Schlaf wird schick

Hirnwellenanalyse und eine "Schlafkapsel"

Knappe 9.000 Kilometer davon entfernt, in Paris, will der Softwareentwickler Hugo Mercier diesen Sommer Dreem auf den Markt bringen: Ein aktuell von 500 Freiwilligen getestetes Stirnband, das mittels Hirnwellenanalyse den Schlaf verbessern soll, und für dessen Entwicklung er nach eigenen Angaben etwa zehn Millionen Euro eingesammelt hat. Noch etwas bizarrer wirkt die Idee des Australiers Ben Olsen, dessen am Finger getragenes Thim auf paradoxe Weise gegen Schlafstörungen helfen soll, indem es den Träger in regelmäßigen Abständen weckt. Olsen bietet darüber hinaus eine Re-Timer-Nachtbrille an, die verspricht, gestörte innere Uhren mit grün-blauen Lampen, die auf die Augen strahlen, zurückzusetzen. Angeblich hat er bereits 30.000 davon verkauft.

David Rose, der Autor von Enchanted Objects - Design, Human Desire and the Internet of Things forscht derweilen am MIT Media Lab an einem neuen Möbelstück: einer "Schlafkapsel", für die er sich von Hängematten, Insektenkokons und Windeln inspirieren lässt. Außerdem experimentiert er mit Gutenachtgeschichten und Klängen, die den Schlaf fördern sollen. Experimentelle Gutenachtgeschichten mit Ambient-Klängen finden sich auch auf dem Album Dreaming With Jeff, mit dem der Schauspieler Jeff Bridges unlängst einen Überraschungserfolg landete. Der Sohn von Lloyd Bridges will jetzt einen "Sleep Club" ins Leben rufen, der eine Anlaufstelle für alles werden soll, was mit Schlaf zu tun hat.

Für Manager, die verhindern wollen, dass sie oder andere Angestellten ihrer Firma zu wenig Schlaf bekommen, gibt es mittlerweile neben Angeboten wie dem Online-Schlaftrainer Sleepio auch "Schlaferziehungskurse", wie sie Nancy H. Rothstein, die "Schlafbotschafterin" des Karrierenetzwerks LinkedIn und Direktorin der Circadian Corporate Sleep Programs veranstaltet. Unter ihren Kunden befinden sich der NYT zufolge mehrere Fortune-500-Firmen. Einen Schritt weiter geht der Gesundheitsdienstleister Aetna, der seinen Angestellten einen Bonus von bis zu 500 Dollar verspricht, wenn sie nachweisen, dass sie an 20 Tagen am Stück mindestens sieben Stunden pro Nacht geschlafen haben. (Peter Mühlbauer)