Russland-Ukraine: Was ist am Wochenende auf der Krim geschehen?

Yevhen Panov. Bild: Video des FSB

Berichte und Behauptungen gibt es viele, klar ist nur, dass der Konflikt eskaliert, woran beide Seiten Interesse haben könnten

Offiziell wollte sich niemand von der Nato zum hochkochenden Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wegen des angeblichen Eindringens von Saboteuren des ukrainischen militärischen Geheimdienstes auf der Krim äußern. Inoffiziell und anonym sagte hingegen ein Nato-Mitarbeiter, dass man sehr besorgt sei und die Situation aufmerksam beobachte.

Russland habe noch keinen Beweis vorgelegt, dass die Ukraine Saboteure auf die Krim geschickt habe. Zudem kritisierte er, dass kürzliche militärische Aktivitäten auf der Krim "nicht hilfreich" seien, "um Spannungen zu reduzieren". Dem schloss sich auch der US-Botschafter in Kiew an, der ebenfalls betonte, es gebe bislang keine Beweise, zudem habe Russland öfter gelogen, um die Ukraine schlecht zu machen und von den eigenen Aktivitäten abzulenken.

Das entdeckte Waffenlager der Saboteure sieht nicht sehr beeindruckend aus. Screenshot von einem FSB-Video

In den Tagen vor den beiden Nächten am Wochenende, in denen nach dem russischen Geheimdienst FSB Gruppen mit Sprengstoff und Waffen aus der Ukraine auf die Krim eingedrungen sein und vom russischen Militär aufgehalten und abgewehrt worden sein sollen, hatte es nach veröffentlichten Videos verstärkte Truppenbewegungen auf der Krim gegeben, möglicherweise zu Manöverzwecken oder zur Rotation.

Das sagt allerdings nicht viel, zumal die Aufnahmen von tatarischen Aktivisten über RFE/RL verbreitet wurden. Zudem hatte Moskau selbst erklärt, nach dem angeblichen Ergreifen einiger Saboteure, die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt zu haben. Möglicherweise wurde auch kurzzeitig in Teilen der Krim das Internet abgeklemmt, ebenso wurden vorübergehend übers Wochenende Grenzübergänge geschlossen, was auch nicht weiter verwunderlich ist.

Wegen der russischen militärischen Aktivitäten wird von ukrainischer Seite spekuliert, Russland habe eine Provokation vorbereiten wollen, Vergleiche werden zur Situation vor dem Georgien-Krieg gezogen, u.a. vom ukrainischen UN-Botschafter. Das ist wahrscheinlich nicht so gelungen, da 2008 zunächst die georgische Armee eine Offensive gegen Südossetien begonnen und danach erst russische Streitkräfte eingegriffen hatten.

Kiew, das seinerseits nach den Vorwürfen das Militär an den Grenzen zur Krim und zu den "Volksrepubliken" in erhöhte Kampfbereitschaft versetzt hatte, bestreitet, dass es, wie der FSB berichtete, zu Schusswechseln gekommen sei. Nach dem FSB wurde in der Nacht zum 8. August auch mit schweren Waffen (Panzer, Artillerie) aus der Ukraine geschossen. Der Chef des ukrainischen Generalstabs Viktor Muzhenko stritt dies ebenfalls ab und bezeichnete die Behauptung als absurd: "Es gab kein Artilleriefeuer noch andere Schüsse. Jeder Soldat und Bürger in diesem Gebiet kann dies bestätigen, da ein Beschuss über größere Entfernung zu hören ist."

Wenn allerdings der Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes Valery Kondratiuk sagt, es habe sich um einen Schusswechsel zwischen russischen Soldaten und FSB-Mitarbeitern gehandelt, mag man das auch nicht für sonderlich glaubwürdig halten. Der umstrittene Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Gerashchenko, hat noch eine andere Version auf Lager. Es seien russische Soldaten auf der Krim desertiert. Man habe Angst gehabt, dass sie in die Ukraine gehen und dort Geheimnisse ausplaudern könnten. Als man sie stellen wollte, habe es einen Schusswechsel gegeben.

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Der FSB präsentierte als ersten Gefangenen den Ukrainer Yevhen Panov, der als Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes bezeichnet wird und ein Geständnis abgelegt hat. Von ukrainischer Seite wird bestritten, dass der Veteran, der zuletzt als Fahrer gearbeitet haben soll, beim Geheimdienst tätig war. Nach seinem Bruder und seiner Frau soll er auf die Krim verschleppt worden sein, womöglich mit Freunden, die ukrainische Polizei geht dieser Vermutung nach. In seinem im russischen Fernsehen gesendeten "Geständnis", das möglicherweise unter Folter oder Folterandrohung erfolgte, wie man in der Ukraine vermutet, sollen in seiner Gruppe weitere Geheimdienstagenten gewesen sein. Er nannte fünf Namen, zwei davon seien Offiziere des Geheimdienstes.

Zunächst hatte er angeblich gesagt, die Gruppe, von der 7 oder 10 Personen in der Nacht vom Samstag auf Sonntag festgenommen und zwei bei der Flucht getötet worden seien, habe keine Menschen töten, sondern nur Panik unter Touristen erzielen wollen. Im Verhör erklärte er dann, dass eine Fähre, eine chemische Fabrik und ein Öllager sowie militärische Objekte Anschlagsziele gewesen seien. Vom Gericht in Simferopol wurde er vorerst für zwei Monate inhaftiert.

Mittlerweile gab Russland den Namen eines zweiten Festgenommenen mit Andrei Zakhtei bekannt. Über ihn werden keine näheren Angaben gemacht. Die Gruppe soll auf der Krim ein Lager mit Sprengstoff und anderen Waffen angelegt haben. Die russische Regierung fordert die Politiker im Westen auf, aus den Vorkommnissen ihre Schlüsse zu ziehen und Kiew unter Druck zu setzen: Wenn man mit dem Feuer spielt, könne das böse Folgen haben, so das Außenministerium. Gewarnt wird, dass eine Destabilisierung der Krim nicht gelingen wird. Zudem werde der Tod eines russischen Soldaten und eines Geheimdienstagenten Folgen haben. Welche, wird aber nicht gesagt.

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