Saudi-Arabien bombardiert im Jemen Gefängnis und Wohnhäuser

Im Windschatten der Kriege in Syrien und im Irak setzt die von dem Westen unterstützte saudische Koalition weiterhin ihren Luftkrieg fort, durch den zahllose Zivilisten getötet werden

Während die Medien auf den Irak und auf Syrien ausgerichtet sind und westliche Medien meist nur die Luftangriffe der Russen und Syrer auf Aleppo anprangern, fährt die mit dem Westen verbündete und von den USA unterstützte saudische Koalition mit ihren Bombardierungen im Jemen fort, die schon in die Tausende gehende Todesopfer verursacht haben. Saudi-Arabien ist gerade als Mitglied des UN-Menschenrechtsrats gewählt worden, die USA und Großbritannien, mit der Lieferung von Bomben und der Ausbildung der Piloten an dem Krieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen beteiligt, gleichfalls, während Russland wegen Aleppo nicht genügend Stimmen erhielt (UN-Menschenrechtsrat: Russland ausgeschlossen, Saudi-Arabien gewählt).

Die US-Regierung hatte sich nur halbherzig von der saudischen Bombardierung einer Trauerfeier in Sabaa distanziert und hob hervor, dass es doch zwischen den russischen Angriffen auf Zivilisten und den saudischen einen Unterschied gebe (Zweierlei Maß: Lehrstunde der US-Diplomatie im Nahen Osten, USA greifen in Jemen-Krieg ein). Am 8. Oktober hatten Bomben auf die Begräbnisgesellschaft 140 Menschen getötet und 500 verletzt. Die Koalition gab zu, dies sei irrtümlich geschehen, was bezweifelt werden kann, da an der Trauerfeier auch Offiziere der mit den Huthis verbündeten Armeeeinheiten teilnahmen.

Angeblich haben die Huthi-Rebellen am Donnerstag auf Mekka eine ballistische Rakete abgeschossen. Sie war von den Saudis abgeschossen worden und fiel 65 km von Mekka entfernt auf den Boden. Abgefeuert wurde sie nach saudischen Angaben aus der von den Huthis kontrollierten Provinz Saada. Die Huthi-Rebellen bestreiten den Abschuss nicht, sagen aber, die Burkan-1-Rakete sei nicht auf Mekka gerichtet gewesen, sondern auf den Flughafen von Dschidda, der auch mit "hundertprozentiger Genauigkeit" getroffen worden sei. Zuvor hatten sie bereits eine Rakete auf den Luftwaffenstützpunkt in Taif abgeschossen. Der Krieg findet seit einiger Zeit nicht nur im Jemen, sondern auch im südlichen Saudi-Arabien statt, das von Jemen aus beschossen wird.

Gestern bombardierten Flugzeuge der saudischen Koalition ein Gefängnis in der von den Huthis seit 2014 kontrollierten Hafenstadt Hodeidah. Angeblich wurde es mehrmals angegriffen und völlig zerstört. Mindestens 60 Menschen seien getötet und mehr als 30 verletzt worden, darunter viele der 84 Gefangenen. Welchen Sinn dieser Angriff hatte, ist unklar, da die Gefangenen schließlich eher Gegner der Huthi-Rebellen gewesen dürften.

Am gleichen Tag bombardierte die saudische Koalition noch drei Wohnhäuser in der Stadt Salo in der Nähe von Taiz. 17 Menschen seien dabei getötet worden. Irrtümlich, so Saudi-Arabien. Die von Huthi-Rebellen kontrollierten Medien sprechen von vielen weiteren Bombardierungen und getöteten Zivilisten, aber dies lässt sich oft unabhängig nicht bestätigen.

Derweil boykottiert der von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Präsident Abd Rabbuh Mansour Hadi, der mit seiner Regierung im saudischen Exil residiert, ein von den Vereinten Nationen ausgehandeltes Friedensabkommen. Danach würde nach dem Rückzug der Huthi-Rebellen aus den größeren Städten und der Übergabe schwerer Waffen an eine dritte Partei ein neuer Vizepräsident eingesetzt, an den Hadi die Macht abtreten würde. Der neue Vizepräsident soll dann einen Ministerpräsidenten ernennen, der mit der Bildung einer Regierung beauftragt wäre, in der Nord- und Südjemen gleichberechtigt vertreten sind. Das Vorhaben klingt sehr unwahrscheinlich, zudem werden Teile des Landes - von der saudischen Koalition geduldet - von al-Qaida und dem Islamischen Staat kontrolliert.

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