Schweizer Bahnen - das europäische Vorbild

SBB RABDe 500, ICN (Intercity-Neigezug). Foto: Nelso Silva/CC BY-SA 2.0

Das Schweizer Bahnsystem: pünktlich und hohe Frequenz der Verbindungen

Die Schweizer Eisenbahn wird im Ausland zum größten Teil mit den Schweizerische Bundesbahnen SBB identifiziert, die bis 1999 noch eine Anstalt des Bundes war und dann in eine sogenannte spezialgesetzliche Aktiengesellschaft namens "Schweizerische Bundesbahnen AG" umgewandelt wurde, bei der die Aktien sich wie bei der Deutschen Bahn AG zu 100 Prozent im Besitz des Bundes befinden.

Ziel war es, die Bahn als Verkehrsträger kundenorientierter, effizienter und wettbewerbsfähiger zu machen. Die SBB betreibt hauptsächlich Normalspurbahnen, wobei die schweizerische Normalspur mit 1432 Millimeter drei Millimeter schmaler als die Normalspur in Deutschland mit 1435 Millimetern ist.

Heute ist der SBB-Konzern nach der Stammhausstruktur aufgebaut. Die SBB führt im Stammhaus vier operative Divisionen, das sind "Markt Personenverkehr", "Produktion Personenverkehr", "Immobilien" und "Infrastruktur" sowie das Segment "Güterverkehr" mit den beherrschten Tochtergesellschaften SBB Cargo AG, SBB Cargo International AG. Dazu kommt im Personenverkehr beispielsweise die Thurbo AG, die ein Unternehmen der SBB mit Beteiligung des Kantons Thurgau ist.

Diese Konstruktion geht letztlich zurück auf die ehemalige Privatbahn mit dem Namen Mittelthurgaubahn (MThB), die Ende der 1990er-Jahre sowohl in der Schweiz als auch auf grenznahen deutschen Linien aktiv war, am Betrieb jedoch scheiterte. Die Schweizer Linien wurden von der SBB übernommen und werden von der Thurbo AG betrieben.

Die deutschen Linien betreibt heute die SBB GmbH mit Sitz in Konstanz. Diese deutsche Tochter hat auch den Betrieb der Bahnstrecke von Zell im Wiesental nach Basel mit einem Seitenzweig nach Weil am Rhein übernommen, nachdem die Deutsche Bahn diese Strecken eingestellt hatte. Da nach der Schließung vieler Industriebetrieb im Wiesental ein beträchtlicher Teil der dortigen Bevölkerung nach Basel auspendelt, entlastet diese Bahnlinie die Straßen Basels.

Der Taktfahrplan

In einem Punkt sind die SBB bis heute führend und das ist der Taktfahrplan, der im Mai 1982 eingeführt wurde, der auf allen Hauptbahnlinien sowie den Postautolinien zur Anwendung kam und wurde in den folgenden Jahren bis 1985 noch verbessert.

Grundtakt war von Anfang ein Zug pro Stunde. An der SBB Cargo ist mit Vertragsunterzeichung vom 21. April 2020 neben der SBB AG die Swiss Combi AG mit 35 Prozent beteiligt. Die Swiss Combi AG besteht aus den Logistikdienstleistern Planzer Holding AG, Camion Transport AG, Bertschi AG und Galliker Holding AG.

Bei der 100-prozentigen SBB-Catering-Tochter Elvetino, die in SBB-Zügen und für externe Kunden den Speisewagenbetrieb organisiert und dazu die SBB-Minibar, war das Arbeitsklima geraume Zeit optimierungsbedürftig.

Wie bei der Deutschen Bahn, die die Bewirtung im Zug in eigener Regie übernommen und die Catering-Tochter Mitropa abgestoßen hat, hat auch die SBB-Tochter Elvetino offensichtlich Probleme mit der Rentabilität.

Wenig erfolgreich war letztlich auch das Nachtzuggeschäft der Beteiligungsgeselllschaft CityNightLine mit Sitz in Zürich, die ein Gemeinschaftsunternehmen der SBB mit der DB und den Osterreichischen Bundesbahnen (ÖBB), das später vollständig an die DB abgestoßen wurde, die die dunkelblauen Wagen in rot-weiß umlackierte, mit der Integration in den DB-Fernverkehr so unglücklich war, das man den Nachtzugbetrieb aufgegeben hat. Die Schlafwagen leben bei der ÖBB weiter, deren Vorstand in den Nachtzügen einen Imagevorteil für die ÖBB sieht.

Die BLS AG

Die BLS AG ist eine 2006 gegründete Schweizer Bahngesellschaft. Sie betreibt als Eisenbahnverkehrsunternehmen ein Netz im Regionalverkehr, einschliesslich S-Bahn, eine Autoverladung am Lötschberg sowie am Simplon und die Schifffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee. Außerdem erbringt sie Dienstleistungen für die BLS Cargo AG und die BLS Netz AG.

Der Name der Bahn geht zurück auf die ehemalige Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn. Die BLS Cargo fährt zumeist Ganzzüge und bedient neben der Schweiz mit Schwerpunkt auf den Gothard- und Simplon-Tunnel-Strecken die Länder Italien, Deutschland und die Niederlande.

Nachdem zuvor für mehrere Jahre die Deutsche Bahn-Tochter Schenker mit 45 Prozent an der BLS Cargo beteiligt war, stieg 2017 die SNCF Logistics mit 45 Prozent bei der BLS Cargo AG ein. Neben den Normalspurbahnen der SBB und der BLS gibt es in der Schweiz noch mehrere Schmalspurstrecken. Davon betreibt die SBB mit der Schweizerischen Centralbahn von Basel über Olten und Luzern bis Bern und der Brünigbahn von Luzern über den Brünigpass ins Berner Oberland zwei Schmalspurstrecken.

Die Rhätische Bahn

Die Rhätische Bahn (RhB) mit ihrem Meterspurnetz hat im Kanton Graubünden Hauptbahnfunktionen inne, wie dies die SBB anderen Teilen der Schweiz darstellt. Sie erschließt alle Haupttäler des Kantons Graubünden und entlastet das kantonale Straßennnetz deutlich.

Wie praktisch alle schweizerischen Bahnstrecken ist das Netz der RhB elektrifiziert, wobei sich die Technik auf den einzelnen Strecken aus historischen Gründen durchaus unterscheidet. Während das sogenannte Stammnetz mit Einphasen-Wechselstrom betrieben wird, erfolgt der Betrieb der Strecken Bellinzona-Mesocco (BM), Berninabahn (BB) und Chur-Arosa-Bahn (ChA) mit Gleichstrom unterschiedlicher Spannung.

Diese historisch gewachsenen Unterschiede haben bis heute Auswirkung auf Technik und Betrieb der einzelnen Strecken. Die Chur-Arosa-Bahn wurde 1997 von 2400 V auf 11 kV 16 2/3 Hz umgestellt. (Christoph Jehle)