Roboter bald überall?

Die Grenzen der Roboterisierung und neue Einsatzmöglichkeiten: Pflege und Spatial Computing

Die Hoffnungen, die auf dem Einsatz von Fertigungsrobotern lagen, wurden offensichtlich nur teilweise erfüllt und stoßen inzwischen vielfach an ihre Grenzen, wenn es um die Herstellung von stark individualisierter oder stark miniaturisierter Technik geht.

Damit man die Fertigung flexibel halten kann, konzentriert sich die Automatisierung hier auf die von selbst erfolgenden Steuerung der Teilelogistik sowie die Montageunterstützung am Band. Im Haushalt finden Roboter hingegen ein wachsenden Einsatzfeld.

Der taiwanesische Fertiger Hon Hai, bekannt auch unter der Marke Foxconn Technology, hatte vor Jahren unter dem Namen Foxconn Industrial Internet eine eigene Roboterfertigung gestartet und soll inzwischen 100.000 Roboter in seinen Werken in China einsetzen. Er stößt damit jedoch immer wieder an die Grenzen der Roboterisierung. So übernahmen schon bei der Fertigung des iPhone 6 wieder Menschen die Montage, weil die Foxbots die nötige Präzision bei der immer weiter miniaturisierten Technik nicht einhalten konnten.

Das Problem der heute verfügbaren Roboter besteht zudem nicht zuletzt darin, dass sie zumeist daraufhin optimiert sind, in einem genau definierten Umfeld zu arbeiten. Ändert sich das Umfeld, fangen die Probleme an, was derzeit die Verwirklichung des autonomen Fahrens noch immer vor große Herausforderungen stellt. Die Beobachtungsgabe und Interpretationsfähigkeit von Menschen ist der entsprechenden Fähigkeit auch lernfähiger Computersteuerungen bislang noch weit überlegen.

Roboter in der Pflege und der Kinderbetreuung

Auf der anderen Seite können roboterisierte Unterstützungssysteme den Menschen überall dort entlasten, wo er körperlich stark gefordert wird. Orthesen helfen dem Pflegepersonal auch in der Intensivpflege in zunehmendem Umfang, körperlich schwere Arbeiten zu verrichten, ohne an die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit zu stoßen, wenn es beispielsweise darum geht, Patienten zu wenden, weil sie etwa in Bauchlage besser beatmet werden können.

In der Altenpflege kommen heute auch in Deutschland die in Japan schon vielfach im Einsatz befindlichen Betreuungs- und Pflegeroboter zur Anwendung, auch wenn der Ethikrat bislang noch deutliche Grenzen für den Roboter-Einsatz in der Pflege setzt.

Wenn die Telekommunikationsnetze resilient ausgebaut sind, wird auch die Telemedizin soweit ausgebaut werden können, dass der spezialisierte Operateur weit entfernt vom Patienten, der unters Messer soll, arbeiten kann, was in Deutschland wohl deutlich länger dauern dürfte als in China, wo man inzwischen schon an der Umsetzung von 6G im Mobilfunk arbeitet, während man sich in Deutschland noch abmüht, die Schulen an ein flächendeckendes Glasfasernetz anzubinden.

Zur Betreuungsunterstützung finden Roboter inzwischen auch in einem Bereich Anwendung, der ebenso wie die Pflege von deutlichen Personalmängeln gekennzeichnet ist. Der inzwischen ebenfalls zum Hon-Hai-Konzern zählende japanischen Elektronikhersteller Sharp hat inzwischen einen humanoiden Roboter entwickelt, der so gelenkig und beweglich ist, dass er durchaus auch Kinder als Spielkamerad in seinen Bann ziehen kann.

Roboterisierung des Haushalts

Robotertechnik muss nicht mit Arm und Bein augestattet sein. Sie kann sogar ganz ohne sichtbaren Kopf aktiv werden. Ganz still und leise haben beispielsweise die Haushaltsroboter ihren Einzug in viele Privathaushalte vollzogen. Es fing vor Jahren an mit der Flut an Brotbackautomaten und wurde in der Küche um den Thermomix und seine Derivate vom Discounter erweitert.

Die automatischen Saug- und Wischroboter fingen dann auch noch an, den Dreck wieder wegzumachen. Wer statt Gemüse- oder Steingarten eine weitestgehend ebene Rasenfläche sein eigen nennt, hat sich im Baumarkt inzwischen oft auch einen Rasenroboter besorgt, der ihm das samstägliche mehr oder weniger geräuschvolle Rasenmähen abnimmt und für das Sprengen des Rasens tut es auch eine Zeitschaltuhr.

Nach dem schweigenden Einzug der Haushaltsroboter steht jetzt die IT-organiserte Übernahme des gesamten Haushalts an. So mancher Technik-Verliebte schaltet das Licht heute nur noch per Bewegungsmelder oder Siri-Auftrag ein und aus. Wer nach einem Beinbruch auf Krücken geht, weiß das zu schätzen. Auch der Kaffeevollautomat, der sich den Mahlgrad per App aus der Ferne vorgeben lässt, mag für den einen oder anderen von Interesse sein, der auch besonders zufrieden den Stromverbrauch seines aktuellen Kaffeegenusses ermitteln kann.

Auf dem Umweg über die Betreuung mechanisch Behinderter kommt jetzt die nächste Entwicklung unter dem Namen Spatial Computing auf die Haushalte zu. Was bislang schon unter den Begriffen Virtual und Augmented Reality durch die Lande wabert, unter dem Namen Computer-Aided-Design (CAD) schon lange Stand der Technik ist und im Ikea-Katalog selig die Bilderwelten ganz ohne Fotostudio bereicherte, soll jetzt seinen Eingang in das tägliche Leben finden.

Dafür wird vom realen ein digitaler Zwilling entwickelt, der sich durch die Rechnerwelten bewegt und von dort aus die reale Welt wieder beeinflusst indem wirkliche Aktoren dafür sorgen, dass Hindernisse rechtzeitig aus dem Weg geräumt werden, wenn beispielsweise ein Tisch den Weg eines Rollstuhls behindern würde.

Außerhalb der Wohnung kann der Weg eines Krankenwagens vorausschauend freigeschaltet werden und das Klinikpersonal mit den aktuellen Daten des in Kürze eingelieferten Patienten versorgt werden, so dass eine möglicherweise bevorstehende OP schnellst möglich umgesetzt werden kann.

Da erweitert sich das Smart Home ganz schnell zur Smart City, die jedoch nur solange funktioniert, wie die Stromversorgung gesichert ist. (Christoph Jehle)