Schutz vor einem EMP-Angriff

Aurora des EMP-Atomwaffentests Starfish Prime (1962). Bild: DoD

Gegen die wegen ihrer Folgen verdrängte Waffe des elektronischen Zeitalters, die das Stromnetz und die Elektronik in großen Teilen eines Lands lahmlegen könnte, gibt es auch in den USA noch kaum Vorkehrungen

In den USA ist es schon lange ein Thema, das immer einmal wieder im Kongress debattiert wird, seitdem man weiß, dass sich mit einer EMP-Bombe (elektromagnetischer Impuls) Städte und ganze Länder lahmlegen oder buchstäblich ausschalten ließen. Die wirkungsvollste EMP-Waffe wäre eine in großer Höhe gezündete Atombombe, die mit einem starken Blitz elektromagnetischer Wellen alle nicht eigens gehärteten elektrischen Regler und Schaltkreise auf einer großen Fläche überlasten und zerstören oder für einige Zeit unbrauchbar machen könnte. Die radioaktive Kontamination würde hingegen das Leben nicht bedrohen.

EMP-Waffen gelten letztlich als die größte Bedrohung für die Infrastruktur eines Landes, weswegen auch in einigen Ländern an dieser mächtigen Waffe gearbeitet wird. Ein erster militärischer Einsatz wäre eine Revolution in der Kriegsführung und nach Hiroshima und dem Gleichgewicht des Schreckens ein Tabubruch, weswegen bislang zwar an Waffen mit indirekter Energie und lokaler Wirkung gearbeitet wird, eine Atombombe aber noch nicht als EMP-Waffe gezündet wurde. Unterhalb der nuklearen EMP-Bombe gibt es aber schon transportierbare Hochleistungsmikrowellen-Waffen, die so groß sind wie ein Koffer, um mit mittels elektromagnetischer Impulse etwa Sicherungssysteme in Autos oder Häusern lahmzulegen.

Das Pentagon hatte 1962 den ersten und letzten Test unternommen. In 380 km Höhe wurde bei dem Test namens Starfish Prime eine Atombombe mit einer Sprengkraft von 1450 Kilotonnen TNT-Äquivalent über dem Johnston-Atoll im Pazifik zur Explosion gebracht. Der dadurch ausgelöste elektromagnetische Impuls legte alle elektrischen Geräte in einem großen Umkreis lahm. Selbst auf Hawaii, 1.300 km entfernt, fiel die Straßenbeleuchtung aus. Klar war dem Pentagon seitdem, dass es gegen einen EMP-Angriff keine umfassende Abwehr geben kann, neben den elektrischen Geräten und Bauteilen wäre das Nervensystem der modernen Gesellschaft und Stadt, die Energie- und Kommunikationsnetze, kaum zu schützen.

In der Anhörung des Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten ging es um die Sicherheit der kritischen Infrastruktur. Hintergrund waren Angriffe auf die Stromversorgung oder Glasfasernetze, dazu kamen zunehmende Cyberangriffe. Der republikanische Vorsitzende John Rohnson machte insbesondere auf den Cyberangriff auf einen Teil des ukrainischen Stromnetzes aufmerksam, der für 230.000 Menschen bis zu sechs Stunden zu einem Blackout führte und in Expertenkreisen für Beunruhigung sorgte. Zudem müsse man neben anderen Naturkatastrophen mit einem starken Sonnensturm rechnen, der ähnlich wie eine EMP-Bombe zu einem weitreichenden Stromausfall führen könnte.

Auch in den Statements ging es primär um Angriffe auf die Stromnetze. So wurde von Ted Koppel erklärt, die USA besitze zwar Katastrophenschutzpläne für Erdbeben oder Überschwemmungen, aber nicht für einen großflächigen Stromausfall, der durch Cyberangriffe verursacht werden und Millionen von Menschen für Wochen vom Stromnetz abkoppeln könne. Er habe den Heimatschutzminister Jeh Johnson gefragt, was er dann den Menschen über das als Notausrüstung empfohlene batteriebetriebene Radio sagen würde. Er habe auf ein Regal hinter sich gedeutet und geantwortet, hier stehe bestimmte etwas für diesen Fall, was Koppel abstreitet: "Wir haben weder angemessene Lebensmittelvorräte, um für diejenigen zu sorgen, die sich entscheiden, eine Notunterkunft zu suchen, noch haben wir gemeinsame Pläne mit den Regierungen der Bundesstaaten, um möglicherweise Millionen von Binnenflüchtlingen unterzubringen und zu ernähren."

Geschätzete Auswirkung einer EMP-Bombe abhängig von der Höhe, auf der sie gezündet wird. Bild: GAO

Scott Aaronson, Direktor für Cyber- und Infrastruktursicherheit am Edison Electric Institute, der Verband aller amerikanischen privaten Stromkonzerne, rechnete einen EMP-Angriff zu den Bedrohungen, die selten sind, aber schwere Auswirkungen haben können, ähnlich wie koordinierte Cyberangriffe oder Naturkatastrophen wie Sonnenstürme, große Erdbeben oder schwere Stürme.

Ein Konsortium von Stromkonzernen arbeite eng mit dem Energieministerium zusammen, um auf der Grundlage von Erkenntnissen des Pentagon zu untersuchen, wie sich die Stromnetze vor einem EMP-Angriff mit einer Atombombe, anderen Angriffen mit Energie- oder Strahlenwaffen wie Laser- oder Mikrowellenwaffen oder einem Sonnensturm , die Transformatoren und andere Bestandteile schädigen können, schützen ließen. Klar wird aus seinen Formulierungen, dass es sowohl über die Auswirkungen solcher Angriffe als auch über mögliche Vorkehrungen wie die Härtung noch wenig belastbares Wissen gibt.

Das geht auch aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Government Accountability Office (GAO) hervor, der herausstrich, dass die Regierungsbehörden sich mehr und besser auf "elektromagnetische Risiken" vorbereiten müssten. EMP-Angriffe und Sonnenstürme, so wird auch hier gesagt, könnten zu Stromausfällen in weiten Gebieten führen. Seit Etablierung der EMP-Kommission 2001 und dem von ihr 2004 vorgelegten Bericht seien Fortschritte durch Berichte, Standardisierungen und der Zusammenarbeit mit der Privatindustrie erreicht worden. Die Kommission hatte davor gewarnt, dass auch nicht technisch hoch ausgerüstete Gegner einen EMP-Angriff mit katastrophalen Folgen ausführen könnten, der große Teile der Infrastruktur und damit des Landes lahm legt. Die Folgen würden täglich wachsen, weil sich die Abhängigkeit der gesamten Gesellschaft von der Elektronik, die von EMP betroffen wird, stetig vergrößert. Die gegenwärtige Verletzbarkeit könne Gegner zu EMP-Angriffen einladen und sie belohnen, wenn nicht gehandelt werden. Der abschließende Bericht 2008 wiederholte ausführlicher die Bedrohungslage.

Vorsichtig formuliert der GAO-Bericht aber, dass weder das Energie- noch das Heimatschutzministerium Maßnahmen eingeleitet haben, um mögliche Risiken zu identifizieren, oder ein Risikomanagement ausgearbeitet haben. Es fehlt offenbar auch an Forschung und der Bewertung von Optionen, inklusive den Kosten für die Härtung der elektrischen Netze gegen EMP.

Scott Aaronson sagte in der Anhörung allerdings auch, dass es eine Menge von Bedrohungen für die Stromnetze gebe, die von Eichhörnchen bis zu Staaten reichen. Bislang habe es mehr Blackouts wegen Eichhörnchen gegeben als von Staaten. Das ist so lange beruhigend, bis der erste Cyberwar mit einem EMP-Angriff geführt wurde.

In der derzeitigen Eskalation und mit dem Rüstungswettlauf vor allem zwischen USA/Nato, Russland und China steigt auch das Risiko für solche Angriffe, die das Potenzial besitzen, plötzlich große Teile eines Landes ausschalten zu können. Nicht durch die gewaltigen Zerstörungen von Luftangriffen oder Atombombenabwürfen, die aber immer nur einzelne Städte betrafen und diese auslöschten, sondern durch das Lahmlegen der Stromversorgung und der Elektronik, die das Herz der fortgeschrittenen Gesellschaften bilden, das mit einem EMP-Angriff einen Infarkt erleiden würde.

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