"Schicke lieber eine SMS, als mit dem Handy zu telefonieren"

US-Präsident Donald Trump telefoniert in der Air Force One. Bild: Weißes Haus

Kalifornische Gesundheitsbehörde gibt erstmals ausführliche Empfehlungen zur Reduzierung der von Smartphone und Tablets ausgehenden elektromagnetischen Strahlung

Die kalifornische Gesundheitsbehörde hat erstmals Warnhinweise zur Verwendung von Mobiltelefonen veröffentlicht. Die haben es in sich und gehen weit über die Empfehlungen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hinaus, kommen allerdings ohne ausdrücklichen Hinweis auf konkrete wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Nutzung von Handys habe sich in den letzten Jahren "dramatisch" verstärkt, 95 Prozent würden eines besitzen. Die Mehrheit der jungen Menschen würden den Großteils des Tages und während des Schlafens die Handys bei sich haben.

Zwar sei die mit der Handy-Benutzung verbundene Aussetzung an elektromagnetischen Feldern nicht so für die Zellen oder die DNA riskant wie anderen Arten, beispielsweise Röntgenstrahlen oder ultraviolette Strahlung von der Sonne, aber wissenschaftliche Studien würden darauf hindeuten, dass es "erhöhte gesundheitliche Risiken" gibt. Gemessen wird die Belastung des Körpers anhand der spezifischen Absorptionsrate, die die aufgenommene Leistung pro Körpermasse in Watt pro Kilogramm [W/kg] angibt. In Deutschland gilt ein Grenzwert von 2 W/kg, ein SAR-Wert von 0,6 Watt wird als strahlungsarm bezeichnet.

Tatsächlich ist wissenschaftlich weiter offen, ob Langzeitwirkungen von hochfrequenter Strahlung ausgehen, insbesondere was die Wärmeausstrahlung betrifft. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) hat 2001 hochfrequente elektromagnetische Felder als möglicherweise krebsverursachend eingestuft, die WHO erklärt, dass gesundheitliche Folgen bei einer Nutzung länger als 15 Jahre weiter erforscht werden müssen.

Weiter heißt es, auch ohne Verweis auf einzelne Studien, Laborversuche und Gesundheitsstudien würden die "Möglichkeit" nahelegen, dass langfristige und hohe Nutzung von Handys mit der Entstehung von Krebs (Gehirnkrebs und Tumore der akustischen Nerven), der zahlenmäßigen und qualitativen Verschlechterung der Spermien und von Kopfschmerzen sowie Folgen für Lernen, Erinnerung, Hören, Verhalten und Schlaf zu tun haben können. Wissenschaftler seien aber uneins, ob es überhaupt gesundheitliche Risiken gibt oder wie groß sie sind. Der Sinn des veröffentlichten Ratgebers sei es, trotz der Ungewissheit für diejenigen Anleitungen zu geben, die ihre Aussetzung an elektromagnetische Strahlung vermindern wollen.

Dr. Karen Smith von der kalifornischen Gesundheitsbehörde sagte dazu, man habe erkennt, "dass viele Menschen in der Öffentlichkeit Sorgen in Zusammenhang mit ihren Handys und darüber haben, ob deren Nutzung sicher ist". Es gebe einfache Mittel, um die Strahlung für Erwachsene und Kinder zu reduzieren. So solle man das Handy nicht in den Hosentaschen mit sich führen oder es beim Schlafen "mindestens eine Armlänge" entfernt vom Bett hinlegen.

Smith verweist insbesondere darauf, dass sich die Gehirne der Kinder auch noch im Teenager-Alter weiter entwickeln und von der Handynutzung beeinträchtigt werden könnten: "Eltern sollten überlegen, die Zeit der Handynutzung ihrer Kinder zu reduzieren und sie zu bestärken, die Geräte in der Nacht auszuschalten." Gefragt, ob sie nun sage, dass Mobiltelefone gefährlich seien, sagte sie: "Überhaupt nicht. Unsere Position ist, dass die Wissenschaft noch untersucht."

Nach den Ratschlägen - hier die des Bundesamts für Strahlenschutz - solle man Smartphones nicht am Körper tragen, sondern am besten einen Meter von sich. Das könne einen großen Unterschied machen. Beim Sprechen, solle man das Mobiltelefon nicht an den Kopf halten, sondern einen Headset benutzen, der eine schwächere Strahlung verursacht. Den sollte man aber auch entfernen, wenn man nicht telefoniert. Überhaupt sei es besser, SMS zu schreiben als zu telefonieren.

Wenn man größere Dateien empfängt oder versendet, wäre es besser, das Gerät vom Kopf und Körper entfernt zu halten. Überdies sei es besser, das Handy eben nicht am Körper, sondern in einem Rucksack oder einer Tasche mit sich zu führen, weil es auch schwache elektromagnetische Felder bei der Anmeldung am Netz ausstrahlt, wenn man es nicht nutzt. Stärkere Strahlung gebe es, wenn die Verbindung schlecht ist oder man sich in einem schnell fahrenden Auto, Bus oder Zug befindet. Wenn man Videos ansehen oder Musik hören will, sei es besser, die Dateien erst herunterzuladen und dann auf Flugmodus umzuschalten. Und man soll keine Produkte verwenden, die angeblich vor Strahlung schützen. Sie könnten den gegenteiligen Effekt haben, weil dann womöglich die Geräte mehr Energie aufwenden, um verbunden zu bleiben. (Florian Rötzer)

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