Russische Rockergruppe soll nach Ungarn und Tschechien gelangt sein

Das Hochspielen der paar nationalistischen Rocker und die Versuche, die Reise nach Berlin zu verhindern, befördern die russische Propaganda, die man eigentlich unterlaufen will

Die nationalistischen Antimaidan-Rocker von den russischen Nachtwölfen wollen auf den Straßen des Siegs im Zweiten Weltkrieg gen Berlin ziehen, um dort am 9. Mai den Sieg zu feiern. Gefeiert haben sie kürzlich mit Großereignis die Einnahme von Stalingrad, anschließend in Sewastopol die "Rückgewinnung" der Krim. Bezeichnet und dämonisiert werden sie von ukrainischen Medien schon mal als "Putins Killermaschine" oder "Putins Todesschwadron", Benjamin Bidder vom Spiegel spricht von "Durchgeknallten" oder Julian Hans von "widerlichen Typen". Polen und Litauen haben auch einzelne Motorradfahrer, die aus aus Weißrussland oder Kaliningrad kamen, nicht einreisen lassen (20 russische Biker bedrohen Deutschlands Sicherheit).

Alexander Saldostanow, der Chef des Rockerclubs, auf dem Weg nach Berlin. Bild: Nachtwölfe

Jetzt sollen zwei Gruppen angeblich in den Schengenraum gelangt sein. Die eine Gruppe habe zusammen mit polnischen Rockern Auschwitz besucht und sei dann über Bratislava nach Brno gereist, um dort einen Friedhof für russische Soldaten zu besuchen. Zunächst hatten die Nachtwölfe freilich berichtet, ihnen sei die Einfahrt nach Polen verwehrt worden. Die andere Gruppe, es soll sich um zwei Mann handeln, soll nach Budapest gefahren sein, um dort den Kerepesi-Friedhof zu besuchen. RT Ruptly hat darüber ein Video ins Netz gestellt.

Es hieß auch, dass Nachtwölfe ins tschechische Ostrava fahren würden, um die Befreiung der Stadt von den Nazis zu begehen, um dann über die Slowakische Republik und Ungarn nach Deutschland zu fahren. Unterwegs wollen sie sich angeblich mit Rockerfreunden aus Serbien, Mazedonien und Bulgarien treffen. Die tschechische Polizei berichtete allerdings, es gebe keine Hinweise dafür, dass russische Rocker ins Land gekommen wären.

Update: Die Nachtwölfe haben heute am Denkmal für die gefallenen Soldaten in Ostrava Blumen niedergelegt, sind also in Tschechien:

Bild: Nachtwölfe

Alexander Zaldastanov, der Chef der Nachwölfe und angeblicher Putin-Freund, hatte angekündigt, dass sowieso nur 15 Rocker an der Fahrt teilnehmen. Es wird also so oder so keine Gefahr von ihnen ausgehen, befürchtet wird, dass sie provozieren wollen, zumindest will man in einigen Ländern nicht, dass die Antimaidan-Rocker stören, weswegen man wie etwa in Polen zu zweifelhaften Argumenten griff, etwa dass die Reiseroute nicht genau angegeben wurde, die Einreise trotzen Schengen-Visa zu verwehren. Auch Berlin hat einige Visa aus dem fadenscheinigen Grund zurückgezogen, weil die Rockertour "keinen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen" leiste.

Die Verweigerungshaltung in Europa wertet die paar Rocker auf, die russischen Staatsmedien können dies ausbeuten - und haben sogar Recht. Hätte man die paar Motorradfahrer, die sich bislang offensichtlich ganz gesittet verhalten haben, ohne Gedöns einreisen und nach Berlin fahren lassen, wäre die Aktion weithin untergegangen. Deutschland als Nachfolger des Nazi-Staates sollte sich zumal nicht so anstellen. Es wäre wohl in diesem Zusammenhang auch kein Fehler gewesen, wenn die Bundeskanzlerin oder der Präsident am 9. Mai in Moskau an der Siegesfeier teilgenommen hätte. Deswegen muss man Russlands aktuelle Politik noch nicht gut finden. Aber sowohl die Absage an Moskau als auch das Getue um die paar Rocker zeigt, wie tief man schon in das Denken auf Konfrontation eingestiegen ist und jeden Anlass nutzt, um es zu verstärken. (Florian Rötzer)