Schießerei in München: Waren es Rechtsradikale?

Heute vor 5 Jahren hatte Breivik sein Massaker verübt, aber die Polizei hat noch keine Hinweise auf die flüchtigen Täter und ihre Motive

Die Polizei in München bittet die Menschen nach der Schießerei im Olympa-Einkaufszentrum, bei der es Verletzte und Tote gegeben hat, keine Fotos und Videos über Polizeieinsätze mehr ins Internet zu stellen. Damit würde man den Tätern helfen. Kurz vor Mitternacht ging die Polizei noch weiter: "Wichtig: Bitte keine Bilder und Videos von #Schießerei #München veröffentlichen. Stellt sie uns zur Verfügung unter …https://medienupload-portal01.polizei.bayern.de/".

In München herrscht eine Art Ausnahmezustand (Schießereien, Verletzte und auch Tote in München). Die Menschen sollen Zuhause bleiben und nicht auf die Straße zu gehen: "Dem, der bei einer Veranstaltung in einem Gebäude ist, raten wir, lieber dort zu verweilen, bis wir entwarnen können", schrieb die Polizei noch um kurz vor 23 Uhr. Der Bahnhof wurde evakuiert, öffentliche Versammlungen geschlossen, auch das Tollwood-Festival wurde geräumt. Hubschrauber kreisen über die Stadt, in der es einen Masseneinsatz mit Straßensperren gibt. Das OEZ ist angeblich noch nicht vollständig durchsucht. Die Polizei geht weiterhin von bis zu drei Männern aus, die mit "Langwaffen" unterwegs sind. Zunächst sprach man von einer Amoklage, dann wurde wohl wegen mehrerer Täter auf eine "akute Terrorbedrohung" umgeschaltet.

Es soll mindestens 8 Tote geben, möglicherweise auch neun, darunter vielleicht auch einer der Täter. Dieser wurde beim Olympiazentrum tot gefunden, er könnte der Schießende auf dem Video vor dem MacDonald's-Restaurant sein. Er soll ebenfalls einen roten Rucksack haben. Die Polizei geht vorsichtig vor, da sie davon ausgeht, dass im Rucksack auch Sprengstoff sein könnte. Vermutlich wird ein Roboter eingesetzt.

Die Polizei mahnt: "Bitte haltet Euch mit Spekulationen&Diskussionen!!! hier momentan zurück. Damit würdet Ihr uns sehr unterstützen. "

Noch gibt es keine Hinweise auf die Täter und deren Hintergrund. Da schießen Spekulationen auf. Naheliegend ist es, einen islamistischen Terroranschlag hinter dem Anschlag auf beliebige Menschen in einem Einkaufszentrum zu vermuten. Behörden und Regierung halten sich auffallend zurück. Die Polizei zögerte auch lange, das Wort Terroranschlag zu verwenden.

Dagegen wissen rechte Kreise, dass es sich um einen Krieg handeln soll. Der in eine nationalistisch-völkische Ideologie konvertierte Jürgen Elsässer nutzt die "Gunst" des Massakers, um in seiner Zeitschrift Compact zu erklären: "Der organisierte Islam hat uns den Krieg erklärt - und er findet genug Kämpfer, darunter auch solche, die gestern noch als gut integriert galten (wie der Schlächter von Würzburg!), die sich diesem Kriegsruf anschließen." Gefordert wird, auch wenn Täter und Hintergründe keineswegs klar sind, nun auf Wehrhaftigkeit umzuschalten, die Grenzen zu schließen, keine Muslime mehr ins Land zu lassen, die Asylunterkünfte abzusperren, die Moscheen zu schließen und die Bundeswehr einzusetzen.

Kollege Ulfkotte mischt auch mit: "+++ Zu München: Was wurde ich 2003 beschimpft und angefeindet, als ich das Buch "Der Krieg in unseren Städten" veröffentlichte und genau diese Entwicklung in zehn Jahren voraussagte... und nun ist es Tag für Tag Realität...+++++ Das ist allerdings erst der Anfang, das Vorspiel sozusagen... die üben jetzt erst mal..." Er war auch schnell bei der Hand: " Info aus Sicherheitskreisen zu München: Einer der Schützen (der vor dem McDonalds) soll als "Schutzsuchender" (sprich Asylant) identifiziert worden sein..++ das ist eine Info aus Sicherheitskreisen (Polizei)". Ganz in die Nesseln wollte sich der Experte für die Lügenpresse jedoch nicht und löschte die Behauptung schnell wieder: "+++ Ich habe einen Post gelöscht, in dem ich eine Info eines Polizisten veröffentlicht habe, wonach einer der Attentäter ein Orientale gewesen sein soll +++ Ich habe inzwischen Zweifel an dieser Darstellung eines Polizisten bekommen +++ Kann sein, kann aber auch nicht sein...bin lieber vorsichtig..." Das ist eher ein Ausnahmefall ...

Viele weisen jedoch darauf hin, dass exakt vor fünf Jahren Anders Breivik sein Massaker in Norwegen verübt hat. Aus seiner völkisch-apokalyptischen Ideologie heraus nahm er sich das Recht, gegen die norwegischen Vertreter einer multikulturellen Politik vorzugehen und sie abzuschlachten, keine Muslime allerdings, die angeblich das Abendland bedrohen (Manifest für einen erbarmungslosen "Kreuzzug" gegen den Multikulturalismus). Man muss auch daran erinnern, dass etwa das Oktoberfestattentat 1980 ebenfalls von Rechtsradikalen verübt wurde und beliebige Besucher traf. Die Geisteslage zwischen Rechtsradikalen und Islamisten ist nicht unähnlich. Rechtsradikale haben, wie der NSU gezeigt hat, Exekutionen durchgeführt und Flüchtlingsunterkünfte angezündet. Menschenleben zählt hier wenig.

Verstörend jedenfalls ist das Video, auf das wir schon verwiesen haben. Hier wird eine Person auf dem Dach eines Parkhauses von einem Menschen mit bayerischem Akzent, der nicht zu sehen ist, als Kanake, Wichser und Arschloch beschimpft. Der sagt, er habe nichts getan und sei ein Deutscher, sei hier geboren worden, hat offenbar keine Angst und wehrt sich verbal, als islamistischer Attentäter erscheint er jedoch nicht. Dann hört man Schüsse.

Wer schießt, lässt sich nicht sagen, gut möglich, dass die Schüsse von oben von dem Beschimpfenden kommt. Das würde dann, wie auch mittlerweile in Medien diskutiert wird, doch auf einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Hintergrund hindeuten. Seltsam ist allerdings, dass der Mensch auf dem Dach auch bei den Schüssen keine Angst zu haben scheint, dann aber das Video abbricht. Der Aufnehmende, der von seinem Balkon filmte, könnte eine dritte Person gewesen sein. Nach den Schüssen geht der Filmende in Deckung und man hört Rufeauf dem Balkon, die nicht deutsch klingen. (Florian Rötzer)

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