Scholz, Laschet, Baerbock

Drei Kandidaten, drei Angebote ans politisierte Gemüt

Im Bundestagswahlkampf 2021 gehe es viel zu wenig "um Inhalte" und zu sehr um vermeintliche oder tatsächliche Ausrutscher der Spitzenkandidaten - so seufzen es die Politprofis aus Parteien und Öffentlichkeit. Und manche Journalisten befürchten sogar, dass ein "nur aufs Persönliche konzentrierter Wahlkampf" dem Wähler zu wenig Gründe an die Hand gebe, weshalb er am Sonntag zur Wahl gehen sollte.

Dabei ist es gar nicht zu übersehen: An jeder Laterne, in den Social-Media-Kanälen und in TV-Triellen geben die Anwärter aufs Kanzleramt unermüdlich zu Protokoll, wie sie die Lage der Nation und die Lebensverhältnisse ihrer Einwohner beurteilen und weshalb es sie braucht, um für Abhilfe zu sorgen.

Einen "Inhalt" kann daran nur vermissen, wer die erteilten Auskünfte, was alle Wählerinnen und Nichtwähler in den nächsten vier Jahren von den Kandidaten zu erwarten haben, einfach für selbstverständlich nimmt.

Ich will im ersten Jahr als Kanzler den Mindestlohn auf zwölf Euro anheben, eine Gehaltserhöhung für 10 Millionen Menschen. Ein Schritt, der das System durchbricht: Damit Bürger:innen besser zurechtkommen und im Alltag nicht auf Grundsicherung angewiesen sind.

Scholz auf Twitter

Der SPD-Mann spricht den Sozialfall im Wahlbürger an und lädt ihn dazu ein, an sich und seine Probleme beim Einteilen des knappen Geldes zu denken. Arme Leute, die man auf so etwas ansprechen kann, gibt es nicht zu knapp im System namens BRD, darauf kann jeder Wahlkämpfer sich routiniert verlassen.

Ihnen macht er das Angebot, an ihrer Lage genau das problematisch zu finden, was der Kanzler in spe an ihr korrigieren will: Das Zurechtkommen soll wieder besser funktionieren. Und er stellt klar, worin die Verbesserung besteht, die er anzubieten hat: Darin, dass das Zurechtkommen ohne die Grundsicherung funktionieren soll, die der Sozialstaat den ärmsten unter den Staatsbürgern millionenfach spendieren muss.

Dass der Staat sich diese Leute als seine Kostgänger vom Hals schafft, sollen die sich als ihre Befreiung aus der Not einleuchten lassen, als Bittsteller des Staates auftreten zu müssen; bzw. als den Segen, sich ihren Lebensunterhalt wieder selbst verdienen zu können.

Für diese Selbstständigkeit wird ihnen die soziale Wohltat einer gesetzlich verbindlichen Anhebung der Untergrenze des Arbeitslohns versprochen, für dessen Brauchbarkeit als Lebensmittel abhängig Beschäftigte offenbar weder allein noch im Kollektiv sorgen können. Ob und wie viel sie dann mehr in der Tasche haben, werden sie schon sehen, eines ist damit auf jeden Fall für jeden Einzelnen von ihnen wiederhergestellt:

Respekt für dich.

Scholz auf seinem Wahlplakat

Für das griffige Vorbuchstabieren der geistigen Verrenkung, die eigene soziale Lage in einen Mangel an Betreuung und Anerkennung zu überführen, auf den der Respekt, den die Sozialdemokraten den hart arbeitenden Menschen versprechen, als Therapie passt, soll man Scholz ins Amt hieven.

Und bei allem, was der sich als künftiger Kanzler der Bundesrepublik dann als seine Agenda vornehmen mag oder auch nicht, Scholz wird dabei stets an den harten Alltag der Bürger:innen denken und vor ihnen allen, ob arm oder reich, den Hut ziehen - nicht mehr und nicht weniger ist mit seiner Wahl zum Bundeskanzler für den Bürger ausgemachte Sache.

Nach der Pandemie muss Deutschland durchstarten. Das geht nur mit wirtschaftlicher Dynamik, erfolgreichen Unternehmen und Wachstum. Nur so gibt es auch in Zukunft sichere und gute Arbeitsplätze. Nur so können wir sozialen Ausgleich schaffen, für gute Bildung sorgen und unseren Kindern und Enkeln eine gute Zukunft bieten. Dafür werden wir Unternehmen von Bürokratie und Fesseln befreien, damit sie sich auf ihr Geschäft und damit auf ihren Erfolg konzentrieren können.

Laschet auf seiner Webseite

Der CDU-Mann spricht den abhängig Beschäftigten im Wahlbürger an und lädt ihn dazu ein, an seine Sorge um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes zu denken. Abhängige Erwerbsbürger, die allen Grund zu dieser Sorge haben, gibt es nicht erst seit der Pandemie nicht zu knapp in Deutschland, darauf kann jeder Wahlkämpfer sich routiniert verlassen.

Ihnen macht er das Angebot, ihre Existenzunsicherheit in eine Parteinahme für die Bedingung zu überführen, von der sie sich abhängig wissen. Dazu müssen sie nur zu dem verkehrten Umkehrschluss bereit sein, mit unternehmerischem Erfolg und Wachstum wären ihre Arbeitsplätze sicher und gut, nur weil es sie ohne gar nicht gibt.

Dabei verheimlicht Laschet keineswegs den bekannten Umstand, dass auch ein wirtschaftlich entfesseltes Wachstum unternehmerischer Gewinne "sozialen Ausgleich" - vulgo: staatliche Fürsorge für die vielen, die auch dann nicht selbständig über die Runden kommen - kein bisschen überflüssig macht.

Aber es ermöglicht diesen Ausgleich. Das soll der ultimative Grund für die Millionen Abhängigen dafür sein, den Wachstumsbemühungen der Unternehmen, die der Grund für die permanente Unsicherheit ihrer Lebensgrundlage sind, gutes Gelingen zu wünschen; also dem Politiker, der diese Bemühungen so richtig entfesseln will, zur Macht zu verhelfen.

Welche und wie viele soziale Rücksichten und sonstige Wachstumsbremsen dafür abzuräumen sind - das ist wiederum der Freiheit seiner Macht als Kanzler überlassen, die man ihm im Wahlakt verschaffen soll. Wenn Laschet künftig also eine konsequent unternehmerfreundliche Politik macht, hat er die Zukunftssorgen der Eltern und Kinder dabei stets im Blick - nicht mehr und nicht weniger ist mit seiner Wahl zum Bundeskanzler für den Bürger ausgemachte Sache.

Sie haben die Wahl: Schaffen wir einen echten Aufbruch, oder verharren wir im ‚Weiter-So‘? Die nächste Regierung ist die letzte, die noch aktiv Einfluss auf die Klimakrise nehmen kann. Und ich bin zutiefst davon überzeugt: Wir können das. Das ist eine Riesenchance für unser Land. Für ein gesundes und gutes Leben, für eine starke Wirtschaft mit sicheren Arbeitsplätzen, für einen echten sozialen Zusammenhalt. Das ist die Aufgabe für unsere Zeit … Sie entscheiden. Deutschland kann so viel mehr!

Baerbock im 2. TV-Triell

Die Grüne spricht den Erdenbewohner im Wahlbürger an und lädt ihn dazu ein, an seine Zukunftssorgen bezüglich der globalen Lebensgrundlagen zu denken. Und natürlich kann sich jede Wahlkämpferin auch darauf verlassen, dass genug Menschen dem Klimawandel mit ohnmächtiger Sorge entgegenblicken. Ihnen macht sie das Angebot, ihre Betroffenheit umstandslos darauf zurückzuführen, dass bislang in einem ebenso grundlosen wie verantwortungslosen falschen Geist des ‚Weiter-So‘ Politik gemacht wurde.

Und wenn die Ruinierung des Weltklimas eine einzige Herausforderung an aufbruchsbereite Politiker ist, die daraus eine Riesenchance für Deutschland machen, liegt die Lösung dieser und aller anderen Menschheitsprobleme doch zum Greifen nahe, nämlich in der richtigen Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl 2021.

Um diesen Kurzschluss zu unterstreichen, kann das ausgemalte Problem, das sich mit einem grünen Wahlkreuz erledigen lässt, gar nicht universell und global genug ausfallen. Die grüne Kanzlerin in spe jedenfalls ist fest entschlossen, stellvertretend für den besorgten Bürger nicht nur die Sache mit der Erderwärmung in Ordnung zu bringen, sondern einfach alles besser und alles richtigzumachen.

Alles ist drin!

Wahlslogan der Grünen

Und wenn sie sich einmal im Amt an die Verwaltung des Standorts Deutschland macht und definiert, wozu das Land und seine Bürger, in denen all das drinsteckt, sie beauftragt haben, dann trägt Baerbock dabei neben den Höchstwerten Zusammenhalt, Leben, Wirtschaft und Arbeitsplatz ganz besonders auch das Klima stets im Herzen - nicht mehr und nicht weniger ist mit ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin für den Bürger ausgemachte Sache. (Peter Decker)