Roboter könnten mehr als ein Drittel der deutschen Arbeitsplätze ersetzen

Deutschlands Arbeitsmarkt ist durch Automatisierung stärker gefährdet als der in Japan oder Großbritannien

Nach einer neuen Prognose von PricewaterhouseCoopers (PwC) könnten bis Anfang der 2030er Jahre in den USA bis zu 38 Prozent der Jobs durch Automatisierung verloren gehen, in Deutschland bis zu 35 Prozent. In Großbritannien nur 30 Prozent, in Japan erstaunlicherweise nur 21 Prozent. Betroffen seien vor allem Transport und Lagerung (56% der Jobs), Herstellung (46%) und Handel (44%), aber auch im Gesundheitsbereich und in der Sozialarbeit (17%). Aber die Folgen werden auch in der Lebensmittelbranche, auf dem Bau, in der Verwaltung und der Verteidigungs- und Sicherheitsbranche, bei Information und Kommunikation sowie in der Finanz- und Versicherugsbranche zu spüren sein. Eine Universitätsausbildung schütze weiterhin vor Arbeitslosigkeit, könne sie aber nicht garantieren. Es entstünden auch eine Reihe von neuen Jobs, so dass die tatsächliche Auswirkung auf den Arbeitsmarkt eben schwierig abzuschätzen sei.

Die Folgen der Automatisierung fallen in verschiedenen Ländern unterschiedlich aus. Am stärksten betroffen sind Länder, in denen die Industriebranche mit den Sektoren Transport und Lagerung ausgeprägt ist und viele Abläufe automatisierbar sind. Gesellschaften, in denen wie in Großbritannien Dienstleistungen überwiegen und die Mitarbeiter wie in der Finanzbranche besser ausgebildet sind, sollen weniger stark betroffen sein. Die meisten Jobs auf dem britischen Arbeitsmarkt gehen daher nach PwC im Handel verloren, über 2 Millionen sind hier sehr gefährdet. Männerjobs sind stärker gefährdet als die von Frauen. Auch wenn die Jobs, die nur eine niedrige Ausbildung voraussetzen, am stärksten gefährdet sind, trifft es absolut die mit einer mittleren Ausbildung am meisten. Über 6 Millionen Jobs sind hier hoch gefährdet - am stärksten in der Privatwirtschaft und in kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

In Deutschland sind nach PwC mehr Jobs als in Großbritannien gefährdet, da im Bausektor mehr Jobs auf Routine oder Handarbeit basieren als in Großbritannien. Sie könnten ersetzt werden, sofern mobile Roboter sich tatsächlich verbreiten. Auch bei Transport und Lagerung sowie bei Finanzen und Versicherungen sieht die Studie in Deutschland einen höheren Grad an Automatisierbarkeit. In Japan sind hingegen die Jobs in der Industrieproduktion am stärksten und mehr als in Großbritannien oder Deutschland gefährdet, aber viele Bereiche seien weniger automatisierbar, beispielsweise im Handel, wo in Japan mehr Zeit für Managementtätigkeiten aufgewendet wird als für manuelle Arbeiten.

Die Studie macht auf die simple Tatsache aufmerksam, dass die Automatisierung oder Roboterisierung natürlich kostenabhängig ist. So sei die Arbeitslosigkeit in Großbritannien gesunken, weil die Löhne nicht gewachsen sind und über die Migration genügend billige Arbeitskraft zur Verfügung stand. Kommt die menschliche Arbeitskraft günstiger als der Kauf und Betrieb von Robotern, werden auch weiterhin eher Menschen angestellt als Maschinen eingesetzt. Die kann man auch, was PwC nur mit dem Stichwort der Flexibilität streift, auch schneller und billiger anstellen und wieder feuern als Fertigungsanlagen oder Maschinen. Da allerdings die Kosten für digitale Technik weiter fallen und auch rechtliche und organisatorische Hindernisse abnehmen dürften, könnte bald ein tipping point erreicht werden. So kann etwa in der Transportbranche die Legalisierung von autonomen Fahrzeugen schnell zum Arbeitsplatzverlust von Millionen von Fahrern führen. (Florian Rötzer)

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