Russland: Israelische Kampfflugzeuge sollen ein Passagierflugzeug gefährdet haben

Das Bild soll zeigen, wie die syrische Luftabwehr eine israelische Rakete abschießt. Bild: Sana.sy

Nach russischer Darstellung haben sich die Kampfflugzeuge hinter der Passagiermaschine, die im Anflug auf Damaskus war, vor der syrischen Luftabwehr geschützt

Israel macht gefährliche Spiele und scheint einen Konflikt mit Syrien provozieren zu wollen. Heute in der Nacht um 2 Uhr griffen israelische F-16-Kampfflugzeuge, die nicht in den syrischen Luftraum eingedrungen waren, mit Raketen Ziele in Damaskus an. Die syrische Luftabwehr versuchte, die Angriffe abzuwehren. Dabei wäre nach dem russischen Verteidigungsministerium ein Flugzeug der syrischen Linie Syrian Cham Wings mit 172 Passagieren an Bord, das auf dem Flugplatz von Damaskus landen wollte, hoch gefährdet gewesen, abgeschossen zu werden, wenn es nicht auf den russischen Stützpunkt Hmeimim umgeleitet worden wäre.

An dem Vorfall, der während der weiter laufenden Offensive der syrischen Armee in Idlib geschah, waren nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vier Kampfflugzeuge beteiligt, die im südlibanesischen Luftraum und über Golan flogen. Die syrische Armee veröffentlichte Bilder, die zeigen sollen, dass angeblich die meisten Raketen von der Luftabwehr abgeschossen wurden. Der Angriff soll in zwei Wellen erfolgt sein und auf Ziele in al-Kiswah, Marj al-Sultan und Jisr Baghdad gerichtet gewesen sein. Vermutlich waren dies wieder iranische Ziele, wie beim Angriff auf den Flughafen T-14 bei Damaskus. Die syrische Nachrichtenagentur spricht nur von militärischen Einrichtungen, in der ersten Angriffswelle in den Vororten von Damaskus und in der zweiten Welle bei Dara'a, Quneitra und Damaskus.

Nach dem russischen Verteidigungsministerium wurden 8 Raketen abgefeuert. Dabei sollen die Flugzeuge wieder die Taktik angewendet haben, sich zum eigenen Schutz vor der syrischen Luftabwehr hinter dem Passagierflugzeug versteckt zu haben, das damit gewissermaßen als Geisel genommen wird. Generalmajor Igor Konaschenkow, der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, weist darauf hin, dass die Flughöhe von Passagierflugzeugen weltweit festgelegt sei. Die israelischen Radargeräte könnten sie gut erkennen, ebenso könnten sie das "Luftlagebild beim Flughafen Damaskus beobachten": "Somit wird die Durchführung der Kampfeinsätze durch den israelischen Generalstab mit Einsatz von Zivilflugzeugen mit Passagieren für die Beschirmung oder Blockierung von Gegenhandlungen der syrischen Flugabwehrkräfte zu einem Charakterzug der israelischen Luftstreitkräfte", so gibt Sputnik seine Worte wieder.

Unterstellt wird damit, dass Israel vermehrt zu dieser Taktik greift, mit der ganz absichtlich Passagierflugzeuge gefährdet und deren Abschuss durch die gegnerische Luftabwehr provoziert wird, wenn diese nicht auf die Verteidigung verzichtet. Hintergrund ist, dass nach russischer Darstellung die israelische Luftwaffe schon im September 2018 zu dieser Taktik gegriffen hat, um einen iranischen Konvoi anzugreifen. Dabei wurde von der veralteten syrischen Luftabwehr ein russisches Aufklärungsflugzeugs Il-20 abgeschossen. Es starben 15 Russen. Israel stritt damals die Behauptung Russlands ab.

Der Vorfall führte zu einem kurzen Konflikt zwischen Israel und Russland, da israelische Angriff in Syrien unter Duldung von Russland und in Absprache erfolgen. Moskau lieferte in Folge den syrischen Truppen bessere S-300-Raketenabwehrsysteme, allerdings nicht die neuere Version S-400, die Russland an den Stützpunkt Hmeimim zum eigenen Schutz verlegt, aber bislang noch nie eingesetzt hat (Russland liefert S-300-Luftabwehrsysteme an Damaskus).

Ria Novosti verweist in diesem Zusammenhang auf den Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine durch die iranische Luftabwehr am 8. Januar. Zuvor hatte der Iran mit Präzisions-Marschflugkörpern den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in al-Asad im Irak angegriffen. Die iranische Luftabwehr war aktiviert, weil man mit Gegenangriffen rechnete. Nach dem russischen Verteidigungsminister Lawrow sollen mindestens 6 amerikanische F-35-Kampfflugzeuge an der iranischen Grenze zu dieser Zeit in der Luft gewesen sein. Durch die angespannte Lage suchte er den Abschuss zu erklären, die iranische Führung führt ihn ausschließlich auf einen individuellen Fehler zurück, gibt allerdings die Flugschreiber nicht heraus (Iran führt Flugzeugabschuss allein auf den Fehler einer Person zurück).

Die Frage ist, sollte die russische Version zutreffen, was erst einmal nur eine Behauptung ist, dass die israelischen Kampfflugzeuge bei ihrem Angriff Schutz hinter einer Passagiermaschine gefunden haben, ob das nur aus Sicherheitsgründen geschieht oder ob damit ein Abschuss provoziert werden soll. Auf jeden Fall wurde hier mit dem Leben von 172 Menschen gespielt. Die israelische Luftwaffe äußert sich zu dem Vorfall nur insoweit, dass man "ausländische Berichte" über Luftangriffe in Syrien zur Kenntnis genommen habe. (Florian Rötzer)