglieder der rechtsradikalen Gruppe "Nationalradikalse Lager" aus Polen haben sich mit der Forza Nuova" angeblich zum Schutz der Frauen vor Migranten zusammengetan

Kurzgeschoren und in schwarzen T-Shirts - in dieser Aufmachung sah man für einige Tage bullige junge Männer hintereinander den weiten Strand sowie die Gassen des bekannten italienischen Badeorts Rimini durchkämmen.

Die selbsternannte Wacht besteht aus Mitgliedern der rechtsradikalen Gruppierung "Nationalradikalse Lager" (ONR) aus Polen (Fremdenfeindlich, antisemitisch und homophob) und der italienischen Entsprechung "Forza Nuova" (Neue Kraft).

Anlass für das Auftreten ist eine Vergewaltigung im vergangenen Sommer, die für Schlagzeilen sorgte. Zwei Migranten aus Afrika und zwei Marokkaner überfielen ein polnisches Pärchen nachts am Strand, schlugen und vergewaltigten die Frau mehrfach und verprügelten den Mann schwer. Die Haupttäter wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.

"Wir haben viele warme Worte von Einwohnern und polnischen Touristen gehört", so wird die Aktion, die am Wochenende anlief, von der ONR via Twitter kommentiert. Polnische Touristen kolportierten bereits in Sozialen Netzwerken, dass Mitglieder der selbsternannten Patrouille Personen als "Schwuchteln" angepöbelt hätten, die ihnen nicht gepasst haben. Die schwarz gekleideten Männer wurden von Carabinieri beobachtet, nach Angaben der Gazeta Wyborcza vom Montag sollen sogar die italienischen Rechten Abstand zu den polnischen Kollegen gehalten haben. Der Auftritt der 50 Strandwächter aus Polen war bereits nach einigen Tagen zu Ende.

Wenn auch bislang eine Erscheinung zu Beginn des Sommerloches, so ist die Strandwacht ein Symptom für die Entwicklung in beiden Ländern. In Italien regiert seit Anfang Juni eine rechtspopulistische Koalition aus der "Fünf-Sterne-Bewegung" und der Lega, die sich radikal gegen die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen stemmt.

Bild: ONR

"Wir brauchen keine Squadristen, um unsere Freiheit zu verteidigen, sondern wir brauchen unsere Freiheit, um uns gegen die Squadristen zu verteidigen", heißt es in einer Erklärung einer neu gegründeten "Antifaschistischen Allianz", die die Stadt Rimini vergeblich ersucht hatte, den Aufmarsch zu verbieten. "Squadristen" - so hießen in Italien Anfang der 1920er die Mitglieder der Faschisten, später wurde der Begriff Schwarzhemden populär.

Roberto Fiore hat mit dieser Vergangenheit und der Bezeichnung "Faschist" kein Problem. Der Gründer der italienischen Partei Forza Nuova erklärte auf einer Pressekonferenz mit den Polen: "Immer mehr Menschen verstehen, dass es eine europäische Jugend gibt, die bereit ist, in den Straßen zu kämpfen, um die Frauen zu verteidigen."

Auch die polnische ONR, die 1933 gegründet wurde, bezieht sich in ihren Wurzeln auf den Faschismus in Italien und Spanien. Die Formation hat durch den Sieg der nationalkonservativen Recht und Gerechtigkeit (PiS) im Herbst 2015 weit an Selbstbewusstsein und Öffentlichkeit gewonnen. So darf sie am Unabhängigkeitstag im November durch Warschau marschieren und mit Schwert-Armbinde in manchen Schulen auftreten (Ausschreitungen am polnischen Unabhängigkeitstag). Die Partei sucht schon seit langem nach radikalen Gleichgesinnten in europäischen Ländern, als gemeinsamer Nenner gilt der Kampf gegen die Einwanderung von Muslimen nach Europa.

Auf der anderen Seite wurde in polnischen Stadien anti-extremistischer Fanarbeit die offiziellen Mittel entzogen, Minderheiten haben immer weniger Spielraum. So hat der polnische Innenminister Joachim Brudzinski am Montag die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, da an dem Wallfahrtsort Tschenstochau der polnische Adler auf dem Hintergrund der Regenbogenfarben gezeigt wurde - Symbol der Schwulenbewegung. Der Demonstrationszug und der Zugang zum Kloster auf dem Berg wurde den Homosexuellen von selbsternannten Ordnern der ONR verwehrt. "Gott vergelt's" bedankte sich Pater Rydzyk bei den Rechtsradikalen. Der Pater leitet "Radio Maryja", das einflussreiche nationalkatholische Medienimperium , das derzeit die Regierung in Warschau unterstützt. (Jens Mattern)

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