Schutzmasken im Kultur- und Wissenschaftskampf

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Ist der verordnete, beliebige Mund-Nasen-Schutz wirksam?

Über die Maske ist ein Kulturkampf eingetreten, der sich auch dem Umstand verdankt, dass Mund-Nasen-Masken zu Beginn der Pandemie nicht als hilfreich von Regierung und RKI bezeichnet wurden. Gewarnt wurde, dass sie sogar zu größerer Sorglosigkeit bei der Wahrung des Abstands zu Mitmenschen führen können, was sich täglich beobachten lässt. Ob das gründliche Händewaschen oder deren fortwährende Desinfizierung, das andere Ritual, maßgeblich zum Schutz vor Ansteckung vor dem Sars-CoV-2-Virus schützen, ist ebenso fraglich, auch wenn es einer allgemein vorbeugenden und sinnvollen Hygiene dient. Ob Schmierinfektionen zur Ausbreitung des Virus beitragen, ist meines Wissens nicht belegt, wird auch in aller Regel von den Experten nicht hervorgehoben.

Die WHO hatte beispielsweise Masken für Gesunde Ende März nicht empfohlen, nur Infizierte und medizinisches Personal sollten sie tragen. Jetzt empfiehlt die WHO, dass auch 12-Jährige unter die Maskenpflicht fallen sollten, bei den 6-11-Jährigen müsse man das Infektionsgeschehen berücksichtigen. Ende März war man bei der WHO auch noch überzeugt, dass Covid-19 nicht über Aerosole, sondern nur über Tröpfchen verbreitet wird. Ansonsten windet man sich in der Beurteilung:

Non-medical, fabric masks are being used by many people in public areas, but there has been limited evidence on their effectiveness and WHO does not recommend their widespread use among the public for control of COVID-19. However, for areas of widespread transmission, with limited capacity for implementing control measures and especially in settings where physical distancing of at least 1 metre is not possible - such as on public transport, in shops or in other confined or crowded environments - WHO advises governments to encourage the general public to use non-medical fabric masks.

WHO

Da könnte man sagen, nicht-medizinische Masken sind zwar nicht effektiv, aber vielleicht besser als nichts, wenn keine anderen Präventionsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Das Argument, dass irgendwelche Masken oder jede Bedeckung von Mund und Nase unvorsichtiger machen könnte, bleibt allerdings bestehen, wird aber nicht wiederholt.

Gegen den angeblich solidarischen und dem Selbstschutz dienenden Muss des Händewaschens und des Desinfizierens von Gegenständen wie Türklinken, Schlüsseln oder Handys regt sich kein großer Widerstand. Man sieht ja auch normalerweise nicht, ob sich jemand die Hände gewaschen hat oder nicht. Man lehnt sich normalerweise auch nicht gegen eine Vielzahl vor freiheitseinschränkenden Verhaltensregeln auf, beispielsweise nicht nackt durch die Stadt zu laufen, rechts zu fahren etc. Die Maske ist aber sichtbar, ihr Tragen demonstriert, dass man den Weisungen der Obrigkeit/der Wissenschaftler folgt, egal ob aus Einsicht oder aus Zwang.

Der Konflikt, der einige Parallelen zum Streit um Verschleierung oder Burka hat, entsteht wohl vor allem daraus, wie ernst man die Pandemie als Bedrohung nimmt, also ob die Vorschriften einleuchten, dass man die Mitmenschen und sich selbst durch Maskentragen schützen muss oder dass diese Vorkehrungen übertrieben sind. Das Statistische Bundesamt berichtet:

Im März 2020 ist bei einer monatsweisen Betrachtung kein auffälliger Anstieg der Sterbefallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren erkennbar. Im April lagen die Sterbefallzahlen allerdings deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre; seit Anfang Mai bewegen sich die Sterbefallzahlen wieder etwa im Durchschnitt.

"Gehören jetzt zum Alltag: Masken, die Mund und Nase abdecken", schreibt die Bundesregierung. Es müssten allerdings einige Regeln beachtet werden, die im Alltag jedoch kaum von allen eingehalten werden. Vor dem Aufsetzen müssten die Hände gründlich gewaschen, die Innenseite sollte nicht berührt, die Maske muss "komplett" über Mund und Nase platziert, bei Durchfeuchtung müssen sie "umgehend" abgenommen und ausgetauscht, beim Absetzen darf die Außenseite nicht berührt und schließlich sollen die Hände wieder gewaschen werden. Und dann müssten Masken auch noch einmaliger Benutzung mit mindestens 60 Grad gewaschen und dann in einem luftdicht verschlossenen Beutel aufbewahrt werden, aber nicht zu lange. Kaum jemand wird diese Anweisungen befolgen, aber schon eine Maske tragen, die dann eher zum Symbol des Einverständnisses wird als wirklicher Schutz der Mitmenschen.

Wirksamkeit von Alltagsmasken

Die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ), wohl keine Fake-News-Schleuder, hat, wenn auch nur als "Meinungsbeitrag", einen Text von Prof. Dr. Markus Veit veröffentlicht, der sich überzeugend und kritisch mit dem Maskengebot auseinandersetzt. Sein Hauptargument ist, dass nicht bestimmte Masken empfohlen werden, sondern überhaupt jeder Mund-Nasen-Schutz. Bislang habe die Einhaltung von Normen für Schutzmasken gegolten, um "vor der Einatmung von lungengängigen Stoffen und Stäuben" zu schützen:

Vor einem Jahr wäre es ein Skandal gewesen, wenn Professionelle im Gesundheitsbereich - wie das Robert Koch-Institut (RKI) - zur Verwendung von Masken aufgerufen hätten, die nicht ein Zertifizierungsverfahren für Medizinprodukte durchlaufen haben und kein CE-Signum tragen. Heute gilt das offenbar alles nicht mehr. Selbst unsere Politiker gefallen sich im Tragen von sogenannten Alltagsmasken für den Infektionsschutz.

Die Wirksamkeit von Masken ist abhängig davon, für welche Partikelgrößen sie undurchlässig sind. Nur Masken, die den FFP2- oder FFP3-Standard erfüllen, können wirklich vor Viren schützen:

Im Freien persistieren Aerosole in der Regel nicht sehr lange und nach allem was wir wissen, überleben dort die Coronaviren auch nicht lange, weshalb hier Masken eigentlich nicht gebraucht werden, oder nichts nützen, da Aerosole nur dann langlebiger sind, wenn die Partikelgrößen sehr klein sind und dann aber mit "normalen" Masken kein Schutz besteht.

Es gebe zahlreiche Studien zur Wirksamkeit von Masken, aber die seien oft kritisch zu sehen, ebenso die Interpretationen der "bestenfalls halbgebildeten 'Faktenchecker' der Medien". Veit gibt drei Kriterien an, nach denen man die Aussagekraft von Studien überprüfen solle, u.a. welche Masken verwendet wurden, ob die Daten für die Luftströme und Aerosolpopulationen beim Ein- und Ausatmen oder beim Husten repräsentativ sind und ob die Daten zeigen, "dass die ein- oder ausgeatmete Viruslast vermehrungsfähiger (!) Viren durch die Masken reduziert werden kann". Nur wird dies kaum jemand machen bzw. machen können, weswegen derzeit viele unüberprüfte Preprint-Studien veröffentlicht werden, die je nach Position rezipiert und verbreitet werden. Und natürlich gibt es eine Vielzahl an Masken, die unterschiedlich wirken, wie das aus Studien hervorgeht etwa Low-cost measurement of facemask efficacy for filtering expelled droplets during speech oder Face masks and coverings for the general public.

Wenn wir beispielsweise durch Wolle oder Baumwolle (die häufig bei den selbst gefertigten Masken verwendet und in unzähligen Foren empfohlen wird) ausatmen, kondensiert sich die Feuchtigkeit in der Atemluft an den Fasern. Das hängt mit der Mikrostruktur der Fasern zusammen. Dabei bildet sich auf diesen ein Wasserfilm (das kann jeder mal ausprobieren). In mehr oder weniger großem Ausmaß geschieht das auch bei textilen Geweben. In diesem Habitat können Viren bestens überleben, es ist geradezu optimal für sie. Anders als professionelle Masken werden die selbst gefertigten nach der Benutzung nicht entsorgt, sondern die Menschen legen sie irgendwo ab und tragen so möglicherweise zur Verbreitung der Viren bei. Dieses Ablegen wird ja in Schulen und Gaststätten behördlicherseits auch noch verordnet, indem man beim Kommen und Gehen eine Maske tragen muss und dann nicht mehr - welch ein Unsinn!

Vorsicht muss also nicht nur gegenüber Medien und Alternativmedien gewahrt werden, sondern auch gegenüber der Wissenschaft, die auch von Interessen oder zumindest vom jetzt aktualitätsbedingten Prinzip "publish or perish" geleitet sein kann. Noch bedenklicher seien Stellungnahmen wie die der Ad-hoc-Kommission SARS-CoV-2 der Gesellschaft für Virologie (GfV) zu SARS-CoV-2-Präventionsmaßnahmen bei Schulbeginn nach den Sommerferien, die nur eine Metaanalyse zitiert, aber nicht Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen wie etwa diese "Nonpharmaceutical Measures for Pandemic Influenza in Nonhealthcare Settings—Personal Protective and Environmental Measures: "Although mechanistic studies support the potential effect of hand hygiene or face masks, evidence from 14 randomized controlled trials of these measures did not support a substantial effect on transmission of laboratory-confirmed influenza. We similarly found limited evidence on the effectiveness of improved hygiene and environmental cleaning."

Ohne genauere Untersuchungen sieht Veit den empfohlenen Einsatz von Masken bei Kindern "als unethisch und möglicherweise gefährlich" an.

Veits Schlussfolgerung, der bislang nicht widersprochen wurde:

Täglich werden wir von den Medien, selbst ernannten "Faktencheckern" und Politikern mit Halbwahrheiten zu Masken belehrt. Durch die von Politik und Medien geschürte Verunsicherung sehe ich inzwischen sogar Menschen mit Masken allein im Auto oder auf dem Fahrrad, sogar beim Wandern und Spazierengehen … sic! Wir als Fachleute müssen dazu aus meiner Sicht angemessen Stellung nehmen. Wenn es sich eines Tages herausstellt, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis für "Alltagsmasken" tatsächlich schlechter ist als angenommen, können zumindest wir nicht sagen, wir hätten es nicht wissen können! Nota bene: Im Umgang mit Risikopatienten bzw. -gruppen brauchen wir immer Masken. Dann aber zertifizierte und geprüfte und keine Alltagsmasken!

Nun kann man sich überlegen, warum Politiker und Medien das Tragen auch von Alltagsmasken bewerben oder verordnen, obgleich die Wirksamkeit zweifelhaft ist. Wenn man nicht zu absurden Verschwörungstheorien ausholen will, muss man davon ausgehen, dass in einer Situation der Ungewissheit über die Gefährlichkeit des Virus die politisch Verantwortlichen zeigen wollen, dass sie Handlungsbereitschaft zeigen, auch wenn diese möglicherweise in der Verordnung von Voodoo-Maßnahmen besteht. Womöglich gelten Masken, die in bestimmten Situationen getragen werden müssen, auch als symbolische Erinnerung an die mögliche Gefährlichkeit. Wir leben in Angst vor dem Virus und in Gehorsam gegenüber den Behörden und der Wissenschaft, signalisieren die Masken. Aber auch natürlich: Wir verhalten uns verantwortlich gegenüber Risikogruppen und sind nicht sorglos.

Die Auseinandersetzung über das Für und Wider von Masken wird ebenso weitergehen wie die Diskussion über die Gefährlichkeit von Covid-19. Wir sehen uns der wahrscheinlich ersten Krisenbewältigung gegenüber, die maßgeblich von der Einschätzung von Wissenschaftlern - nicht der Wissenschaft - bestimmt wird. Und weil wissenschaftliche Erkenntnisse nur vorläufig und fallibel, aber keine Dogmen sind, herrscht verunsichernde Ungewissheit und der Drang nach letzter Wahrheit vor, die manche der Corona-Leugner erfüllen, die so tun, als hätten sie die einzige Wahrheit gepachtet, während alle anderen blöd oder verführt sind. (Florian Rötzer)