Roboter kämpfen um die Ehre

Hohe Siegprämien sind für die Attraktivität eines Roboterwettbewerbs dagegen weniger wichtig

The winner takes it all? Von wegen. Beim Wettbewerb EuRoC kriegt der Gewinner gar nichts, außer vielleicht einen Pokal und eine Urkunde. Mehr darf das Siegerteam der European Robotics Challenge nicht erwarten. Die Freude, auf dem obersten Treppchen zu stehen, muss reichen bei diesem neuen, noch bis Dezember 2017 laufenden Roboterwettbewerb.

Leer ausgehen müssen die EuRoC-Teilnehmer dennoch nicht. Insgesamt stehen 7 Millionen Euro zur Ausschüttung bereit, aber eben nicht als Siegprämie am Ende, sondern als Fördermittel während des Wettbewerbs, der in drei Disziplinen über mehrere Stufen verläuft. Die Aufgabenstellungen orientieren sich an Anwendungsszenarien aus der Industrierobotik: Es gibt die weitgehend offene Production Challenge, die Logistics Challenge, bei der auch Manipulationsaufgaben mit einem Leichtbauroboterarm bewältigt werden müssen, und die Services Challenge. Bei letzterer geht es um die Inspektion von Anlagen mithilfe von fliegenden Plattformen.

Jede Aufgabe muss zunächst in einer Simulation gelöst werden. Von 102 Teams, die in dieser ersten Runde teilnahmen, qualifizierten sich pro Disziplin 5 Teams. Sie erhielten für die nächste Runde, in der es um Laborlösungen geht, jeweils bis zu 375.000 Euro. 30 der ausgeschiedenen Teams erhielten jeweils 5.000 Euro dafür, dass sie durch ihre Teilnahme dazu beigetragen haben, die Testkriterien genauer zu definieren. Aus der derzeit laufenden Laborrunde gehen pro Disziplin zwei beste Teams hervor, die noch einmal mit jeweils 210.000 Euro unterstützt werden, um den Test ihrer Systeme in der dritten Wettbewerbsphase unter realistischen Bedingungen vorzubereiten. Aus diesen verbleibenden sechs Teams wird Ende 2017 der "Sieger aller Klassen" durch eine Juryentscheidung ermittelt.

Mit dieser gestaffelten Ausschüttung von Fördergeldern knüpft EuRoC an die Erfahrungen der Roboterwettbewerbe an, die durch die US-Militärforschungsbehörde Darpa in den vergangenen zehn Jahren organisiert wurden. Hier wurden bei den ersten Grand Challenges für autonome Fahrzeuge in den Jahren 2004 und 2005 zunächst nur Preisgelder für die Siegerteams in Millionenhöhe ausgeschrieben. Beim Folgewettbewerb Urban Challenge von 2007 und der Robotics Challenge für humanoide Roboter, die in diesem Jahr zuende ging, gab es dagegen zusätzlich Fördergelder für ausgewählte Teams, die bereits vor den Finalrunden ausgeschüttet wurden.

Bild: MBZIRC

Während EuRoC auf die Siegprämie vollständig verzichtet, hat sich die von der Khalifa University in Abu Dhabi ausgeschriebene Mohamed Bin Zayed International Robotics Challenge (MBZIRC) für eine Mischfinanzierung nach dem Darpa-Vorbild entschieden. Von 5 Millionen US-Dollar, die hier als Preisgelder zur Verfügung stehen, sollen 2 Millionen als Siegprämien und 3 Millionen als Teamunterstützungen ausgezahlt werden. Ähnlich der EuRoC besteht auch dieser Wettbewerb, der kürzlich auf der Robotikkonferenz IROS in Hamburg vorgestellt wurde, aus drei Einzeldisziplinen, die jedoch am Ende in einer Grand Challenge kombiniert werden.

Bemerkenswert an diesem Wettbewerb, mit dem die Vereinigten Arabischen Emirate den Wechsel vom Erdöl zu einer wissensbasierten Gesellschaft vorantreiben wollen, ist, dass er alle zwei Jahre ausgetragen werden soll. Diese Kombination aus hohen Preisgeldern und regelmäßigem Turnus ist bislang einmalig. Regelmäßig ausgetragene Roboterwettbewerbe wie RoboCup oder Elrob waren in den letzten Jahren recht gut ohne finanzielle Anreize ausgekommen. Offensichtlich sind die Arbeit an einer schwierigen Aufgabe und der intensive Gedankenaustausch bei den Turnieren für die meisten Forscher reizvoll genug, um sich für eine Teilnahme zu entscheiden. Allerdings werden Fördergelder immer gern angenommen, insbesondere wenn hohe Kosten für Hardware zu erwarten sind.

Wie in den kommenden Jahren die Aufgaben beim arabischen Wettbewerb gestaltet werden sollen, stehe noch nicht fest, sagt Lakmal Seneviratne von der Khalifa University. Er könnte sich am Vorbild der Darpa orientieren, die für ihre Wettbewerbe die Aufgabenstellungen jeweils komplett neu definiert, oder dem Beispiel des RoboCup folgen, der auf Kontinuität setzt: Hier bleiben die Wettkampfszenarien im wesentlichen gleich, werden aber von Jahr zu Jahr schwieriger gestaltet.

Gleichwohl decken sich die Aufgaben bei der ersten MBZIRC, deren Finale für Februar 2017 geplant ist, mit denen anderer Wettbewerbe: Auf einem Freigelände von der Größe eines Fußballfeldes wird es im ersten Durchgang zunächst darum gehen, einen Flugroboter auf einem fahrenden Fahrzeug landen zu lassen. In der zweiten Etappe muss ein unbemanntes Fahrzeug ein anderes Fahrzeug finden und an dessen Seite ein Ventil betätigen. Beim dritten Turnier schließlich muss ein Team kooperierender Flugroboter mehrere statische und sich bewegende Objekte finden. Das Finale kombiniert alle drei Herausforderungen.

Ob sich das Spektrum der Roboterwettbewerbe durch hoch dotierte Veranstaltungen wie MBZIRC nachhaltig verändern wird, bleibt abzuwarten. Vorerst lassen sich jedenfalls auch ohne Preisgelder neue attraktive Turniere veranstalten. So soll am 8. Oktober 2016 in Zürich der erste Cybathlon ausgetragen werden, der erste Wettbewerb für Robotiktechnologie zur Unterstützung Behinderter. Sechs Disziplinen sind vorgesehen, darunter ein Wettrennen mit Exoskeletten, Hindernisläufe für Träger von aktiven Bein- und Armprothesen oder ein Brain-Computer-Interface Race. 50 Teams aus 22 Ländern hätten sich bereits angemeldet, sagte Dario Floreano von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne beim IROS-Workshop. Ein wesentliches Ziel des Wettbewerbs, erklärte er, sei auch die Entwicklung standardisierter Testmethoden für Körperprothesen und andere Unterstützungstechnologie.

Bild: ETH Zürich / Alessandro Della Bella

Tatsächlich erinnerten die Bilder von den Rennstrecken des Cybathlon, die Floreano zeigte, stark an die Arena der Rescue League beim RoboCup, die ebenfalls unter anderem der Erarbeitung von Standardtests für Roboter dient. Offensichtlich bringen Roboterwettbewerbe nicht nur die Technologie voran, sondern inspirieren sich auch gegenseitig. Dem Cybathlon mit seiner Verbindung von Mensch und Maschine könnte zudem gelingen, womit sich die bisherigen Roboterturniere noch schwer tun: Er könnte ein größeres Publikum jenseits der reinen Technikfans anziehen.

Offen blieb beim IROS-Workshop eine Frage, die auch bei den Wettbewerben selbst seit Jahren diskutiert wird, ohne zu einem schlüssigen Ergebnis zu kommen: Ob und wie viel diese Veranstaltungen eigentlich mit Forschung zu tun haben? Als Lösungsvorschlag sei hier die Aussage eines RoboCup-Teilnehmers zitiert, die bei einem der vielen spontanen Gespräche zwischen den Spielfeldern fiel: "Wer hier keine Inspiration für seine Forschungen findet, ist selber schuld."

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