Saudi-Arabien kämpft beim Öl um Marktdominanz

Noch kann die Öl-Monarchie die OPEC beherrschen und hat vorerst die USA mit dem Fracking-Öl beiseitegedrängt

Es war vor allem Saudi-Arabien, das sich trotz des Drucks einiger OPEC-Länder letztes Jahr weigerte, die Ölförderung zu reduzieren, um den Preisverfall zu stoppen. Über die Entscheidung, die bis heute angehalten hat, auch wenn der Ölpreis wieder etwas vom Tief im Januar angestiegen ist, gab es unterschiedliche Deutungen.

Während die einen davon sprachen, dass womöglich die USA Saudi-Arabien zu dem Schritt gedrängt haben könnten, um Russland zu schaden, das ebenso wie Iran und Venezuela stark von Ölverkäufen abhängt (Der große Ölkrieg, glaubten andere eher, die Saudis würden die Gelegenheit nutzen, ihren Markt gerade mit Blick auf Asien zu erweitern. Und es gab Stimmen, nach denen die Saudis mit dem Überfluten der Märkte mit billigem Öl vor allem die USA, die zunehmend mit der Förderung von Fracking-Öl ihre Abhängigkeit von Exporten gemindert hatten und selbst zum Anbieter wurden, vom Markt verdrängen wollten.

Der Financial Times erklärte nun ein saudischer Regierungsangehöriger, allerdings anonym, dass Saudi-Arabien schlicht seine Marktmacht gegen Konkurrenten erhalten will, zumal man offenbar nicht kurzfristig an Peak Oil glaubt: "Saudi-Arabien will das Zeitalter des Öls verlängern. Wir wünschen, dass Öl eine große Energiequelle bleibt, und wir wolle der größte Produzent dieser Energie sein."

Die Financial Times geht davon aus, dass Saudi-Arabien mit dem billigen Öl erfolgreich Konkurrenten verdrängen konnte, die höhere Produktionskosten wie beim Fracking haben, und der größte Exporteur von Rohöl geblieben ist. Der Ausstoß ist auf 10,3 Millionen Barrel täglich angestiegen, vermutlich werde Saudi-Arabien auch beim nächsten OPEC-Treffen im Juni verhindern, dass seine Strategie beeinträchtigt wird. Der Regierungsangehörige machte die Zielrichtung auch deutlich: "Es gibt keinen Zweifel", zitiert ihn die FT, "dass der Preisverfall während der letzten Monate Investoren vom teuren Öl abgehalten, wozu Fracking-Öl in den USA, Tiefbohrungen im Meer und Schweröl gehört."

Verwiesen wird zur Bestätigung auf die neuesten Zahlen der IEA, nach denen die Zahl der Bohrungen in den USA aufgrund der niedrigen Preise um 60 Prozent eingebrochen ist. Die Fracking-Öl-Produktion sei im April eingeknickt, während der die der OPEC-Länder weiter angestiegen sei und den Rückgang in den Nicht-OPEC-Ländern kompensiert habe. Allerdings kann die Dominanz Saudi-Arabiens von anderen Rohölproduzenten wie Brasilien, aber auch durch OPEC-Staaten wie dem Irak oder Iran beeinträchtigt werden. Auch in anderen Ländern wie in Russland, aber auch in China oder Vietnam steigt die Förderung. Für die IEA hat der "Krieg um den Marktanteil" erst begonnen, wie das Wall Street Journal berichtet. Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate weiten denn auch ihre Bohrprogramme aus.

Der mögliche Wegfall der Sanktionen gegenüber Teheran hat Saudi-Arabien bereits mit beeinflusst, in den Krieg gegen die schiitischen Huthis im Jemen zu ziehen. Der Iran könnte nach dem Ende der Sanktionen nicht nur wirtschaftlich erstarken, sondern sich auch eine größere Aufrüstung finanzieren, was den Regionalkonkurrenten Saudi-Arabien, der bis zu den Zähnen hochgerüstet ist mit modernsten Waffen aus dem Westen, bedroht. Die engen Beziehungen Teherans zum Irak mit seinen riesigen Ölressourcen könnten zudem die Dominanz Saudi-Arabiens gefährden.

Wenn der Regierungsangehörige sagt, dass die Monarchie, die nun auch militärisch mit anderen arabischen Staaten zusammengerückt ist und eine gemeinsame Einsatztruppe aufstellen will, die führende Ölmacht bleiben will, dann lässt sich nach der Ölstrategie und dem Krieg gegen Jemen vermuten, dass weiter mit harten Bandagen darum gekämpft wird. Da jetzt der Ölpreis wieder gestiegen ist, dürfte die Fracking-Konkurrenz aus den USA wieder Hoffnung schöpfen. Der saudische Regierungsangehörige gestand gegenüber der FT denn auch ein, dass sich die Fracking-Produzenten an die niedrigeren Preise durch technische Innovationen anpassen können.

Möglicherweise ist Saudi-Arabien auch gar nicht übermäßig daran interessiert, dass der Islamische Staat im Irak zurückgedrängt wird. So lange dort ein Krieg herrscht, bleibt die Ölproduktion gebremst. Es wird also hoch gepokert. Und welchen Einsatz verfolgen die USA? Schon der Sturz des Hussein-Regimes war von der Absicht geleitet, die Ölressourcen des Irak zu erschließen und damit Saudi-Arabien zu schwächen, um nach der Dominotheorie einen Umsturz der autoritären Regime in Gang zu setzen. Der hat zwar stattgefunden, aber abgesehen von Tunesien für die Stärkung der Islamisten und für mehr Instabilität gesorgt. In Europa üben die USA Druck auf mehr Energieunabhängigkeit von Russland aus, um das eigene Öl und Gas mehr ins Spiel zu bringen.

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