Sahel: "Der Islamische Staat in der größeren Sahara"

Fahrzeug von US-Truppen in Niger. Bild: Twitter

Der Tod von vier US-Soldaten und die wenig informierte Öffentlichkeit, wenn es um Kämpfe in der Sahelzone geht

Eigentlich sollten US-Soldaten, die in Niger stationiert sind, dort nur Truppen "ausbilden, beraten und unterstützen". Das behaupteten wiederholt und insistierend Vertreter des Verteidigungsministeriums, so die New York Times in einem Bericht zum Hintergrund des Todes von vier US-Soldaten in Niger. Selbstverständlich sagen die Pentagon-Vertreter nicht die Wahrheit.

Die ganze Wahrheit steckt auch nicht in dem New York Times-Bericht vom 17. Februar und vermutlich auch nicht in dem von gestern, vom 14. März. Beide Berichte stellen fest, dass US-Soldaten ziemlich aktiv an Kampfhandlungen in Niger teilnehmen - der gestrige mit Verweis darauf, dass dies nun endlich auch vom Militär offiziell eingeräumt würde.

Spärliche Informationen aus Kriegszone in Sahel

Bei beiden Berichten kann man davon ausgehen, dass dem Leser einiges vorenthalten wird. Die New York Times hat, was ihre Kriegsberichterstattung angeht, keinen Ruf, der sie mit einem unerbittlichen Drang nach Wahrheit auszeichnet. Schaut man zum Fall der vier im Oktober in Niger getöteten US-Soldaten zur rechten Konkurrenz, Fox News, so erfährt man im Video, dass einer der vier möglicherweise von IS-Milizen hingerichtet wurde.

Das muss nicht wahr sein; feststeht allerdings, dass über den Verbleib der Leiche des vierten Gefallenen lange Zeit nichts bekannt war. Wie generell lange Zeit über die Hintergründe des Todes der vier US-Soldaten im Niger so gut wie nichts bekannt wurde. Wie auch der Kampf von US-Soldaten - "Green Berets" - gegen IS-Kämpfer am 6.Dezember, von dem die New York Times erst gestern berichtete, vom Leiter des U.S. Africa Command, Gen. Thomas D. Waldhauser, vor kurzem noch nicht einmal bei seiner Aussage vor dem Kongress erwähnt wurde.

Dass so wenig über die Kriegszone im Sahel nach außen dringt und der Öffentlichkeit - die sich auch nicht besonders für diese Zone zu interessieren scheint - verborgen bleibt, dürfte nicht nur ein amerikanisches Phänomen sein.

Stabilisierungsmissionen

Auch Deutschland ist an einer Stabilisierungsmission in Mali, einem Nachbarland Nigers, beteiligt. Zusammen mit Frankreich unterstützt es die "Ausbildung und Fähigkeitsstärkung" der G5 Sahel. Geplant ist Hilfe beim Aufbau einer Verteidigungsakademie in Mauretanien und die Finanzierung der Ausbildung von Verbindungsoffizieren der G5 Sahel im Rahmen der EUTM Mali und:

Darüber hinaus sind Deutschland und Frankreich bereit, eine multinationale G5-Sahel-Truppe zu unterstützen, die die G5-Sahel-Partner aufstellen wollen. Konkret wollen die beiden europäischen Staaten mit ihrer Hilfe die Mobilität der G5-Streitkräfte verbessern. Das ist für die Bekämpfung des Terrorismus in der Region und die Überwachung der Grenzen sehr wichtig.

Deutsches Verteidigungsministerium

Das ist weit von dem entfernt, was den Einsatz von US-Soldaten in der Sahelzone ausmacht. Aber es gibt Parallelen. Auch die deutsche Öffentlichkeit weiß wenig von dem, was in den Staaten der Sahelzone vorgeht und wie der militärische Einsatz, nicht nur der eigenen Truppen, und die Risiken in der Region genau aussehen.

Der Anschlag Anfang März in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, auf das dortige Hauptquartier der Armee von Burkina Faso und auf französische Einrichtungen erregte kurzzeitig auch hierzulande Aufmerksamkeit. Deutschland unterstützt Frankreich bei Operationen in der afrikanischen Krisenzone ( Burkina Faso: Frankreich im Visier von Dschihadisten).

Ausgeführt wurde der Anschlag von Dschihadisten. Nach letzten Informationen wird ein Mitglied der Salafisten-Miliz Al-Mourabitoun, eng verbündet mit al-Qaida im islamischen Magreb (AQIM), als Drahtzieher verdächtigt.

Al-Qaida und IS

Die anfangs genannten US-Soldaten, die in einen Hinterhalt gerieten, hatten es aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer IS-Miliz zu tun, für die das amerikanische Fachmagazin für den Kampf gegen den Terror, das Long War Journal (mit ziemlich verlässlichen Informationen, solange es nicht um Verbindungen zwischen al-Qaida und Iran geht), den Namen "Islamischer Staat in der größeren Sahara" (Islamic State in the Greater Sahara, ISGS) beisteuert.

Als Aktionsgebiet der ISGS-Milizen nennt das Magazin Niger, die Sahel-Region von Burkina Faso und die Gao Region in Mali, wo auch die Minusma-Stabilisierungsmission der Bundeswehr ein Tätigkeitsfeld hat.

Wie das Long War Journal berichtet, hatten IS-Milizen das Video einer Helmkamera eines der eingangs genannten getöteten US-Soldaten ins Netz gestellt. Das Pentagon habe daraufhin ein Statement publiziert, das jedem, der dieses Video veröffentlicht, vorwirft, Teil der IS-Propaganda zu sein. Britische Medien hielten sich nur teilweise daran.

Man wollte allzu brutale Einsichten in die Kämpfe, die in Afrika stattfinden, vermeiden. Das ist nicht gelungen. Gut möglich, dass in diesem Jahr aus dem Einsatzgebiet in der Sahelzone noch mehr solcher Nachrichten aus dem wenig bekannten Krieg kommen. (Thomas Pany)