Saudi-Arabien stoppt Pilgerreisen nach Mekka

Mekka. Bild: saudipics/CC BY-SA 4.0

Und Iran startet eine Gegenoffensive zum "politischen Coronavirus"

Saudi-Arabiens Behörden haben vorübergehend einen Stopp für Pilgerreisen nach Mekka und Medina verfügt. Das ist die spektakulärste einer Reihe von Maßnahmen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Zum Paket gehört auch der einstweilige Stopp von Touristenvisa aus Ländern, in denen Covid-19-Infektionen bekannt sind, wie zum Beispiel auch Italien.

In Saudi-Arabien selbst soll es laut Gesundheitsministerium bislang keine bekannten Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus geben. Infizierte mit saudi-arabischer Staatsangehörigkeit werden aus anderen Ländern gemeldet, davon sieben in Bahrain und Kuwait. Angesteckt sollen sie sich in Iran haben. Der vom Haus Saud finanzierte Sender al-Arabiya nennt darüber hinaus Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und den Irak als Länder, wo Infizierte gemeldet wurden, die sich in Iran angesteckt haben sollen.

Wie berichtet, gilt Iran derzeit eine besondere Aufmerksamkeit, da der Coronavirus dort die meisten Todesfälle außerhalb Chinas verursacht hat und infizierte Reisende das Virus in andere Länder der Region gebracht haben. Den Behörden in Iran wird vorgeworfen, dass sie in der Angelegenheit zu viel verschwiegen haben (siehe etwa die SZ: Verharmlost, verleugnet, vertuscht).

Das politische Virus

"Political Coronavirus" war kürzlich bei einem Iranspezialisten zu lesen. Das Schlagwort trifft die Besonderheit gut, mit der die iranische Führung über die Bekämpfung der Ausbreitung des Covid-19-Virus hinaus zu tun hat. "Wir sollten nicht zulassen, dass die USA dem Coronavirus ein neues Virus hinzufügt", drückt es der iranische Präsident Rouhani aus.

Wobei die politische Instrumentalisierung des Virus ambivalent ist. So erklärt zum Beispiel der oberste geistliche Führer Khamenei, dass den iranischen Wählern mittels westlicher Propaganda Angst davor eingeflößt wurde, ihre Wohnungen zu verlassen, um wählen zu gehen. Dennoch behauptet der Ayatollah im Gegensatz zu vielen Berichten, dass die Wahlbeteiligung hoch war ...

Als ob Maßnahmen, die der Wächterrat im Vorfeld der Wahl erlassen hat, um den Ausgang zu ganz im Sinne der Führung zu beeinflussen, als ob die Informationspolitik der Führung beim Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine und die repressive Antwort auf die Proteste keine Rolle bei der Wahlbeteiligung gespielt haben. Wer mag das glauben? Zumal der geistliche Führer, wenn es um die USA geht oder um Israel, auch gerne tief in der Fabelkiste gräbt.

Anderseits wird vom belgischen Journalisten Elijah J. Magnier, der bemüht ist, die iranische Seite im Konflikt mit USA/Israel/Saudi-Arabien sowie den "westlichen Medien" stärker zu Wort kommen zu lassen, angemerkt, dass es politischen Druck auf den Libanon und Irak gebe, im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf Maßnahmen zu setzen, etwa Grenzschließungen im Fall von Irak, die die US-Politik des "maximalen Drucks" unterstützen.

Normalisierung

In Iran beklagt man, dass die Versorgung mit Medikamenten durch US-Sanktionen deutlich erschwert ist. Deutlich wird derzeit in iranischen Medien, dass sich die Führung dazu entschlossen hat, nun mit positiven Meldungen zu kontern. Bei aktuell 26 Todesfällen und 245 Infizierten wird versucht, so gut es geht zu beruhigen, und nach innen wie außen das Signal zu schicken, dass Iran über genügend Kompetenz verfüge, um die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bringen.

Präsident Rouhani geht davon aus, dass die Situation bereits am kommenden Samstag wieder normal sein werde. Auch er beklagt, dass die "Feinde" die Furcht vor dem Coronavirus als Plot verwendet haben, um der Islamischen Republik zu schaden. Weiter ausgeführt wird dieser Grundzug der Öffentlichkeitsarbeit im Zuge der Ausbreitung Corona-Virus bei Press TV.

Das stärkste Signal für eine Normalisierung kommt von den Zahlen der Gesundeten: So sollen sich bisher 54 Corona-Patienten von ihrer Infektion erholt haben.

Der Normalisierung gegenüber steht, dass sich das Virus im Land weiter ausgebreitet hat (genauere Informationen zu den Infizierten, zu ihrem Alter und ihrem vorhergehenden Gesundheitszustand, gibt es noch nicht). Auch bleiben die Universitäten und vermutlich auch Schulen noch für eine weitere Woche geschlossen.

Das der Teheraner Führung nicht gerade feindlich gesinnte, aber gerade, was die ideologische Medienarbeit in Iran betrifft, kritische Magazin Iran Frontpage bestätigt eine Tendenz zum Besseren und zitiert einen medizinischen Experten, der mit Hinweis auf den Verlauf der Infektionen in China davon ausgeht, dass die Fallzahl in Iran bald zurückgehen wird. Wiedergegeben wird auch ein WHO-Vertreter, der sich in Teheran zu einem Meeting traf und die "Corona-Gegenmaßnahmen" offenbar als "exemplarisch" wertete. (Thomas Pany)