Schweinesuppe

Frankreich: Antisemitische Essensausgabe für Arme

Einladungsunverschämtheiten könnte man in Anlehnung an einen großen österreichischen Dichter das heißen, womit eine rechte Gruppierung in Straßburg derzeit die Stimmung anheizt: Suppen für die Armen - aber nur mit Beilagen aus Schweinefleisch.

Kostenloses oder sehr billiges Essen für Obdachlose und Arme anzubieten ist in Frankreich traditionellerweise eher Sache von jenen, bei denen das Herz links schlägt. Am bekanntesten sind auch hierzulande wahrscheinlich die so genannten Restos du coeur, die von einer Idee des beliebten Komikers und Schauspielers Coluche im Jahre 1986 inspiriert wurden (und erst einige Jahre nach seinem Tod durch ein eigens dafür geschaffenes Gesetz "Loi Coluche" realisiert wurden).

Die Idee der Armenspeisung haben nun in diesem Winter auch rechte Gruppierungen in Frankreich aufgegriffen. Allerdings mit einer politischen Beigabe, welche der österreichische Dichter Thomas Bernhard wohl ohne langes Zaudern als "nationalsozialistisch-katholisch, niederträchtig, infam" bezeichnet hätte. Die Linken begnügen sich mit "rassistisch". Denn die Gruppe "Solidarité alsacienne" wollte am letzten Wochenende partout nur "soupe au porc" an die Armen ausgeben.

Wörtlich übersetzt wäre das eine "Schweinesuppe", die es tatsächlich auch zu geben scheint. Wahrscheinlich ist aber damit eine Suppe mit Speckstücken gemeint - ein traditionelles Gericht, zumal in der Region Alsace, wie der rechtsradikale Chef der "Solidarité alsacienne", Robert Spieler, und dessen Frau Chantal scheinheilig vorbringen. Die Tendenz dieser Aktion ist allen kulinarisch aufgepeppten Argumenten zum Trotz deutlich: Man will vor allem echte Franzosen unterstützen, keine Muslime und keine Juden.

Einschlägig inspirierte, "solidarische" Webseiten, die der Unverschämtheit noch die Spitze aufsetzen mit dem Hinweis, wonach Muslime nach dem Koran durchaus Schweinefleisch essen dürfen, wenn sie hungern, sind da klar wie Kloßbrühe.

Die Aktion der "Solidarité alsacienne" hat ihre Vorläufer in Paris und Nizza, wo sie von Aktivisten durchgeführt wurde, die dem rechtsradikalen "Bloc identitaire" verbunden sind. In Paris wurde die Schweinesuppenausgabe verboten, in Nizza nicht, in Straßburg kam es aufgrund von Protesten vergangenes Wochenende zu einer Verhaftung, ein Verbot folgte.

Trotzdem hat das Ehepaar Spieler und sein Schweinesuppenkollektiv zu einer neuen Armenspeisung an diesem Wochenende aufgerufen. An einem anderen Ort, mit einer neuen selbstgestrickten Suppe: "aux saucisses de Strasbourg", Knackwürste mit Schweinefleisch. (Thomas Pany)

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