Sag's mit einem Lächeln - aber richtig!

Fünf Milliarden Emojis werden alleine in Facebook Messenger täglich verschickt, aber werden diese von allen gleich wahrgenommen oder sind Missverständnisse vorprogrammiert? Ein Gastbeitrag

Am 17. Juli war der Ehrentag unseres kleinen gelben Begleiters in der digitalen Welt. 2015 wurde der virale Star vom Oxford Dictionary zum Wort des Jahres gewählt, im letzten Jahr war er sogar auf der großen Kinoleinwand zu sehen. Die Rede ist natürlich von den Bildschriftzeichen - den Emojis. Immer wieder sorgen die Zeichen für medienwirksame Auftritte, etwa durch den Google-Cheeseburger-Fauxpas im letzten Jahr, bei dem der Chef von Google selbst schlichtend eingreifen musste. Als Folge gehört in Android 8.1 der korrigierte Burger mit zu den bekanntesten Änderungen.

Aber auch im ganz persönlichen Umfeld können wir Emojis nicht entkommen: Ob in Chats oder E-Mails, wir werden täglich mit Emojis konfrontiert. Sei es um Gefühle und Emotionen mit einem lächelnden Smiley, einer weinenden Katze oder einem Äffchen, das sich die Augen zuhält, wiederzugeben, oder um Nachrichten einfach abzukürzen. Selbst das vermeintlich kleine Saarland hat seine eigenen Emojis veröffentlicht.

Da es inzwischen Tausende dieser Zeichen gibt, stellt sich die Frage, wie einheitlich Emojis verstanden werden. Wer kennt nicht aus dem eigenen Alltag Diskussionen über die Bedeutung eines Emojis? Dieser Frage - wie ähnlich Emojis wahrgenommen werden - ist das Fraunhofer IESE auf der Spur.

Dazu haben die Forscher eine erste Umfrage mit mehr als hundert Teilnehmern durchgeführt. Kategorisiert wurden Emojis, welche eine Emotion vermitteln, weshalb beispielsweise Flaggen, Formen und reine Wortersetzungen aussortiert wurden. Rund 84 % der betrachteten 612 Emojis wurden von den Teilnehmern mit einer deutlichen Übereinstimmung einer eindeutigen Emotion zugeordnet. Dies zeigt, dass viele Emojis ähnlich wahrgenommen werden.

Ziel der Forschungsarbeiten am Fraunhofer IESE ist es unter anderem, Texte automatisch auf Emotionen zu untersuchen. Emojis sind das Mittel seiner Wahl, da die automatische Verarbeitung von Texten heutzutage noch nicht so weit entwickelt ist, dass Emotionen zuverlässig erkannt werden können. Emojis als klar begrenzte Menge von Zeichen lassen sich viel leichter einordnen als Wörter und Sätze, sodass eine Einstufung automatisch und mit genügender Treffsicherheit durchführbar ist. Darüber hinaus finden sich Emojis über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg in Texten wieder, wodurch sich dieser Ansatz auch leicht international anwenden lässt.

Da immer wieder neue Emojis erscheinen, hat das Fraunhofer IESE eine Folgeumfrage gestartet. Dieses Mal sprechen die Forscher ein breiteres Publikum an. Darüber hinaus betrachten sie die bisher nicht einzuordnenden Emojis näher. Auf emoji-poll.de kann jeder in einem kurzen Fragebogen daran mitwirken, Licht ins Dunkel zu bringen und die Wahrnehmung und Kategorisierung der Emojis aufzuklären. Als Dankeschön präsentieren die Forscher interessante Fakten, sodass man in der nächsten Diskussionsrunde die genaue Bedeutung der Emojis kennt. (Selina Meyer, Simon Scherr)

Anzeige