"SDF als Teil der syrischen Armee"

Bild: Tasnimnews/CC BY-SA-4.0

Verhandlungen zwischen Damaskus und Vertretern der Kurden verhindern die angekündigte Intervention der Türkei. Russische Sicherheitskräfte patrouillieren bei Manbidsch

Der Abzug aus Syrien hat begonnen, wird der Sprecher der Anti-IS-Koalition, Colonel Sean Ryan, in Medienberichten zitiert. Angaben über Zeit, Orte und Truppenbewegungen würden aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gemacht.

Es werde nur Material abgezogen, was das Personal angeht, so könne es zwischenzeitlich auch zu Verstärkungen kommen, ist auch zu erfahren. Der "Abzug der USA aus Syrien" bleibt ein kompliziertes Manöver, das mit unterschiedlichen Interessen allein schon innerhalb der US-Administration verbunden ist.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Sohr), deren Mitteilungen mit großer Vorsicht zu behandeln sind, wenn es um politische Einschätzungen von Geschehnissen in Syrien geht, das andererseits dank eines Netzwerk von Informanten auch interessante Meldungen beisteuern kann, berichtet von auffälligen Militärkonvois mit amerikanischem Material, die in Syrien zwischen unterschiedlichen Standorten der USA unterwegs sind - und Richtung Irak.

Der Leser erfährt dabei von 21 unterschiedlichen US-Basen in Syrien, östlich des Euphrat und im Gebiet bei Manbidsch (häufig auch: Manbij). Berichtet wird von sechs großen Basen im Gebiet von Kobani (Ayn al-Arab), Khrab Ishak und eben bei Manbidsch, darüber hinaus werden Orten in der Provinz Rakka genannt und in Deir ez-Zor. Berichtet wird von den Sohr-Beobachtern, dass kürzlich neue US-Truppen aus dem Irak nach Syrien kamen, was erklären könnte, dass es trotz des Abzugs zwischenzeitlich sogar zu mehr US-Militärs in Syrien kommen könnte.

"Wir beziehen keine Anweisungen von Bolton", wird im Zusammenhang mit dem Abzug aus der US-Militärführung zitiert. Die Lagerkämpfe nach der Ankündigung des baldigen Abzugs durch Trump haben für einige Konfusion gesorgt. Laut AP gibt es auch von der Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa Zweifel an der Ernsthaftigkeit des US-Abzugs.

Der Abzug hat, wie man dies seit der Trump Ankündigung Mitte Dezember verfolgen konnte, nicht nur innerhalb der US-Regierung, in den US-Think Tanks und Medien für viel Aufruhr gesorgt, sondern auch in der türkischen Regierung, in Moskau und in Damaskus wie vor allem auch unter den Kurden, die sich bei den SDF aufseiten der USA engagiert haben, zu Aktivitäten geführt. Die Türkei verschob ihre bereits seit Wochen angekündigte Intervention angesichts des US-Abzugs, um diesen nicht zu komplizieren, wie Hurriyet die Position der Regierung berichtet.

Nach dem missglückten Besuch von Bolton in Ankara bekräftigen der türkische Außenminister Cavusoglu wie auch Präsident Erdogan, dass sie ihre Entscheidung, in Nordsyrien zu intervenieren nicht von den USA abhängig machen und lassen verstehen, dass dies jederzeit der Fall sein könnte. Wie immer gibt es dazu Meldungen auf Twitter von Truppenbewegungen an der Grenze zu Syrien.

Allerdings gibt es seit vergangener Woche Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen, dass russische Sicherheitskräfte bei Manbidsch patrouillieren, offenbar auch mit Personal, das vom Militärrat in Manbidsch gestellt wird, der nun nicht auf Freundschaftsfuß mit der Türkei steht. Die Folge ist, dass Erdogan nicht einfach Milizen unter Führung des türkischen Militärs nach Manbidsch schicken kann, ohne dies mit Russland abzusprechen.

Eine große Rolle bei Vereinbarungen zwischen Russland und der Türkei spielen die Interessen der Regierung in Damaskus.

Dort laufen Verhandlungen mit Vertretern der kurdischen Föderation in Nordsyrien. Laut Informationen von US-Beobachtern, die im syrischen Konflikt seit langem gute Kontakte zur Opposition behaupten, haben die Kurden ein Verhandlungsangebot unterbreitet, das auf russische Vermittlung baut, sich für die syrische Armee und Mitglieder der russischen Armee an der Grenze zur Türkei einsetzt, für eine neue Verfassung, die festlegt, dass Ressourcen fair verteilt werden, dass die SDF sich der syrischen Armee anschließen wird und die "SDF-Behörden" in ein "dezentralisieriertes, aber vereinigtes Syrien" integriert werden.

Wie die Position der Regierung Baschar al-Assad auf die Verhandlungspunkte aussieht, auf welchem Stand die Verhandlungen sind, ist nicht bekannt, offensichtlich ist aber, dass diese Verhandlungen eine Militäraktion der Türkei gegen die von Kurden verwalteten Gebiete erschwert. Dazu kommt, dass die Türkei derzeit als "Astana"-Garantiemacht der Opposition mit Schwierigkeiten konfrontiert ist, welche die al-Qaida-nahen Dschihadisten der Hayat Tahrir al-Scham in Idlib machen. Man werde darauf reagieren, versprach Außenminister Cavusoglu. (Thomas Pany)