Saudi-Arabien verleiht erstmals einem Roboter die Staatsbürgerschaft

Sophia, ein humanoider Roboter weiblicher Bauart wurde als Gag die Staatsbürgerschaft verliehen. Screenshot aus dem YouTube-Video der Future Investment Initiative

Die radikalislamische Monarchie will sich mit dem "ehrgeizigsten Projekt der Welt" in eine technische Zukunft für eine "neue Lebensweise" beamen, aber die Vision besteht nur aus Technik und Geld

Mit der im Rahmen von "Vision 2010" erfolgten Konzeption einer Megacity namens Neom setzt Saudi Arabien die Anstrengungen in der Region fort, sich mit neuen Städten, Flughäfen und anderen großarchitektonischen Projekten noch schnell an die Spitze der Zukunftstechnologien zu setzen, bevor die Einnahmen aus den endlichen Ölressourcen spärlicher fließen und damit auch die Machtbasis der Monarchie bröckelt. Ähnlich macht dies China, wo man auch autoritär gigantische Projekte entwickeln und umsetzen kann, auch wenn dann mitunter Geisterstädte entstehen, wie das auch im Nachbarland Ägypten der Fall war (Ägyptens neue Städte in der Wüste).

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In Saudi-Arabien muss es in guter Tradition des Morgenlandes vor allem das "ehrgeizigste Projekt der Welt" werden, das größte, schönste, modernste … "ein ganz neues Land", heißt es, "für eine neue Lebensweise", die ausgerechnet aus einem zwar superreichen, aber kulturell rückständigsten, von einem demokratischen Rechtsstaat weit entfernten Gesellschaft kommen soll. Für eine saudische Zeitung führt der Kronprinz "Träume in die Wirklichkeit" über. Man wird da durchaus an Tausend-und-eine-Nacht erinnert.

Moderne, Hightech oder Zukunft reicht für einen Ölmonarchen nicht, der mit seinem Reichtum auch aufmerksamkeitsökonomisch im Ranking ganz vorne stehen muss, dabei geht es vor allem um ein Projekt, sich und die saudischen Monarchie am Leben zu erhalten. Die technische Revolution soll also die Bühne für eine neobarocke Spektakelarchitektur und Stadtgründung schaffen, um als Herrscher an der Macht zu bleiben und sich in seinen Werken zu spiegeln, wie das undemokratische Herrscher schon immer gemacht haben. Entsprechend ist alles, von der Landschaft angefangen über das Konzept und die darin steckende Intelligenz - die vom Kronprinzen? - bis hin zur Imagination historisch und größenmäßig unüberboten.

Neom soll nach dem Willen des Kronprinzen Mohammed bin Salman auf einer Fläche von mehr als 26.000 Quadratkilometer, zehnmal größer als das Saarland, gebaut werden und den Modernisierungswillen der saudischen Monarchie demonstrieren. Man sollte meinen, in so einer ausgedehnten Stadt, in der nichts gewachsen, sondern alles gesetzt und geplant ist, müssten Zig-Millionen Menschen leben - und zwar, wenn es nicht öde werden soll, möglichst schnell möglichst viele. In ganz Saudi-Arabien leben 32 Millionen Menschen, darunter mehr als 11 Millionen Ausländer. Die wird man nicht in größeren Mengen umsetzen wollen. Will der saudische Kronprinz sein Volk mehren und massenhaft Ausländer anlocken - oder will er den Saudis, die das fundamentalistische Land gerne verlassen würden, eine neue Möglichkeit bieten, um so das ganze Land durch drohende Ausdünnung der Bevölkerung zu reformieren?

Deswegen wird es nicht nur wirtschaftlich eine Sonderzone, sondern auch politisch von der radikalislamischen Gesellschaft getrennt (Eine eigene Rechtsordnung). Es soll ein Platz für "Träumer", selbstredend mit viel Geld, sein. Letztlich wurde wie in einem Baukasten alles an neuen und sich entwickelnden Techniken zusammengewürfelt, es fehlt aber über die Errichtung eines Investitionsparadieses, in dem durch Technik viel umgesetzt werden soll, jede Art der Vorstellung, welche sozialen Strukturen die künstliche Stadt der autoritären Scheichs umsetzen soll, bei denen schon die Durchsetzung des Fahrrechts für Frauen zur Revolution gerät.

Abgesehen davon, dass die Ölmonarchie die Stadt, sollte sie wie geplant entstehen, völlig mit erneuerbaren Energien betreiben will, ist vielleicht der gewagteste Gedanke, dass sie von vorneherein ausgerichtet auf autonome Fahrzeuge, Drohnen (auch für Passagiere) und Roboter gebaut werden soll. Es soll mehr Roboter als Menschen geben, kündigte der Kronprinz an. Sie sollen die unangenehmen Arbeiten den Menschen abnehmen.

Was dann mit denen geschieht, die als Dienstleister in den Golfstaaten zu Millionen mit niedrigem Verdienst arbeiten und mitunter angeblich auch als eine Art Sklave gehalten werden, passiert, lässt die schöne neue saubere Stadtwelt offen, die wohl auch dazu dienen soll, die Unterschicht fernzuhalten. Interessant wäre auch gewesen, wenn die Stadt selbst mit neuen Techniken, also mit Baurobotern und 3D-Druckern gebaut würde aus Materialien vor Ort gebaut würde, davon hört man aber nichts.

Sophie im Gespräch mit einem Menschen. Screenshot aus dem YouTube-Video der Future Investment Initiative

Als Werbegag erhielt ein humanoider Roboter, der als Frau auftritt und angeblich Audrey Hepburn ähneln soll, in Saudi-Arabien auf der Konferenz Future Investment Initiative die Staatsbürgerschaft. Was das auch immer bedeuten soll, so ist nun die saudische Monarchie, in der Menschen geköpft und gekreuzigt werden, der erste Staat, der einem Roboter bzw. einer Roboterfrau damit im Prinzip Bürgerrechte einräumt. Die Ehre hatte Sophia, gebaut von der Firma Hanson Robotics in Hongkong. Sie trat auf der Konferenz gestern in Riad auf und äußerte ihre Freude, die Staatsbürgerschaft erhalten zu haben. Sophia ist gewissermaßen welterfahren. Sie gab bereits Interview, moderierte Podiumsdiskussionen oder trat als Sängerin auf.

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Gleichzeitig suchte sie bzw. ihr Programmierer die Angst vor Robotern und KI zu zerstreuen, als sie auf Bedenken ihres Gesprächspartners Andrew Ross Sorkin antwortet, er habe wohl zu viel Elon Musk gelesen. Die Vorteile von Roboter würden die Nachteile aufwiegen. Mit ihnen hätten die alten Menschen mehr Gesellschaft und autistische Kinder unendlich geduldige Lehrer, was eher darauf hinweist, was jetzt schon fehlt an Zuwendung, die nun durch Roboter ersetzt werden soll. Interessant wäre gewesen, ob die Sophia als Staatsbürgerin Saudi-Arabiens noch im Besitz eines Menschen oder eines Unternehmens sein kann oder welche Rechte bzw. Pflichten sie besitzt. Würde sie zur Revolte aufrufen oder Allah bzw. Mohammed lästern, würde dann sie "bestraft" werden oder ihre Erbauer oder ihre Besitzer?

Die Future Investment Initiative versammelte Investoren und Hightech-Unternehmer, die gerne kommen, wo Geld und Profite locken. (Florian Rötzer)

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