Russen hoffen in Syrien auf ein Wunder

Den Amerikanern trauen die Russen keinen effektiven Kampf gegen den "Islamischen Staat" zu, den eigenen Piloten schon

Der erste Tag des Einsatzes der russischen Luftwaffe in Syrien endete mit einer Erfolgsmeldung. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte Bilder aus der Kanzel russischer Kampfflugzeuge. Im Kommentar zu den Bildern heißt es, es seien "acht Ziele getroffen" und das "Hauptquartier der Terroristen und die Koordinationszentrale komplett zerstört" worden. Westliche Medien dagegen berichteten von zivilen Opfern in der Stadt Homs (Gegen wen richten sich die russischen Luftangriffe in Syrien?).

Der Antrag von Wladimir Putin, "einem Kontingent der Streitkräfte" das Recht zu geben, "außerhalb Russlands" einzugreifen wurde vom russischen Föderationsrat am Montagvormittag mit 162 Stimmen einstimmig angenommen (Russisches Verteidigungsministerium: Russische Kampfflugzeuge haben erste Angriffe in Syrien ausgeführt). "Es geht um Syrien", erklärte Sergej Iwanow, der Leiter der russischen Präsidialverwaltung Sergej Iwanow. Kurze Zeit später folgten die ersten Luftangriffe russischer Kampfflugzeuge.

Eine SU-30, die auch in Syrien stationiert sein sollen. Bild: Alex Beltyukov/CC-BY-SA-3.0

Wie die Zeitung Wedomosti unter Berufung auf einen Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums berichtete , sind in Syrien 1.500 russische Soldaten im Einsatz. Eingesetzt würden ausschließlich Offiziere und Zeitsoldaten. Nur wenige würden den Auslandseinsatz verweigern, meinte die Vorsitzende der russischen Soldatenmütter Walentina Melnikowa gegenüber dem Blatt. "Um die Stellen wird man sich schlagen, wegen der hohen Vergütung."

Sind die Russen Abenteurer? Stürzen sie sich, nur um dem Image einer Weltmacht zu genügen, in eine Schlacht, wie manche westliche Kommentatoren meinen? Für den Kreml und die ihm nahestehenden Zeitungen sieht die Sache anders aus.

Der Leiter der russischen Präsidialverwaltung Sergej Iwanow erklärte nach der Entscheidung des Föderationsrates, der wichtigste Grund für den Beschluss zum Einsatz der russischen Luftwaffe sei "Russlands nationale Sicherheit". Die Zahl der IS-Kämpfer aus Russland und den zentralasiatischen Staaten (Tadschikistan, Kirgistan, Usbekistan, U.H.) wachse "stündlich". Diese Kämpfer seien eine Bedrohung, wenn sie aus Syrien nach Russland zurückkehrten.

Ein Kommentator des Massenblattes Moskowski Komsomolez (MK) beschrieb seine Haltung zu der Entscheidung des Kreml, in Syrien einzugreifen, mit "vorsichtigem Vertrauen".

Immerhin seien Wladimir Putin und der Leiter der Präsidialverwaltung Sergej Iwanow beim Afghanistan-Einmarsch 1979 ja schon 27 und 26 Jahre alt gewesen. Diese Politiker wüssten, was es bedeute, sich in einer Region militärisch einzumischen, "wo traditionell jeder gegen jeden kämpft und wo gewöhnlich eine Logik fehlt".

Einen namentlich nicht genannten Vertreter des Kremls zitiert der MK-Kommentator mit den Worten: "Der Islamische Staat würde Russland in jedem Fall asymmetrisch antworten. Und je länger wir die Entscheidung der Lösung des IS-Problems dort hinauszögern, wo es seinen Ursprung hat, desto stärker würde ihre Antwort sein."

Russische Sicherheitskräfte nennen die Zahl von 5.000 IS-Kämpfern aus Russland und den zentralasiatischen Staaten, die sich dem IS angeschlossen haben. Russische Politologen meinen, der Angriff der Taliban auf die Stadt Kundus zeige, wie groß die Gefährdung Zentralasiens sei. Die Sicherheitsstrukturen der zentralasiatischen Staaten seien Angriffen radikaler Islamisten aus dem Süden "nicht gewachsen", schreibt der MK-Kommentator

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