Schwaches Wirtschaftswachstum: OECD schraubt Erwartungen in aktueller Prognose zurück

Bild: PublicDomainPictures auf Pixabay

Trübe Aussichten für Deutschland und die Euro-Zone, während in Asien die Wirtschaftsleistung deutlich steigt. Neuer OECD-Bericht über Energiekrise, Inflation und Wohlstandsverlust.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind trüb. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vermeidet in ihrem aktuellen Bericht, von Rezession zu sprechen – aber "der massive und historische Energieschock" lässt das Wachstum geringer ausfallen.

"Wir sagen keine Rezession voraus, aber wir rechnen mit einer Phase ausgeprägter Schwäche", sagte OECD-Chef Mathias Cormann am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Die Weltwirtschaft sei mit ernsthaftem Gegenwind konfrontiert.

Die Ursache für die Entwicklung sieht Cormann in dem Krieg in der Ukraine. Ihn zu beenden und ein gerechter Frieden wären der wirksamste Weg, um die Aussichten für die Entwicklung der Weltwirtschaft zu verbessern.

Der OECD-Chefvolkswirt Álvaro Pereira betonte: "Die Weltwirtschaft wird von der größten Energiekrise seit den 1970er-Jahren erschüttert". Der Energieschock habe die Inflation auf ein Niveau getrieben, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben habe. Und sie dämpfe das Wirtschaftswachstum in der ganzen Welt.

"Höhere Inflation und geringeres Wachstum sind der hohe Preis, den die Weltwirtschaft für Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine zahlt", betonte auch Pereira. Obwohl die Preise auch schon vorher schleichend stiegen, sei die Inflation nach dem Einmarsch Russlands sprunghaft angestiegen und habe sich weltweit bemerkbar gemacht.

Dieser unerwartete Preisanstieg führe wiederum dazu, dass die Reallöhne in vielen Ländern sinken und die Kaufkraft schwindet. "Wenn die Inflation nicht eingedämmt wird, werden sich diese Probleme nur noch verschärfen", so der Wirtschaftsexperte.

In diesem Jahr wird das weltweite Wirtschaftswachstum bei "bescheidenen" 3,1 Prozent liegen, heißt es in dem Bericht. Damit bleibt es deutlich hinter den Ergebnissen zurück, die vor dem Krieg erwartet wurden. Im kommenden Jahr wird es sich auf 2,2 Prozent verlangsamen und 2024 leicht auf 2,7 Prozent ansteigen.

Entscheidend für die Entwicklung im nächsten Jahr seien die großen asiatischen Schwellenländer. Auf sie entfallen dann voraussichtlich fast drei Viertel des weltweiten BIP-Wachstums. Die Bedeutung der USA und Europas wird dagegen stark zurückgehen.

Die OECD schreibt zur Situation in ihren Mitgliedsländern:

Die anhaltende Inflation, die hohen Energiepreise, das schwache Wachstum der realen Haushaltseinkommen, das sinkende Vertrauen und die restriktiveren finanziellen Bedingungen werden das Wachstum voraussichtlich bremsen. Höhere Zinssätze sind zwar notwendig, um die Inflation zu dämpfen, werden aber die finanziellen Herausforderungen sowohl für private Haushalte als auch für Kreditnehmer aus der Wirtschaft erhöhen.

Die Inflation im OECD-Raum wird auch in den nächsten Jahren hoch sein, gleich wenn sie etwas zurückgehen wird. In diesem Jahr bleibt sie mit mehr als neun Prozent hoch. Wenn die straffere Geldpolitik greifen, der Druck auf Nachfrage und Energiepreise nachlassen und sich die Lieferketten wieder stabilisieren sollten, dann werde die Inflation im kommenden Jahr allmählich auf 6,6 Prozent sinken und auf 5,1 Prozent im Jahr 2024.

Unter den großen Volkswirtschaften wird Großbritannien voraussichtlich das zweitschlechteste Ergebnis erzielen. Es sei damit zu rechnen, dass die britische Wirtschaft um 0,4 Prozent schrumpfen wird. Nur Russland steht mit einem Rückgang von 5,6 Prozent noch schlechter da.

In der Euro-Zone wird es hauptsächlich Deutschland hart treffen. Weil die deutsche Wirtschaft nicht mehr von günstiger russischer Energie profitieren wird, sagt die OECD für das nächste Jahr einen Rückgang von 0,3 Prozent voraus. Frankreich (0,6 Prozent) und Italien (0,2 Prozent) weisen dagegen ein leichtes Wachstum auf.

Die US-Wirtschaft entwickelt sich etwas besser: In diesem Jahr wächst sie voraussichtlich um 1,8 Prozent, im kommenden Jahr sinkt das Wachstum auf 0,5 Prozent und steigt im Jahr 2024 wohl wieder auf ein Prozent.

Die Motoren des Wirtschaftswachstums finden sich in Asien: Für China (4,6 Prozent), Indonesien (4,7 Prozent) und Indien (5,7 Prozent) wird ein deutlich stärkeres Wachstum erwartet als in Europa oder Nordamerika. (Bernd Müller)

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