Saudis schließen Bonner Wahabitenschule

Luftaufnahme der König-Fahd-Akademie in Bad Godesberg. Foto: Wolkenkratzer. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Auch am geplanten neuen Standort Berlin soll angeblich nicht weitergebaut werden - CDU bedauert, FDP freut sich

Wenn es neben der Neuköllner Rütli-Schule eine Skandalschule in Deutschland gibt, dann ist es die König-Fahd-Akademie, die von Saudi-Arabien auf einem in Erbpacht von der Stadt Bonn überlassenen Gelände in Bad Godesberg errichtet und 1995 eröffnet wurde. Acht Jahre später versuchte der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters, die Schule zu schließen, nachdem herauskam, dass Prediger in der angeschlossenen Moschee zum Dschihad gegen die "Ungläubigen" aufriefen.

Nachdem die Saudis beim damals vom Grünen Joseph Fischer geführten Außenministerium in Berlin intervenierten, musste Roters das Vorhaben jedoch aufgeben, obwohl der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz mit nachrichtendienstlichen Mitteln zur Erkenntnis kam, dass das Umfeld der Schule "Anziehungspunkt für Extremisten war". Wahrscheinlich ist das einer der Gründe dafür, dass das früher beschauliche Rheinstädtchen heute als eines der Zentren des deutschen Salafismus gilt.

Nachdem er an Fischer und den Saudis gescheitert war, versuchte Roters die von der Schule ausgehende Gefahr durch Einflussnahme auf den Unterricht zu mildern. Als er zu diesem Zweck die verwendeten Lehrbücher übersetzen ließ, stellte sich heraus, dass der Dschihad dort nicht nur von der Kanzel, sondern auch in Lesebüchern gepredigt wurde, in denen man die angebliche "Hinterhältigkeit der Juden" hervorgehob und die "Mudschaheddin" pries "denen es vergönnt ist, auf dem Weg Gottes zu sterben". Sechstklässlern vorgesetzte Propagandasätze zum "Geschmack des Todes […] in einer großartigen Sache" ließen die Frage aufkommen, ob der junge Bert Brecht wohl seinen Kopf behalten hätte, wenn er im Wahabitenkönigreich zur Schule gegangen wäre.

Außerdem stellte man fest, dass die Schule, die sich nicht an deutsche Lehrpläne hielt und eigentlich nur Schüler aufnehmen sollte, deren Eltern bald wieder in ihre Heimat zurückkehren, zu etwa zwei Drittel von Kindern besucht wurde, deren Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit hatten. Nachdem man diesen die Ausnahmegenehmigungen entzog, verringerte sich die Zahl der Unterrichteten von fast 600 auf aktuell etwa 150.

Wenn diese das Schuljahr 2016/2017, das in Nordrhein-Westfalen gerade begonnen hat, vollendet haben, soll die Schule einer am Freitag überbrachten Mitteilung der saudischen Botschaft an die Stadt Bonn geschlossen werden. Simone Stein-Lücke, die der CDU angehörige Bezirksbürgermeisterin bedauerte die Ankündigung der Schließung, da die Akademie ihrer Ansicht nach "die Schullandschaft bereichert". Joachim Stamp, der für die FDP im Düsseldorfer Landtag sitzt, freute sich dagegen über "die Chance für eine innovative Nachnutzung, die nichts mit Wahabismus zu tun haben darf."

In der Begründung für die Schließung der Schule verweist der saudische Botschafter nicht auf Probleme mit Extremisten, sondern auf das angeblich gute deutsche Bildungssystem, das eine eigene Schule unnötig mache. Deshalb soll angeblich auch die angefangene König-Fahd-Akademie in Berlin nicht weitergebaut werden.

Das 9.200 Quadratmeter große Grundstück in der Nähe des Berliner Olympiastadions, auf dem der Rohbau dafür steht, wurde vor sechs Jahren vom Berliner Liegenschaftsfonds Berlin für 313 Euro pro Quadratmeter an das Ölkönigreich verkauft, obwohl der Bodenrichtwert damals deutlich höher lag. Dass das Berliner Landesparlament dem zustimmte, erklärte der Grünen-Abgeordnete Jochen Esser damit, dass Saudi Arabien "schließlich ein wichtiger Verbündeter" gewesen sei - "und Berlin eine Hauptstadt, die solche Einrichtungen zu gewährleisten habe".

Die aufgrund der Bonner Erfahrungen in den Kaufvertrag eingefügte Bedingung, dass nur ein Schule und mindestens 20 Jahre lang keine Moschee errichtet werden darf, wurde bis zum Juli nicht ins Grundbuch eingetragen. "Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH BIM und die zuständige Senatsbauverwaltung", so Sascha Adamak und Jo Goll in einem Beitrag für den RBB, "wollen sich wegen einer Geheimhaltungsvereinbarung mit Saudi Arabien [...] nicht zu dem Vorgang äußern."

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