Saudi-Arabien: 80 Milliarden Dollar für Waffen

US-Soldaten bilden saudische Marinekämpfer an einem Maschinengewehr aus. Foto: U.S. Marine Corps, Sgt. Rome M. Lazarus /gemeinfrei

Und 32 Milliarden Dollar als Wohltat des Königs für die Zufriedenheit der Bevölkerung

In Abu Dhabi eröffnet morgen die International Defence Exhibition and Conference (IDEX), eine Schau modernster Waffen, in einer Region, die ziemlich nahe an Kriegs- und Krisengebieten ist und einem illustren Kreis kaufwilliger Kunden: Die vier größten "Defense Customers" - der Begriff Waffen wird derzeit gar nicht mehr oder nur mehr mit seinem Lacküberzug "Verteidigung" genannt - aus der Region, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Katar, haben im vergangenen Jahr insgesamt 109 Milliarden Dollar ins Militärbudget gesteckt.

Saudi-Arabien ist der regionale Primus unter den Verteidigungsausgaben: 80 Milliarden Dollar im Jahr 2014. Das ist eine Steigerung von 43 Prozent gegenüber 2012, weltweit beinahe einzigartig - wenn nicht die USA und China wären, informiert das Wall Street Journal. Ob darin die Ausgabe für den Bau einer beinahe 1000 Kilometer langen High-Tech-Mauer an der Grenze zum Irak enthalten ist, was eine echte Verteidigungsausgabe ist, ist nicht aufgeführt.

Trotz nachlassender Öleinnahmen wegen fallender Preise und fallender Nachfrage hält das Königreich auch innenpolitisch an seinem Maxime fest, dass außer exemplarisch rigorosem Umgang mit Oppositionellen Geld die beste Waffe ist, um sozialen Frieden zu gewährleisten.

Nach jüngsten Nachrichten hat der neue König zu seinem Amtsantritt Wohltaten in zuvor nicht gekanntem Ausmaß verteilt: Boni an alle Staatsangestellte, Soldaten, Pensionäre und Studenten, die Stipendien bekommen, in Höhe des Doppelten der üblichen Monatseinkünfte, dazu großzügige Spenden an Sport- und Bildungsvereine. Private Gesellschaften sollen daraufhin, so die New York Times, das ganze zusätzlich noch aufgestockt haben: " putting another few billion dollars into people’s pockets".

Der frühere Regierungsberater und jetzige Investment-Manager John Sfakianakis schätzt nach Angaben der US-Zeitung, dass sich die Antrittsgeschenke des Königs auf 32 Milliarden Dollar summieren. Die Menschenrechtsfragen seien nun noch mehr in den Hintergrund getreten, so die NYT. Die ohnehin Begünstigten - Saudi-Arabien hat ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 54.000 Dollar jährlich - würden sich nun mit der Frage beschäftigen, was sie mit dem Geld anfangen sollen. Die Souks seien überlaufen, Gold und Juwelen-Händler erleben einen Boom, heißt es andernorts.

Im Hintergrund zurrt indessen der neue Vize-Kronprinz Mohammed Bin Nayef, der mit 55 Jahren vergleichsweise jung ist und als Chef der Inneren Sicherheit einen mächtigen Posten hat, die Repressionsleinen fester: Der Kampf gegen die Terroristen und dem IS insbesondere begünstigt anscheinend auch die Rückkehr der Religionspolizei als Watchdogs.

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