Schlechte Nachrichten für Trump: Hydroxychloroquin taugt nicht viel

Eine klinische Studie von Oriol Mitjà, der auf das Präparat gehofft hatte, weist auf keine positiven Wirkungen von Hydroxychloroquin hin und bestätigt eine Studie der University of Minnesota

Noch hat der katalanische Forscher Oriol Mitjà die Ergebnisse seiner klinischen Studie nicht umfassend veröffentlicht, doch auf einer Tagung hat er schon vorweggegriffen und klargestellt, dass man keine Hoffnungen in das Hydroxychloroquin zu setzen braucht, das sich US-Präsident Donald Trump selbst verabreicht. Hydroxychloroquin ist darüber hinaus nicht ungefährlich, da es üble Nebenwirkungen entfalten kann mit unerwünschten fatalen Folgen - manchmal sogar tödlichen.

An der genannten Studie mit dem Anti-Malaria- und Arthritis-Mittel nahmen nach Angaben des Forschers 350 mit Covid-19 infizierte Personen und weitere 2.300 Personen aus Risikogruppen teil. Es handelte sich bei letztgenannten um Personen, die in Kontakt mit Infizierten gestanden haben. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe wurde Hydroxychloroquin verabreicht, während die Kontrollgruppe nur ein Placebo erhielt.

Zwischen beiden Gruppen ließ sich kein signifikanter Unterschied feststellen. Aus der mit Hydroxychloroquin behandelten Gruppe wurde bei 5,7% später eine Ansteckung festgestellt, in der Kontrollgruppe waren es 6,2%.

Damit wurde eine - allerdings kleinere - klinische Studie der University of Minnesota bestätigt, deren Ergebnisse kürzlich veröffentlicht worden waren. Die zeigte ebenfalls, dass Hydroxychloroquin die Kontaktpersonen von Infizierten nicht vor einer Ansteckung schützt. In diesem Fall hatten sich 12% der mit Hydroxychloroquin Behandelten angesteckt und 14% derer, die nur ein Vitamin-Placebo erhalten hatten. Die Ergebnisse dieser Studie waren im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden.

Es laufen zwar noch etliche weitere Studien, aber die Hoffnungen in das Präparat, über das weiter mit großer Vehemenz in Frankreich gestritten wird, schwinden. Mitjà, der große Hoffnungen in das Mittel gesetzt hatte, empfiehlt nun sogar, die Behandlungen auch mit Blick auf die Ergebnisse in Minnesota, über die im New England Journal in Medicine berichtet wurde, einzustellen, weil er und seine Forscher darin "keinen Nutzen" sehen.

Mitjà blickt dabei vor allem nach Afrika und Lateinamerika, wo angesichts schlechter Gesundheitssysteme massiv auf Präparate wie Hydroxychloroquin gesetzt werde. Es sei wichtig, die Ergebnisse der Studien zu veröffentlichen, "damit Hydroxychloroquin nicht unnötig angewendet wird, das, je nach Fall, sogar schädlich" sein könne, erklärte Mitjà auf Nachfrage.

Verwirrung gab es zuletzt noch um eine weitere Studie, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht worden war. Hier wurde Hydroxychloroquin allerdings in Kombination mit einem Antibiotikum eingesetzt. Auch in dieser Studie wurden keine Belege für positive Effekte bei der Behandlung gefunden, allerdings wurden schwere Nebenwirkungen und ein höheres Sterberisiko festgestellt.

Inzwischen hat sich The Lancet aber von dieser Veröffentlichung wieder distanziert, da schwerwiegende Zweifel an der Methodik und der Datenlage geäußert wurden. Die Autoren der Studie wurden aufgefordert, offene Fragen schnellstmöglich zu klären und Zugang auf die Rohdaten zu gewähren. (Ralf Streck)