Schmelzende Gletscher in der Arktis und in den Anden

Immer mehr Palmöl im Tank

Laut Klimaschutzplan der Bundesregierung sollen die Klimaziele im Verkehrssektor durch Einsatz von Biokraftstoffen und durch Elektrifizierung erreicht werden. Der Einsatz von Biokraftstoffen, insbesondere Biodiesel aus Palmöl, wird von Umweltverbänden immer wieder hinterfragt.

So stellt eine vom NABU in Auftrag gegebenen Studie fest, dass in Europa immer mehr Palmöl in den Tanks von Fahrzeugen landet. "Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, ist das der falsche Weg, denn Biodiesel verursacht dreimal mehr CO2-Emissionen als fossiler Diesel", so der NABU. Die zusätzlichen Emissionen errechnen sich beispielsweise aus der Vernichtung von Primärwäldern für Ölpalmenplantagen, auch wenn diese eigentlich durch die Verwendung zertifizierten Palmöls verhindert werden soll.

Doch die große Gesamtnachfrage, außer für Biokraftstoffe auch in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, führt dazu, dass sich die Anbaufläche ausweitet. 46 Prozent des in die EU importierten Palmöls würden als Biodiesel verwandt, das sind 3,35 Millionen Tonnen, für die eine Anbaufläche von rund einer Million Hektar gebraucht würde. Insgesamt ist der Palmölkonsum in der EU von 2014 zu 2015 um 1,6 Prozent gestiegen, der Einsatz beim Biodiesel um 2,6 Prozent.

Auslöser des steigenden Verbrauchs von Palmöl dürfte der im Vergleich zu anderen Pflanzenölen niedrige Preis sein. Die Beimischungsquote differenziert nicht nach einer Treibhausgasbilanz der einzelnen Biokraftstoffe. Und diese sei weitaus schlechter als die von fossilem Diesel - insbesondere bei Palmöl, aber auch bei Biokraftstoffen aus Soja, Raps und Sonnenblumen. Sinnvoll wäre es, diese Pflanzenöle bis 2025 aus dem Verkehrssektor zu verbannen.

Nach Angaben des NABU sieht ein geleakter Entwurf zur Novellierung der Richtlinie für Erneuerbare Energien der EU aber nur eine geringfügige Reduktion der Biokraftstoffe im Verkehrssektor von 4,9 Prozent auf 3,8 Prozent im Jahr 2030 vor.

Über weitere geleakte Pläne der EU zum Thema Energiepolitik berichtet die ARD. Demnach plane die EU-Kommission mit ihrem "Winterenergiepaket", den Einspeisevorrang für erneuerbare Energien schrittweise abzuschaffen und Entschädigungen für Stromerzeugungskapazitäten zu erlauben, die wohl in erster Linie an die Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerken gingen. Das Winterenergiepaket wird voraussichtlich heute veröffentlicht. (Jutta Blume)

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