Russland: Eskalation im Medienkino

Propaganda, Deutungshoheit und mögliche Fortschritte im Informationskrieg zwischen Russland und dem Westen. Beginn um 19:30

Wir laden ein zum nächsten Telepolis-Salon "Russland - Eskalation im Medienkino" mit den Gästen Matthias Bröckers und Prof. Dr. Michael Meyen im Münchener Lovelace in der Kardinal-Faulhaber-Str. 1 am 16. Mai um 19 Uhr. Eintritt: 5 EUR, ermäßigt 3 EUR

Die Veranstaltung kann leider erst um 19:30 beginnen: Studio 1 im dritten Stock!

Wir haben ein Wahrheitsproblem mit Russland. Es bringt sogar den Zweifel zum Durchdrehen. Die gute alte westliche "Schule des Zweifels" als Methode zur Wahrheitsfindung hilft nicht mehr viel, wenn der Zweifel selbst als Teufel der russischen Destabilisierungsmethode ausgemacht wird.

Die russische Propaganda beruhe ganz zentral darauf, Unsicherheiten zu säen und Gewissheiten zu untergraben, wird gewarnt. So gesehen spielt jede Forderung nach eindeutigen Beweisen für die Verantwortung Russlands bei Giftattacken in London oder bei Chemiewaffenangriffen des Verbündeten Syriens der russischen Propaganda in die Hände. Ein Dilemma. Wer trägt den Vorteil davon?

Es gibt kein zweites Land, dem sich die westliche Medienktivität derart engagiert zuwendet. Und man kann nicht behaupten, dass es dabei objektiv zugeht. Keinem anderen Land werden solche raffinierten Superschurkenfähigkeiten zugesprochen wie Russland.

Wenn sich der Verdacht gegen Russland wendet, so bekommt er ein großes Spielfeld. Wer westliche Zeitungen liest, erfährt, dass vom Kreml aus Befehle für Sabotage an der Demokratie und an Menschenrechten in die ganze Welt hinausgehen und nicht zuletzt, dass im Kalkül Russlands die syrische Zivilbevölkerung weit weniger zählt, als dass der "Schlächter seines Volkes", der Folter-Tyrann Baschar al-Assad, an der Macht bleibt.

List und Tücke made in Russia machen diesen Planeten gefährlich, ist der gängige Schluss aus unzähligen Berichten und Kommentaren seit der Ukraine- und Krimkrise 2014. Seitdem wird gerne und oft von der "russischen Gefahr" gesprochen, Eklärungen braucht es dann nicht mehr viel. Bereits Grundschüler sind davon überzeugt, dass Putin die malaysische Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17 abgeschossen hat. Der Nato-Stab und die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen warnen seit dem Krim-Referendum im März 2014 verstärkt vor den verdeckten Operationen Russlands, seiner aggressiven hybriden Kriegsführung.

Sich zu Russland zu positionieren, ist eine Herausforderung in einer schwierigen Gegenwart, die verlangt, über alles im Bild zu sein bei stetiger Veränderung. Anders als im Film oder Geschichtsbüchern ist nicht klar, welchen Ausgang die Konflikte nehmen, wie sie einzuschätzen sind, ob es nur um verbale Muskelspiele geht, um bloßes "Politiktheater", oder ob es sich um vorbereitende Kriegspropaganda handelt. Dass der dritte Weltkrieg immer häufiger in den Diskussionen vorkommt, ist Zeichen kommunikativ eskalierender Zeiten.

Als Bösewicht wird oft Putin plakatiert, als Chef eines neo-totalitären repressiven Regimes in Russland und Vorreiter einer ganzen Reihe von strong men, die neue Attraktivität gewonnen haben - ein simples Bild, das aber zu funktionieren scheint und auch Artikeln unterliegt, die an kritische Leser ("Seien Sie anspruchsvoll!") gerichtet sind.

Russland ist wieder Weltmacht und die Medien, die uns das meiste von dem beibringen, was wir dann fast ausschließlich von der Realität wissen, haben sich in der überwiegenden Mehrheit auf ein Bild geeinigt, das im Putinschen Russland eine (Kriegs-)Gefahr sieht.

Welche Haltung wollen wir einnehmen, wenn wir über Russland reden? Immun sein gegen Manipulationen des Großkonsens und auf jeden Fall klüger sein als der Mainstream, der eine anti-russische Schlagseite hat? Zugleich aber auch menschenfreundlicher als die eingefleischten Putin-Fans, die noch jedes autoritäre Durchgreifen in Russland und jeden Bombenangriff in Syrien zur Notwendigkeit erklären?

Der wieder belebte Kalte Krieg findet in den Medien eine wichtige Bühne. Der Kampf geht um die Deutungshoheit. Wer hat die Macht, uns seine "Story" als die glaubhaftere zu erzählen, wie stellt er das an? Was ist neu am Info-War zwischen dem Westen und Russland knapp 30 Jahre nach dem "Ende der alten Kalte-Kriegs-Geschichte"? Hat das Fiktive mit den neuen Medienmöglichkeiten jetzt größere Überzeugungskraft? Können wir aus dem Propaganda-Schlagabtausch etwas lernen?

Beim Telepolis-Salon sollen die erwähnten Fragen bis auf Weiteres geklärt werden. Dafür sorgen die kompetenten Gäste, die zum Gespräch mit Florian Rötzer und Thomas Pany eingeladen sind: der Doyen aller Verschwörungstheorien-Experten in Deutschland, Matthias Bröckers, Autor des Buches "Wir sind die Guten. Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren", und Michael Meyen, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU München und Mitglied des Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft. Sein neuestes Buch: "Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand".

Glanzpunkte findet der Abend wie immer durch die Arbeit der Künstlergruppe Prismen mit ihren eindrucksvollen Videos. (Thomas Pany)

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