Die wahre Krise kommt erst noch

Dieses historisch einmalige Notenbankexperiment einer gigantischen Geldschwemme zum Nulltarif wird für Sparer, Anleger und Bürger verheerende Folgen haben. Seit zehn Jahren kommen Weltwirtschaft und Weltfinanzsystem nicht wirklich aus der Krise heraus. Schlimmer noch: Die nächste große Krise wird kommen. Im Vergleich mit ihr wird die "Finanzkrise" des Jahres 2008 wie ein leichtes Sommergewitter wirken. Und wir alle werden für die Folgen der gigantischen Misswirtschaft bezahlen müssen. Die Frage ist nicht, ob Sie als Anleger verlieren. Die Frage ist nur wann - und wie viel.

Die meisten Bürger haben ihre Altersvorsorge und ihr Vermögen auf gerade mal zwei Standbeine verteilt. Das eine Standbein gilt traditionell als Muster der Solidität: die selbst genutzte Immobilie, sei es als Häuschen im Grünen oder als Wohnung in der Stadt. "My home is my castle" sagen die Engländer. Der Zahn der Zeit mag an der Immobilie nagen wie an allem Menschenwerk, aber wenn man sie in Schuss hält, dann gilt ihre Wertbeständigkeit als gesichert. Der Glaube an den Grundbesitz ist bei den meisten Menschen fast so stark wie der Glaube daran, dass auch morgen die Sonne wieder aufgehen wird.

Leider übersehen viele dabei zwei gewaltige Risiken. Zum einen das Risiko, dass eine Immobilie häufig über Kredite finanziert ist - unser Schuldgeldsystem nagt also unter Umständen auch am Fundament ihrer steinernen Zuflucht. Zum anderen, das mussten viele Amerikaner und Spanier in den zurückliegenden Krisenjahren schmerzhaft lernen, ist auch die Immobilie vom Sachwert zum Geldwert mutieren kann. Anders gesagt: Sie ist zum Spekulationsobjekt geworden, dessen Buchwert ebenso ins Wanken geraten kann wie der anderer Geldanlagen auch.

Das andere Standbein der klassischen Vermögensaufteilung fußt auf Papier statt Beton: Kapitallebensversicherungen, private Rentenversicherungen, Riester- oder Rürup-Renten, vielleicht noch ein Bausparvertrag und ein paar "Bundesschätzchen". Nicht wenige sind auch in Zeiten von Zinsen nahe der Nulllinie Omas Sparbuch treu geblieben. Und nur noch die ganz Mutigen - oder die relativ Wohlhabenden - halten zusätzlich Staats- oder Unternehmensanleihen und Aktien, beides gerne auch in Fonds. Die Pechvögel unter den Anlegern haben sich in den Jahren der großen Blase zudem windige Schuldverschreibungen und allerlei verschachtelte Finanz-Kartenhäuser andrehen lassen.

An all dem haben viele prächtig verdient, nur die Besitzer solcher Papiere nicht. Denen blieben nur die Risiken, die zudem mit der Undurchschaubarkeit der Finanzprodukte exponentiell wuchsen. Ein schlechter Deal! Wir Menschen stehen und gehen nun mal nur auf zwei Beinen. Doch es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, dieses Rezept auch für Ihre Vermögensaufteilung zu verwenden. Hier heißt das Zauberwort "Diversifikation". Auf je mehr Beinen ihre finanziellen Rücklagen stehen, desto besser.

Wir wissen sehr wohl, dass auch Ihr Bankberater immer "Diversifikation" gemurmelt hat, wenn er Ihnen wieder mit seinem neuesten Tipp nähertrat. Aber er meinte damit lediglich, dass Sie seiner Meinung nach die Papiere vom letzten Jahr in andere Papiere umtauschen sollten. Natürlich nicht, ohne ihm dafür eine schöne Provision, einen Ausgabeaufschlag und ein paar kleine Gebühren zukommen zu lassen. Wir meinen etwas ganz anderes.

Salopp gesagt: Geben Sie Ihr Geld (das heißt bedrucktes Papier) nicht für bedrucktes Papier aus. Tauschen Sie die Zahlenreihe auf Ihrem Giro- oder Sparkonto nicht gegen die Zahlen eines "Depots", in dem nichts deponiert ist. Investieren Sie in Sachwerte! Sie werden staunen, was das alles bedeuten kann. Wenn Sie statt zwei sieben oder sogar zehn Standbeine haben, dann wird es immer noch wehtun, wenn eines der Beine bricht. Aber Sie stehen dann immer noch sicher. Und Sie können sich weiterhin bewegen. Und glauben Sie uns: Es werden in Zukunft einige Beine brechen und einige Finanzkrücken sich als total unbrauchbarer Schrott erweisen!

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