Schäuble über Islam, Titten und Holocaust

Auch der deutsche Innenminister macht sich Gedanken über die Einbürgerungsanforderungen für Ausländer

Wir stehen vor den anstehenden Wahlen vor wichtigen Entscheidungen, denen wir uns, so das CDU-Präsidium, nicht entziehen dürfen, die angestrengte Debatte über Einbürgerungstests findet man nicht nur „ausdrücklich” gut, CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, forderte auch die SPD auf, „diesem Thema nicht auszuweichen”, zu dem jeder gute Deutsche etwas beizusteuern hat. Das machte kürzlich auch der deutsche Innenminister. Er stellte einen denkwürdigen Zusammenhang zwischen Islam, Titten und Holocaust in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12. März her. Im Interview betonte Schäuble die Notwendigkeit von Einbürgerungstests, wie sie von seinen Parteikollegen ausgebrütet werden.

Für Schäuble sollen die Tests nach holländischem Vorbild radikal vereinfacht werden. Das Ertragen von entblößten Brüsten in der Öffentlichkeit könnte so eine Minimalanforderung für die Integration von Muslimen in unsere christliche Leitkultur darstellen:

Denn es ist auch für Muslime gut zu wissen: Wenn du in Holland an den Strand gehst, kann es dir passieren - ob das nun Hoffnung oder Befürchtung ist -, dass du spärlich bekleidete Frauen siehst. Wenn man das nicht will, sollte man nicht in dieses Land gehen.

Für den muslimischen Regimekritiker, der in der Hoffnung oder gar trotz der Befürchtung allgegenwärtiger blanker Busen aus dem Iran flüchtet, um fürderhin sein Wasserpfeifchen am Strand von Den Helder zu schmauchen, mag das alles noch angehen. Wer allerdings in Stuttgart Möhringen dazugehören möchte, so richtig mit Kehrwoche und Personalausweis, der ist laut Schäuble stärker gefordert. Zum Deutschsein gehört halt mehr als das Anstarren eingeölter Brüste, nämlich ein Bekenntnis zur deutschen Vergangenheit. Denn so Schäuble:

Wer Deutscher werden will, muss die deutsche Vergangenheit als seine nationale Vergangenheit mit übernehmen.

Was meint Schäuble damit? Die Schmach von Cordoba, das Foul von Schumacher an Battiston? Oder meint er gar…?

Verantwortung übernehmen

Das geht nicht, dass die Zugewanderten sagen: Was vor 1945 war, interessiert uns nicht. Auch die, die nach 1945 geboren sind, haben als nationale Identität die Verantwortung für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das gilt auch für die, die sich integrieren wollen.

Das ist nur fair. Was der arbeitslose Neonazi in Sachsen-Anhalt qua Geburtsrecht im Schlaf bzw. im Suff automatisch mit erledigt, den verantwortlichen Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das muss sich der türkische Gemüsehändler, der seit 30 Jahren mit seinen Steuern die Heizkosten im sächsischen Landtag (9,2% NPD) mitbezahlt, erst mühsam antrainieren. Sonst nix deutsch. Und wenn der Zuwanderer ein russischer Jude ist, dann übernimmt er nach Schäubles Logik Verantwortung für den Holocaust und für den Angriffskrieg gegen Russland.

Auch für muslimische Frauen wird in Schäubles Verständnis am deutschen Wesen die Welt genesen:

Ich bin [beim Ehegattennachzug] für die Heraufsetzung auf 21 Jahre, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine erwachsene Frau, zumal wenn Sie ein bisschen Deutsch kann, sich den Zwang nicht bieten lassen wird.

Grundkenntnisse der deutschen Sprache schützen vor Zwangsheiraten. Das leuchtet ein. Wem grunddeutsche Sätze wie “Alter, fick dich ins Knie” oder “Bringst du heute den Müll raus, Schatz” über die Lippen gehen, der ist im Kampf der Kulturen und der Geschlechter ganz weit vorne.

Triumph des Wollens

Was diese unsere schöne deutsche Sprache zu leisten vermag, das illustriert Schäubles am Gebrauch des schönen Wortes “wollen”.

In: “Wer in Europa lebt, muss ertragen wollen, dass es Pressefreiheit gibt”, ist es synonym mit “können”. In: “Das gilt auch für, die die sich integrieren wollen”, meint es “sollen”. Und in: “Wir machen Angebote zu helfen, aber es braucht die Grundentscheidung der Zugewanderten, dass sie es wollen”, meint alles in allem “müssen.” Wie wollen bzw. können wir solche Feinheiten je in einem Sprachkurs in Anatolien vermitteln?

Daher folgt hier - basierend auf Schäubles Überlegungen - ein Vorschlag für eine radikale Vereinfachung des Einbürgerungstests: Integrationswollende Migranten lassen sich am Strand von Norderney von 21-jährigen barbusigen Ehegattennachzieherinnen einen ganzen Nachmittag lang aus dem Tagebuch der Anne Frank vorlesen. Gegen Abend folgt ein ordentliches Schweinebauch-Grillen mit Bier bis zum Abwinken. Wer am nächsten Morgen beim Auswaschen der Mülltonnen noch “Deuschland widd Welltmeischer” verständlich hervorbringen kann, der ist schon so gut wie drin. (Erich Klepptenberger)