Schnellere Zulassung und niedrigere Preise

Grafik: TP

Trump hat der Pharmaindustrie einen Deal vorgeschlagen

US-Präsident Donald Trump hat sich mit den CEOs von Merck, Amgen, Eli Lilly, Novartis, Johnson & Johnson und anderen Pharmakonzernen getroffen und gefordert, dass sie die seinen Worten nach "astronomischen" Preise für Arzneimittel in den USA senken. Dafür bietet er ihnen an, die Zulassungsverfahren für Medikamente, die bis zu 15 Jahre dauern können, zu vereinfachen und zu verkürzen.

Obwohl Trump zu Übertreibungen neigt, ist sein für die Pharmapreise in den USA gewähltes Adjektiv "astronomisch" durchaus angemessen: Besonders großes Aufsehen erregte vor zwei Jahren der albanischstämmige Hedgefonds-Manager Martin Shkreli, als er mit seiner Firma Turing Pharmaceuticals das bereits 1953 auf den Markt gebrachte Toxoplasmosemedikament Daraprim kaufte - und den Dosispreis dafür auf einen Schlag von 13,50 auf 750 Dollar erhöhte. Nachdem herauskam, dass die Produktionskosten für eine Dosis bei gerade einmal einem US-Dollar liegen, verwies er auf Ausgaben für Marketing und Vertrieb - und darauf, dass andere Hersteller bis zu einer halben Million Dollar für ihre Medikamente verlangen. Daran gemessen sei der Preis sogar noch zu niedrig.

Theoretisch hätte ein Generikahersteller den Daraprim-Wirkstoff Pyrimethamin billiger anbieten können als Shkreli, weil das zwanzig Jahre lang gültige Patent für dieses Medikament längst abgelaufen ist. Praktisch müssen Generika jedoch auch dann von staatlichen Gesundheitsbehörden zugelassen werden, wenn die Originale schon Jahrzehnte auf dem Markt sind. Und auch solche Zulassungen können viel kosten und nicht nur Monate, sondern Jahre dauern: Dabei wird nämlich nicht nur die Wirkstoffgleichheit geprüft - es müssen überdies Bioäquivalenzstudien vorgelegt werden, die zeigen, dass der Wirkstoff auch im Blut von Patienten der gleiche bleibt (vgl. Über 5.000 Prozent Preissteigerung).

Die extrem hohen Preise für Medikamente in den USA trugen maßgeblich dazu bei, dass die Kosten für die Obamacare-Krankenversicherung (ebenso wie die für andere Krankenversicherungen) in der Vergangenheit stark stiegen - im letzten Jahr um bis zu 25 Prozent. Das brachte zahlreiche Amerikaner mit anderen finanziellen Verpflichtungen dazu, trotz einer Versicherungspflicht auf die Krankenversicherung zu verzichten, die sie sich (subjektiv oder objektiv gesehen) nicht mehr leisten konnten (vgl. USA: Krankenversicherungsbeiträge steigen um bis zu 25 Prozent).

Bereits ganz zu Anfang seines Amtsantritts erließ Trump ein Dekret, das ein Aussetzen der Obamacare-Krankenversicherungsvorschriften erlaubt, wenn Privatpersonen, Unternehmen oder Gebietskörperschaften dadurch ein finanzieller Schaden oder ein sonstiges Beschwernis entstehen könnte. "Abgeschafft", wie manche Medien schrieben, ist Obamacare damit aber noch nicht.

Derzeit verhandeln republikanische Kongresspolitiker Informationen von Fox News nach hinter verschlossenen Türen, wie man Barack Obamas Krankenversicherungssystem durch ein "Trumpcare"-System ersetzt. Der libertäre Republikaner Rand Paul hat dafür sogar schon einen Gesetzentwurf vorgelegt, welcher jedoch im Wesentlichen nur bessere steuerliche Absetzmöglichketen für private Krankenversicherungsprämien vorsieht und deshalb keine großen Chancen auf eine Annahme im Kongress hat.

Trump meinte, das ihm Teile von Obamacare - wie beispielsweise das Verbot der Ablehnung von Versicherungswilligen wegen Vorerkrankungen - recht gut gefielen, weshalb er sie gerne als Bestandteile des Pakets sähe, das die Krankenversicherungsgesetze seines Vorgängers ersetzen soll.

Außerdem kündigte Trump nach seinem Treffen mit Pharma-CEOs an, die "Trittbrettfahrerei" anderer Länder, die Preisgrenzen für in den USA entwickelte Medikamente setzen, handelspolitisch einzuschränken. Das dürfte weniger Deutschland betreffen - wo die Medikamentenpreise ebenfalls extrem hoch sind - als Länder wie Indien und Kolumbien, die sich in den vergangenen Jahren mit Pharmakonzernen anlegten (vgl. Bayer muss Zwangslizenzierung hinnehmen).

Die kolumbianische Regierung verfügte beispielsweise im Dezember, dass Novartis den Abgabepreis für sein Krebsmedikament Glivec um 44 Prozent von umgerechnet 49 auf 27,6 US-Dollar pro Tablette [sic] senken muss. Vorher hatten die kolumbianischen Behörden dem Pharmakonzern Verhandlungen angeboten, die dieser ablehnte. Indische Generikahersteller bieten das Medikament 97 Prozent günstiger als Novartis an.

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