Schmackhafter Schwindel

In Großbritannien und Irland wurde Pferdefleisch in Hamburgern gefunden

In der letzten Woche wurde bekannt, dass die irische Lebensmittelaufsicht FSAI in Hamburgern und anderen Rindfleischprodukten wie Lasagne und Meat Pies, die in Irland in den Ketten Dunnes, Lidl und Aldi angeboten wurden, bis zu 29 Prozent Pferde- und Schweinefleisch fand. Die Herkunft der mittlerweile aus den Regalen geholten Waren wurde über den Lebensmittelkonzern ABP zu den irischen Fleischverarbeitungsfabriken Liffey Meats und Silvercrest Foods sowie zur Dalepak-Hambleton-Fabrik im englischen Yorkshire zurückverfolgt. Weil auch britische Tesco-Supermärkte die Produkte verkauften, schlug die Entdeckung auch dort hohe Medienwellen.

APB stoppte nach dem Bekanntwerden der Testergebnisse vorerst die Produktion in Silvercrest und rief etwa 10 Millionen bereits an Supermärkte ausgelieferte Hamburger zurück, die nun nicht etwa umettiketiert, sondern vernichtet werden sollen. Tesco nahm sogar alle Produkte des Zulieferers vorläufig aus dem Angebot und entschuldigte sich in großen Zeitungsanzeigen bei den Kunden. Aldi entfernte die Produkte ebenfalls aus den Regalen und kündigte Untersuchungen an.

Eine Erklärung für den Schweinefleischanteil wäre, dass er aus Maschinen stammt, in denen verschiedene Fleischsorten verarbeitet werden. Für den Pferdefleischanteil wird nach einer anderen Erklärung gesucht. Derzeit hat man unter anderem Lieferanten aus Kontinentaleuropa in Verdacht. Allerdings gab es in Irland nach der Finanzkrise auch viele Reitpferde, die ihren Besitzern zu teuer wurden und die man einfach freiließ.

Sowohl der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney als auch der britische Ernährungsminister David Heath versicherten der Bevölkerung, dass von dem Pferdefleisch keinerlei Gesundheitsgefahr drohe. FSAI-Sprecher Alan Reilly zufolge liegt das Problem lediglich darin, dass man im angelsächsischen Raum kein Pferdefleisch im Hamburger erwartet und dass das Schweinefleisch für streng religiöse Juden und Moslems "auch in Spuren nicht akzeptabel" sein könnte.

Pferdefleisch wird – wie Höhlenmalereien und archäologische Befunde zeigen – bereits seit vorgeschichtlicher Zeit gerne von Menschen gegessen. Es ist nicht nur cholesterinarm, sondern auch sehr schmackhaft: Niederbayerische Roßwürste sind ebenso eine ausgesprochene Delikatesse wie japanisches Pferde-Sashimi und der rheinische Sauerbraten schmeckt dann am besten, wenn er nicht mit Rind-, sondern mit Pferdefleisch zubereitet wird.

Pferdemetzgerei am Münchner Viktualienmarkt. Foto: Usien. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit war der Konsum von Pferdefleisch in Europa geächtet. Grund dafür war ein von Papst Gregor III. 732 ausgesprochenes Verbot. Die Römer scheinen bereits vorher kein Pferdefleisch gegessen zu haben, Kelten und Germanen dagegen sehr wohl. Nach der Aufklärung lockerte sich das Tabu in romanisch-katholischen Ländern paradoxerweise schneller als in angelsächsischen, wo es sich wieder verstärkte, seit Pferde nicht mehr als Nutz-, sondern als Kuschel- und Sporttiere gehalten und entsprechend emotional befrachtet werden. Besonders ausgeprägt ist dieses Tabu heute in den USA, wo es in einigen Bundesstaaten – darunter auch Kalifornien – sogar in ein gesetzliches Verbot gegossen wurde.

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