Schaut die Steine an: Wir waren auf dem Mond!

Die Nasa versucht, gegen den Vorwurf der Verschwörungstheoretiker anzugehen, dass die Mondlandungen nur ein Fake gewesen seien

Verschwörungstheorien sind immer interessant. Waren es früher die Götter und ihre Machenschaften, sind es in der säkularisierten Zeit die Diktatoren, die Geheimbünde oder bösen Schurken, die die Weltherrschaft anstreben. Zumal in den USA sind auch gerne die Regierung und die Geheimdienste beteiligt, die ja auch wirklich schon allerhand angestellt haben, zumal in den Zeiten des Kalten Krieges. Und in dieser Zeit fand auch im Wettlauf der Systeme zwischen den Sowjets und den Amerikanern 1969 die Mondlandung statt. Fast seit dieser Zeit überlegen manche, ob sie wirklich stattgefunden hat.

Erst kürzlich gab es auch in Telepolis einen Artikel, der die häufig, natürlich auch auf vielen Webseiten geäußerten Verdachtsmomente zusammen getragen hat. »2001«: Eine Odyssee im Weltraum? wurde im Januar 113.587 mal aufgerufen, was für diesen Monat eindeutig den Erfolg darstellte. Appleton fragte: "Wenn man bedenkt, wie störanfällig die Technologie der späten 60er und frühen 70er Jahre war, stellt sich die Frage, ob das technische Niveau jener Zeit tatsächlich ausreichte, um drei Menschen sicher auf den Mond und zurück zu bringen. Die Rechner, die für die Apollo-Mission benutzt wurden, hatten kaum die Speicherkapazität eines modernen Mikrowellenherdes, dafür aber die Ausmaße einer Tiefkühltruhe. Sie hätten nie in ein Raumschiff hineingepasst. Trotzdem gelang es der NASA, Zehntausende von qualitativ hochwertigen Fotos zu produzieren. Frage: Wie? Wurden die Mond-Photos im Studio gestellt - also gefälscht?"

Ein Artikel in Telepolis hätte bei der Nasa sicherlich keine Warnglocken ausgelöst, aber am 15. Februar brachte auch der US-Fernsedender Fox eine Dokumentation, die zwar schon einmal mit "Verschwörungstheorie" getitelt war, aber dennoch einmal wieder alle stets aufgeführten Verdachtsmomente vorführte, die es nahe legen sollen, dass die Mondlandung nur ein Fake war - in Zeiten überdies, in denen die digitale Manipulation von Bildern noch schwerlich möglich war. Gemacht worden seien die Aufnahmen in der Wüste von Nevada, im geheimnisumwitterten Area 51 (Satellitenbilder vom geheimen Testgelände Area 51). Sicherheitshalber konnte man zu Beginn der Sendung lesen: "The following program deals with a controversial subject. The theories expressed are not the only possible explanation. Viewers are invited to make a judgement based on all available information." Da steht man also immer auf der richtigen Seite, der der Aufklärung.

Das kann die Nasa natürlich nicht auf sich sitzen lassen und hat eine Gegenaufklärung zur Verschwörungstheorie gestartet. "Glücklicherweise", so kann man dort lesen, "dachten die Sowjets nicht zuerst an diesen Gag. Sie hätten ihre eigenen vorgetäuschten Mondladungen filmen und damit die freie Welt wirklich beeindrucken können."

Ein Hinweis auf Fälschung ist für die Verschwörungstheoretiker, dass auf manchen Fotos keine Sterne auf dem dunklen Himmel zu sehen seien. Das sei ein Indiz, dass die Nasa-Fälscher schlicht vergessen haben, die Sterne in das Bild einzubauen. Blödsinn sagt der Nasa-Autor, es sei nur sehr schwierig, auf einem Foto etwas sehr Helles und etwas sehr Dunkles gleichzeitig abzubilden. Wenn die Astronauten mit ihren Raumanzügen in der Sonne aufgenommen werden, dann leuchten sie so hell auf, dass mit einer auf die Astronauten ausgerichteten Belichtung die Sterne zu schwach werden, um noch aufgenommen zu werden.

Verdächtig sei auch, dass die Flagge, die die Astronauten in den Mond stecken, flattert, da es doch eigentlich auf dem Mond keinen Wind geben dürfte. Die Nasa meint, dass die Astronauten nur die Flagge hin und her geschwungen hätten, um sie besser in den Boden zu rammen. Für weitere Erklärungen verweist uns die Nasa auf Websites wie Bad Astronomy.com oder The Moon Hoax, die unabhängig von der amerikanischen Weltraumbehörde die Verschwörungstheorien widerlegen. Bilder können verfälscht werden, daher muss etwas Wirklicheres her, um die Ent-Täuschung plausibel zu machen, dachte sich die Nasa.

Bei der Nasa ist man hingegen der Überzeugung, dass die beste Widerlegung nicht Detail für Detail geschieht, sondern an den gesunden Menschenverstand, den Common Sense, appellieren sollte: "Beweise, dass das Apollo-Programm wirklich stattgefunden hat, sind zwingend: Ein Dutzend Astronauten, beladen mit Kameras, spazierten zwischen 1969 und 1973 auf dem Mond herum. Neun von diesen leben noch immer und können ihre Erfahrung bezeugen. Und sie verließen den Mond auch nicht mit leeren Händen. Genauso wie Columbus ein paar Hundert Eingeborene nach Spanien als Beweis für seine Reise zur Neuen Welt mitbrachte, brachten die Apollo-Astronauten 382 Kilogramm Mondgestein auf die Erde."

Das muss noch niemanden überzeugen. Die Astronauten sind natürlich Teil der Verschwörung, die Mondsteine halt auch eine Fälschung. Und Fälschungen lassen sich immer perfekter inszenieren, desto besser die Technik wird (der Vergleich mit den verschleppten Eingeborenen zeugt auch nicht gerade von Feingefühl). Was bietet also die Nasa als überzeugendes Argument für die Echtheit der Steine auf, deren Zusammensetzung ja von den Verschwörungsliebhabern nicht analysiert werden kann. Sie sind "einzigartig", sagt etwa David McKay von der Nasa. Anders als Gestein von der Erde enthält das vom Mond praktisch kein Wasser in der Kristallstruktur, viele Mineralien, die auf der Erde vorkommen, fehlen, es ist Glas zu finden, das durch vulkanische Aktivität oder durch den Einschlag von Meteoriten entstanden ist. "Das Vorhandensein von Wasser auf der Erde", so erklärt Marc Norman, ein Mondgeologe, zugunsten der Nasa, "lässt solches vulkanisches Glas schnell in ein paar Millionen Jahren zerfallen. Diese Steine müssen vom Mond stammen."

Auch da werden noch immer nicht alle überzeugt sein, daher erklärt McKay für diejenigen, die die Steine nur sehen und berühren können, dass die Mondsteine der Apollo-Missionen von winzigen Kratern überzogen seien, die von Meteoriten herrühren, was nur dort geschehen könne, wo es keine oder fast keine Atmosphäre gebe. Während die Erdatmosphäre die Meteoriten verglühen lässt, können die winzigen Geschosse direkt auf die Steine des Mondes auftreffen und auf ihnen solche Kleinstkrater verursachen.

Aber nicht nur Meteoriten, sondern auch die Strahlung, die ungehindert auf den Mond auftrifft, hinterlasse ihre Spuren: "Es gibt Isotope in Mondsteinen, die wir normalerweise nicht auf der Erde finden und die durch atomare Reaktionen auf die Hochenergie-Strahlung zustande kommen. Selbst wenn man versuchen würde, solche Steine herzustellen, würde dies auch nicht mit den stärksten Teilchenbeschleunigern gelingen: "Es wäre einfacher, gleich auf den Mond zu fliegen und einen Stein zu holen." Und dann kommt wohl eine Argumentation, die als Falle für den Common Sense gedacht ist: "Flog die Nasa zum Mond, um Steine für eine vorgetäuschte Mondlandung zu holen? Es wäre doch für eine Verschwörungstheorie ein interessanter neuer Dreh, den die Fernsehproduzenten für die nächste Folge des Moon Hoax in Erwägung ziehen könnten."

Zudem gebe es noch zig Bücher und Abhandlungen über die Mondsteine, die von Wissenschaftlern in "Tausenden von Laboratorien" untersucht worden seien. Keiner habe die Echtheit der Steine in Frage gestellt - "und das sind auch nicht alles Nasa-Angestellte".

Der Verdacht ist nur, dass Verschwörungstheoretiker gemeinhin immun gegenüber Erklärungen sind, die etwa mit dem Common Sense argumentieren. Die Eigenschaft von paranoiden Systemen ist, dass sie für alle Einwände Gegenargumente haben, und dass der Versuch, Fehler in den Gedankengängen der Verschwörungstheoretiker nachzuweisen, erst recht zu einer Verfestigung führt. "Traue niemandem!"ist schließlich die Parole der Verschwörungsanhänger. Andererseits wäre das auch ein Fall, an dem ganz philosophisch die Frage, die von Platon über Descartes bis zu Goodman oder wegen auch mir auch Baudrillard in immer neuen Versionen formuliert und beantwortet wurde, eröretert werden könnte: Anhand welcher Kriterien können wir feststellen, dass keine Halluzination, kein Fake, keine Simulation ist?

Aber ganz sicher ist es besser, wenn die Energien in den Nachweis etwa der Fälschung der Mondlandung oder der Vertuschung von Ufos gesteckt werden, als in die leider noch immer unausrottbaren Ideen einer irgendwie meist mit Juden in Verbindung gebrachten Verschwörung ...

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