Roskosmos prüft Bau neuer Weltraumstation

Hintergrund: Spannungen mit den USA und Europa

Generalleutnant Oleg Nikolajewitsch Ostapenko, der Leiter der der russischen Weltraumbehörde Roskosmos, prüft der Stimme Russlands zufolge, ob das neue russische Weltraumprogramm den Bau einer "nationalen Weltraumstation" beinhalten soll.

Als eine der Erwägungsgrundlagen dafür nennt der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister und Ex- Oberbefehlshaber der russischen Weltraumstreitkräfte "Aufgaben verschiedenen Charakters" wie beispielsweise eine Nutzung als Mondfahrtsstützpunkt.

Anderen russischen Medien zufolge könnte die neue Raumstation noch in diesem Jahrzehnt fertiggestellt werden, wenn man auf Module zurückgreift, die für die internationale Raumstation ISS entwickelt wurden. Im Mai hatte der stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitri Rogosin verlautbart, dass sich Russland aufgrund der wachsenden internationalen Spannungen nur noch bis 2020 an der ISS beteiligen und die dafür vorgesehenen Mittel für andere Weltraumprojekte verwenden werde. Zuvor war durch eine geleakte Email bekannt geworden, dass das US-Außenministerium die Kooperation von Mitarbeitern der US-Weltraumbehörde NASA mit ihren russischen Kollegen wegen der Ukrainekrise erheblich erschwerte.

Die 2001 verschrottete russische Raumstation Mir. Foto: NASA.

Dass Russland das Know-How zum Bau einer eigenen Weltraumstation hat, steht außer Frage: In den 1980er und 1990er Jahren betrieb das Land (beziehungsweise die Sowjetunion) die Mir, die 2001 im Pazifik verschrottet wurde. Versorgt werden könnte eine neue Station mit Sojus-MS- und Progress-MS-Raumschiffen. Deshalb gilt als wahrscheinlich, dass Umlaufbahn und Neigungswinkel nicht auf Versorgungsflüge vom ehemaligen sowjetischen (und jetzt kasachischen) Weltraumbahnhof Baikonur hin optimiert sein werden, sondern auf Starts aus den russischen Kosmodromen Plessezk und Wostotschny.

Im sibirischen Wostotschny wurden seit 2010 umgerechnet zweieinhalb Milliarden US-Dollar investiert, um einen an das Straßen- und Eisenbahnnetz angebundenen 700 Quadratkilometer großen zivilen Weltraumbahnhof zu errichten, der Russland von Kasachstan unabhängig macht. Experten schätzen jedoch, dass noch weitere dreieinhalb Milliarden Dollar aufgewendet werden müssen, bis von dort das erste Raumschiff abhebt.

Trotzdem gibt es - anders als in den USA - kaum kritische Stimmen gegen Investitionen in die Raumfahrt: Viele Russen sehen die Sputnik- und Gagarinzeit nämlich als die glanzvollste Epoche ihres Landes, das damals jeder anderen Nation in Sachen Weltraumtechnik überlegen war. (Peter Mühlbauer)

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