Saudi-Arabien: Fahrverbot für Frauen

Man glaubt kaum, im 21. Jahrhundert zu leben, wenn man in die vom Westen unterstützte saudische Monarchie schaut

Einer der neben Israel wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten ist Saudi-Arabien. Dort hat man viel Geld und beschafft sich Hightech, lebt aber weiter im religiösen Mittelalter, eigentlich unglaublich in einer globalisierten Welt mit globalen Medien. Zu spüren bekommen dies vor allem die Frauen, die im saudischen Fundamentalislam der Männer möglichst kurz gehalten werden sollen. Mit der Unterstützung westlicher Demokratien, die der autoritären Männermonarchie bereitwillig Waffen verkaufen, sind Frauen hier praktisch Leibeigene der Männer. In der Öffentlichkeit sorgt die Religionspolizei für Männerrecht und -ordnung, ausgehen, verreisen oder arbeiten dürfen sie nur mit Genehmigung ihres Ehemannes oder eines männlichen Familienvertreters. Und ganz einmalig weltweit ist es, dass Frauen sogar prinzipiell verboten ist, eine Auto zu fahren - da könnten sie eventuell sogar einen Mann überholen oder sich selbständig machen.

Schon lange protestieren saudischen Frauen auch gegen dieses seit 1991 durch eine Fatwa bestehende Fahrverbot, ohne Erfolge erzielen zu können. Mit grotesken Argumenten verhindern die Geistlichen, die Vertreter der Männerherrschaft, die mobile Befreiung der Frauen. Kürzlich meinte erst einer mit surrealen Begründungen, dass es der Fruchtbarkeit der Frauen schaden würde, wenn sie selbst fahren.

Ursprünglich meinte der Mufti, dass die Frauen dazu das Gesicht enthüllen müsste und irgendwie die Geschlechter sich vermischen würden, was natürlich ganz anders ist, wenn ein Mann fährt. Die Welt kommt also aus den Fugen, wenn die Frauen ans Steuerrad kommen. Da ist man im 21. Jahrhundert noch nicht angekommen, kann aber solche Diskriminierungen aufrecht erhalten, weil die westlichen Staaten nicht nur geld- und ölgierig sind, sondern mit Saudi-Arabien auch den Gottesstaat Iran in Schach halten wollen - also, indem man einen Gottesstaat unterstützt, der eine Monarchie ist, keine Wahlen kennt und den Fundamentalismus fördert.

Jetzt hatten für den Samstag wieder Frauen dazu aufgerufen, sich demonstrativ hinters Lenkrad zu setzen. Die Website scheint von fürsorgenden Männern gehackt worden zu sein. So sagt der Hacker, er sei dagegen, dass Frauen in diesem heiligen Land fahren - oder soll das ein Witz sein? Angeblich sollen an die 60 Frauen, belegt durch einige Videos, dem Aufruf gefolgt sein, ansonsten herrschte Angst, schließlich wurde vom Innenministerium gedroht, jede fahrende Frau zu verhaften und anzuklagen. Sie müssten mit einer Gefängnisstrafe bis zu 5 Jahren rechnen.

Allerdings haben die Frauen in Saudi-Arabien einen Vorteil, wenn sie Gesetze missachten: Sie können sich dabei filmen, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen, schließlich sind sie ja verhüllt. Zuvor hatten bereits Frauen einen Führerschein beantragt. Um nicht ganz klein beizugeben, wurde die Kampagne nun auf Open End umgeschaltet. Frauen fahren halt, ohne direkt eine Demonstration zu machen.

Die Macht der Männer und der Geistlichen ist noch groß. Es wird Zeit, dass das anders wird - überall in den muslimischen Ländern. Saudische Medien halten sich mit der Berichterstattung zurück. Westlichen Menschenrechtsorganisationen setzen sich zwar für die Frauen ein, die ihre Rechte durchsetzen wollen, aber dies scheint weder in Deutschland noch anderswo der Staatsräson zu entsprechen. (Florian Rötzer)