Schweden: Zweidrittel der Zweijährigen nutzen das Internet

Es gibt kein reales Leben mehr ohne das virtuelle

Nach einer Umfrage der Internet Infrastrukturstiftung (Stiftelsen för Internetinfrastruktur) werden schon Kleinkinder zunehmend in das Internet und in die Nutzung digitaler Geräte gezogen. 67 Prozent der Zweijährigen - nach den Einjährigen wurde nicht gefragt - nutzen nach Angaben der Eltern bereits das Internet, 32 Prozent täglich.

Bei den Vierjährigen sollen es bereits 89 Prozent sein, um ab den Neunjährigen praktisch 100 Prozent zu erreichen, wobei die tägliche Nutzung mit dem Alter zunimmt und bei den 12-15-Jähreigen bereits 97 Prozent erreicht. Ob die Abnahme der Internetnutzung um ein Prozent von den 100 Prozent bei den 11-Jährigen auf 99 Prozent bei den 12-15-Jährigen irgendetwas aussagt, bleibt unklar.

Vermutlich sind es nach den Smartphones die Tablets, die schon die Kleinkinder in die digitale Welt ziehen, weil sie leichtes Navigieren mit Tippen und Wischen ermöglichen. Zudem sind Tablets und Smartphones auch für Kleinkinder von der Größe und der "Haltbarkeit" leichter zu bedienen, als Notebooks oder gar PCs, die sowieso allmählich zu verschwindenden Dinosauriern werden.

92 Prozent der Schweden haben einen Computer, 93 Prozent einen Internetzugang, 91 Prozent nutzen ihn auch. Aufgrund von Tablets und Smartphones haben erstmals mehr Schweden einen Internetzugang als es Schweden gibt, die auf einen Computer zugreifen können. Die Unterscheidung ist allerdings eh künstlich, da Tablets und Smartphones auch Computer sind - im Vergleich zu früher Supercomputer.

Die Verschiebung zeigt sich auch daran, dass die Schweden wöchentlich 21 Stunden das Internet nutzen, davon 8 Stunden mobil. Die mobile Internetnutzung mit dem permanenten Online-Sein hat den Aufenthalt im Virtuellen noch einmal deutlich verstärkt. Dazu kommen die Sozialen Netzwerke, die nun 77 Prozent der Schweden nutzen - vor allem Facebook -, 2010 waren es erst 53 Prozent. Das reale Leben wandert nicht ins virtuelle ab, aber es gibt zunehmend kein reales Leben mehr, ohne an das virtuelle angedockt zu sein. Das heißt auch, dass die Menschen zunehmend entwurzelt leben. Mit ihrem Körper stecken sie im Raum, sind aber gleichzeitig irgendwo auf der Welt. Das könnte man die digitale Globalisierung nennen, die auch aktuell die Flüchtlingsströme im realen Raum lenkt. (Florian Rötzer)