Schlösser öffnen ohne Schlüssel

Wie es geht, zeigt YouTube

Das Internet ist eine prallgefüllte bunte Wundertüte. Egal, was man auch sucht, man findet es im Netz. Wer also demnächst beispielsweise Amoklaufen möchte, bestellt dazu online die geeigneten Waffen. Wer sich irgendwie krank fühlt, findet über Google dazu garantiert eine passende tödliche Krankheit. Wer Probleme mit seiner Standhaftigkeit hat, besorgt sich halt online eine Packung Viagra. Wer nicht weiß, wie man sich am besten umbringt, der holt sich Tipps in den Selbstmordforen. Und wer Lust auf Sex verspürt, der besucht Partnerbörsen oder eines der virtuellen Puffs. Kurzum: eigentlich ist die Welt des Internet in allerbester Ordnung.

Aus dem YouTube-Video „picking a lock”

Doch jetzt droht mal wieder Ärger - von außen natürlich. Findige Mitarbeiter des britischen Fragezeichenfetischistenfachblattes Which? Magazin haben bei Recherchen etwas gefunden, was angeblich unser aller Sicherheit bedroht. Bei YouTube.com entdeckten sie Videos, die zeigen, mit welchen simplen Mitteln man die verschiedensten Schlösser öffnen kann. Also im Grunde Lehrfilme für angehende Einbrecher, die noch nicht das Glück hatten, ihr Handwerk in staatlichen Anstalten (sprich: Gefängnissen) von der Pieke auf zu erlernen. Diesen armen Gesellen hilft nun YouTube weiter, wenn sie in die Suchmaske den Begriff „lock-picking“ eingeben. Als Ergebnis werden knapp 290 Videos angezeigt von natürlich ganz unterschiedlicher Qualität. Das populärste ist übrigens dieses, es schaffte es nämlich kürzlich in die Sendung „Good Morning America“ als Beispiel für die dunklen Seiten von YouTube („The Darkside of Youtube“).

Obwohl diese Videos besonders jungen Leuten aus der verarmten Unterschicht helfen können bei der Beschaffung des lebensnotwendigen Kleingelds, werden sie dennoch heftig kritisiert. Natürlich auch von einem britischen Schlosser, Jeff Turner von der Master Locksmiths Association, der diese Demonstrationsfilmchen für gefährlich hält, weil sie von Einbrechern genutzt werden könnten oder vielleicht sogar schon genutzt werden.

Gelassen reagiert dagegen auf diese Vorwürfe Google-Mitbegründer Sergey Brin. ThisisLondon sagte er, dass er sich schon als Student für Schlösseröffnen ohne Schlüssel (sprich: lockpicking) interessiert habe. Und es ihm schon einmal gelungen sei, seine verschlossene Bürotür ohne Schlüssel zu öffnen.

Vielleicht sollte Sergey Brin mit seinem Wissen und Können mal an der Deutschen Meisterschaft im Schlossöffnen teilnehmen. In Deutschland, behauptet nämlich Wikipedia, habe sich Lockpicking „in den letzten Jahren zu einer Art Sport entwickelt, der zu der Vereinsgründung der Sportsfreunde der Sperrtechnik - Deutschland e. V. führte“ und gerne auch mal auf CCC-Veranstaltungen vorgeführt wird (Die Zukunft des Wissens und die verkäufliche Sicherheit).

Resümee: Die kritisierten Lockpicking-Videos sind also eben nicht nur Lehrfilme, sondern sie zeigen vor allem die hohe Kunst des Schlösseröffnens. Sie fallen damit zumindest bei uns unter den Kunstvorbehalt des Grundgesetzes. Und somit ist die Welt des Internet jetzt wieder in allerbester Ordnung. (Ernst Corinth)

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