Schweden: Gangsta-Rapper medial verbannen, bekehren oder läutern

Kriminelle Banden und Kämpfe um Drogenreviere sind das große Wahlkampfthema; ein populärer Imam verspricht den richtigen Weg für die "Gangsta". Die schwedische Öffentlichkeit ist nicht überzeugt.

Gangsta-Rap ist in Schweden Anheizer, Identitätskultur und auch Erwerbsbranche der vielen kriminellen Banden, deren Kämpfe um Drogenreviere zum Wahlkampfthema Nummer eins werden. Viele der Rapper sind nicht nur beim Video-Posing, sondern auch im echten Leben mit Schusswaffen unterwegs.

Diskutiert wird in Schweden, ob diese Musik, die auch im öffentlich-rechtlichen Sveriges Radio wummert, mit Verboten belegt werden soll. So wie in Großbritannien, wo straffällige Musiker damit rechnen müssen, dass die Polizei ihre Produktion von YouTube entfernt. In Schweden wird jedoch die Person vom musikalischen Werk getrennt behandelt, eine Entscheidung aus den 1980er-Jahren, als Heavy Metal Bands mit gewaltverherrlichenden Texten für Aufruhr sorgten.

Nun gibt es eine umtriebige Persönlichkeit, die sich damit befasst, Rapper zur Abkehr vom Rappen zu bringen. Ramsis James "Moosa" Assal konnte den populären Göteborg-Rapper Aden Hussein, bekannt für Liedgut mit Titeln wie "Gangland", dazu bringen, seine steile Sprechgesangs-Karriere abzubrechen.

Die liberale Zeitung Expressen zeigte sich jedoch wenig begeistert. Der Imam mit dem Rauschebart würde die Rapper nämlich zum Salafismus bekehren, bringt die Zeitung vor: zu einer radikalen Spielart des Islams, die zur Gewaltausübung im Namen Allahs ein positives Verhältnis hat und die Theologie für al-Qaida und den Islamischen Staat liefert. Assal predigte bereits in der berüchtigten Salafisten-Moschee in Karlstad; Jugendliche, die zum Islam konvertiert sind, feiert er mit einem Eintrag in den sozialen Medien.

Als Coach mit dem Motto "Ich werde glücklich, wenn andere glücklich werden" hat der 38-Jährige selbst viele Tausend Anhänger in den sozialen Netzwerken.

Was nun, wenn die geläuterten Rapper mit weit mehr Fans diesen den Weg zum radikalen Islam weisen?

Schweden hat ein Problem mit dem radikalen Islam und mit Banden

Der Imam nennt sich selbst "Medinastudent", da er die Universität in der saudi-arabischen Stadt besucht hat, wo eine besonders strenge Auslegung des Islam gelehrt wird. Offiziell distanziert sich der populäre Muslim vom IS und islamistisch motivierten Anschlägen und hält seine Anhänger dazu an, die Schulen zu besuchen. Der Artikel in Expressen erfuhr Kritik, er wurde als islamfeindlich kritisiert, so im Aftonbladet, einer auflagenstarken Zeitung, welche den Sozialdemokraten zuneigt.

Festhalten lässt sich: Schweden hat ein Problem mit dem radikalen Islam sowie mit den besagten Banden, die vornehmlich aus Migranten bestehen. Doch der Fokus liegt mehr auf letzterem.

Während die sozialdemokratische Minderheitsregierung unter Magdalena Andersson auch mit Maßnahmen für mehr Integration und gegen die Segregation in den Vorstädten agieren will, setzt die bürgerliche und rechte Opposition primär auf Härte. Im Verbund wollen sie die Traditionspartei Sozialdemokraten ablösen, welche bereits acht Jahre am Ruder ist.

Unter deren Verantwortung fällt auch die Handhabung der Rückkehrer, die für den "Islamischen Staat" in Syrien und im Irak kämpften.

Schwedens Behörden bedachte diese mit wenig Auflagen, der Inlandsgeheimdienst Säpo meldete im vergangenen Jahr, dass viele der rund 150 Rückkehrer sich weiterhin in salafistischen Milieus aufhielten. Als Hotspot gilt Göteborg und Umgebung, es folgen die Mittelstädte Boras sowie Gävle.

Unterschiedliche Strategien

Die Salafisten fuhren unterschiedliche Strategien gegenüber der Öffentlichkeit in Schweden. Gingen sie mit Aufrufen zur Beteiligung am Heiligen Krieg 2014 recht offensiv vor, hielten sie sich nach der militärischen Niederlage im Nahen Osten bedeckter. Sie appellierten an ihre Mitglieder, sich von Nichtgläubigen zu isolieren sowie andere Muslime zu einer strengeren Glaubensform zu zwingen. In den letzten Jahren verstärkten sie ihre Aktivitäten wieder mittels der sozialen Medien.

Der Sicherheitsexperte Magnus Ranstorp machte im April die Entdeckung eines neuen Konzepts: "Salafisten und salafistisch-dschihadistische Personen versuchen nun in Behörden und Kommunen zu wirken" - eine Beobachtung, die auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen sendete.

Ranstorp fordert den Staat auf, genauer hinzuschauen, wenn Vereinigungen gefördert werden. Diese könnten auch einen radikalislamischen Hintergrund haben. Das skandinavische Land ist schließlich bekannt für seine großzügige Ausländerpolitik und seine umfassenden Förderprogramme.

Manchmal reagiert jedoch der Staat - so können sogenannte "Freischulen", die Muslime leiten, geschlossen werden, wenn die Behörden nachweisen, dass dort radikale Inhalte an die Kinder weitergegeben werden.

Dem charismatischen Assal, der als Coach für Persönlichkeitsentwicklung mit seiner Botschaft vom Glauben durchs Land tourt, wurde in Schweden Unterstützung von Institutionen gewährt, die er selbst kaum respektieren dürfte.

Derzeit arbeitet Assal für Jugendorganisationen, welche staatlich finanziert werden, wie das Fryshuset in Stockholm. Auch wirkte der Muslim für die "Stadtmission Stockholm", einer christlichen Einrichtung. Aufgrund seiner Tätigkeit wählte ihn der wissenschaftsnahe und staatsfinanzierte "Kulturrat" zum "Bildungsvermittler des Jahres 2019". (Jens Mattern)